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Dr. Martina Rupp

 

Das Projekt

Das Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg (ifb) führt diese Untersuchung zum Thema „Lebenssituation von Kindern in gleich-geschlechtlichen Lebensgemeinschaften“ im Auftrag des Bundesministeriums der Justiz durch. Die Bearbeitung erfolgt durch ein interdisziplinär besetztes Projektteam unter der Leitung von Dr. Marina Rupp, bestehend aus Pia Bergold (Dipl.-Psych.), Andrea Dürnberger (Dipl.-Soz.) und Kerstin Rosenbusch (Juristin).

An der Studie werden weiterhin zwei Kooperationspartner beteiligt: Das Staats-institut für Frühpädagogik (IFP) München untersucht im Rahmen einer psychologischen Teilstudie die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften. Die Familienforschung Baden-Württemberg übernimmt differenzierte Auswertungen des aktuellen Mikrozensus im Hinblick auf die verfügbaren soziodemographischen Merkmale der Zielgruppe.

Zielsetzung

Die Zielsetzung des Projektes ist vielfältig und umfasst mehrere Fragestellun-gen. Im Zentrum des Interesses steht die Lebenssituation der Kinder, die in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften aufwachsen. Hier ist die vorrangige Fragestellung, wie sich die Ausgestaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen auf die Eltern-Kind-Beziehungen und die Unterstützung der Kinder auswirkt. Wichtige Themen in diesem Kontext stellen die Ausgestaltung der Eltern-Kind-Beziehungen einerseits und die Entstehungsgeschichte der Regenbogenfamilien andererseits sowie deren Konsequenzen insbesondere für die betroffenen Kinder dar. Dabei ist von besonderem Interesse, ob sich die Ergebnisse zur Entwicklung der Kinder in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften, die in anderen Ländern erzielt wurden, auch für die deutsche Situation feststellen lassen. Hierzu werden folgende Themenbereiche behandelt:

     

  • Ausgestaltung der Partnerschaft
  • Adoption, Pflegschaft, Insemination
  • Familienalltag
  • Gestaltung der Elternschaft
  • Trennungserfahrungen
  • Sorge- und Umgangsrecht, Unterhalt
  • Beziehung des Kindes zum anderen Elternteil
  • Diskriminierungserfahrung
  • Kinderwunsch
  • Bewertung der rechtlichen Situation
  • Soziale Lage

Bausteine der Untersuchung

Die Studie wird sich aus verschiedenen methodischen Bausteinen zusammensetzen:

Im Zentrum steht eine Befragung von Eltern, wobei sowohl leibliche als auch soziale Elternteile einbezogen werden. Dabei wird besonderes Augenmerk auf die verschiedenen Konstellationen wie z.B. Pflege und Adoptivelternschaft gelegt. Die Befragung erfolgt telefonisch mittels eines weitgehend standar-disierten Instrumentes. Ziel ist, es je 500 Elternteile mit und ohne Eintragung zu erreichen.

Zusätzlich zu dieser standardisierten Erhebung werden zur Ergänzung und Vertiefung der Informationen ausführliche persönliche Gespräche mit Eltern-paaren in Regenbogenfamilien geführt.

Expertengespräche mit Jurist(inn)en, Jugendamtsmitarbeiter(innen), Lehrkräf-ten und Erzieher(inne)n sowie Fachkräfte in Beratungseinrichtungen werden zusätzliche Perspektiven auf die Fragestellung eröffnen.

Einen weiteren Baustein der Studie bildet die Befragung der Kinder und Ju-gendlichen, welche gleichfalls telefonisch, jedoch auf der Basis teilstandardi-sierter Fragen erfolgt.

Zugangswege

Eine große Herausforderung bei der Durchführung der Untersuchung stellt der Zugang zur Zielgruppe dar. Dabei gibt es zwei grundsätzliche Wege: Eingetragene Lebenspartnerschaften sind bei den Meldebehörden verzeichnet und somit prinzipiell adressierbar. Demgegenüber ist bei Paaren, die keine Lebenspartnerschaft begründet haben, kein entsprechender Zugang vorhanden, d.h. die Forschung ist auf freiwillige Meldung und Beteiligung angewiesen.

Stichpropbengewinnung

     

  1. Länder mit Adressenüberlassung
    Die Angaben beziehen sich auf verfügbare Adressen von Einzelpersonen oder Haushalten in ELP
Bundesland Stand Rücklauf Meldebehörden Anzahl der Adressen
Berlin Adressüberlassung abgeschlossen alle Adressen der Eingetragenen Lebenspartnerschaften erhalten 4.764
Brandenburg Adressüberlassung - am 11.06.07 Schreiben an 4 Städte und 14 Landkreise bislang haben 15 Meldeämter gemeldet 203
Bremen Adressüberlassung abgeschlossen alle Adressen der eingetragenen Lebenspartner erhalten 560
Hamburg Adressüberlassung abgeschlossen alle Adressen der eingetragenen Lebenspartner erhalten 2.356
Hessen Bewilligungsverfahren läuft noch
Niedersachsen Adressüberlassung - am 04.07.07 Serienbrief an alle Meldebehörden versandt über 90% der Meldeämter haben bislang gemeldet 2.876
NRW Adressüberlassung - am 22.03.07 Serienbrief an alle Meldebehörden versandt 78% der Meldeämter haben bislang gemeldet 2.868
Rheinland-Pfalz Adressüberlassung abgeschlossen - (zentrale Adressdatenban) alle Adressen der Eingetragenen Lebenspartnerschaften erhalten 1.477
Sarland Adressüberlassung - 09.08.07 52 Meldebehörden angeschrieben
Sachsen-Anhalt am 27.03.07 Serienbrief an alle Meldebehörden über 65 % der Meldeämter haben bislang gemeldet 236
Schleswig-Holstein am 21.02.2007 ging ein Schreiben vom Innenministerium an die zuständigen Behörden bislang haben 42% Meldeämter gemeldet 458
Gesamt 15.798

     

  1. Länder mit Adressmittlungsverfahren.
    Ausgewiesen werden teilnahmebereite Personen/Haushalte
Bundesland Stand Rücklauif Meldebehörden Anzahl der Adresse
Baden-Württemberg Adressmittlungsverfahren - am 16.07.07 insgesamt 1.475 Briefe versandt Rücklauf nur von teilnahmebereiten Personen 88
Bayern Adressmittlungsverfahren - zentrale Adressdatenbank für kleine Gemeinden. München, Augsburg und Nürnberg wurden vom ifb mit der Bitte um Unterstützung angeschrieben (am 24.07.2007) Rücklauf nur von teilnahmebereiten Personen 25
Mecklenburg-Vorpommern Adressmittlungsverfahren - am 08.05.07 insgesamt 120 Briefe via Innenministerium versandt Vom Ministerium noch nicht versandt
Sachsen Adressmittlungsverfahren - am 10.05.07 insgesamt 450 Briefe via Innenministerium versandt Teilnahmebereitschaft der Antwortenden: ca. 65% 57
Thüringen Adressmittlungsverfahren - am 04.05.07 insgesamt 110 Briefe via Innenministerium versandt Teilnahmebereitschaft der Antwortenden: ca. 65% 26
Gesamt 196

Zugehörigkeit zur Zielgruppe

Zielgruppen des Auftrages des BMJ sind Eltern, die mit ihren Kindern (überwiegend) zusammenleben – mit und ohne Eintragung. Dieses Merkmal ist meist nicht zuverlässig bekannt und muss daher erfragt werden. Dies geschieht soweit möglich in einer vorgeschaltenen telefonischen Kurzbefragung. Allerdings sind nur bei 30% der rund 16.000 Adressen Telefonnummern recherchierbar, d.h. dass alle anderen angeschrieben werden müssen, mit der Bitte, sich bei uns zu melden! Danach wird auch bei dieser Gruppe ein Screening zur Zielgruppenzugehörigkeit durchgeführt.

Gewinnung der Paare ohne Eintragung

Bislang ergingen zwei Teilnahmeaufrufe über diverse Medien (v.a. kostenlose Zeitschriften etc.), Verbände, Beratungsstellen und andere Multiplikatoren, ein dritter steht in Vorbereitung. Dabei wird darum gebeten, sich bei uns zu melden und idealerweise unsere Internetplattform zu nutzen, auf der zugleich die Zielgruppenzugehörigkeit erfasst wird.

Bislang haben 2.597 Personen diese Internetplattform besucht, darunter sind:

     

  • 110 ohne Angabe zur Eintragung
  • 921 ELP mit aktueller/m Partner(in)
  • 24 ELP mit früherer/m Partner(in)
  • 8 ELP wieder gelöst
  • 1.534 ohne Eintragung

Die Interessierten sind zu 50,5 % Frauen, was bedeutet, dass Männer und Frauen gleich stark vertreten sind.

Rund 2/3 der Antwortenden sind bereit, an der Studie teilzunehmen, bei den Eltern sind es sogar 73%. Für die aktuelle Studie heißt das, wir verfügen aus dieser Quelle über 133 teilnahmebereite Eltern(paare) in Lebenspartnerschaft und 73 teilnahmebereite Eltern(paare) ohne Eintragung.

Explorative Befragung

Um wichtige Einblicke und Hintergrundinformationen zu erlangen, wurden im Vorfeld der Fragebogenentwicklung ausführliche Gespräche mit Eltern in Re-genbogenfamilien geführt.

An dieser Vorstudie haben fünf Elternpaare, darunter vier Frauenpaare teilge-nommen. Sie leben in verschiedenen Regionen Deutschlands und haben Kinder aus früheren heterosexuellen und homosexuellen Partnerschaften, aus Adoption und Insemination. Auch konnte sowohl mit Paaren, die eine eingetragene Lebenspartnerschaft haben, als auch mit Eltern, die keine ELP begründet haben, gesprochen werden.

Die Befragung zeigte, dass in den Regenbogenfamilien eine ausgesprochen hohe Sensibilität in Bezug auf Begriffe und Bezeichnungen herrscht. Wichtig für die Familiensituation ist die Herkunft des Kindes und damit verbunden die Frage, ob es sich um ein gemeinsames Kind des Paares handelt. Dem Thema Familiengründung wird sehr hohe Bedeutung beigemessen. Weiter liefern die Informationen Hinweise auf eine egalitäre Aufgabenteilung bei gleichge-schlechtlichen Paaren. Auch werden sehr bewusst für das Kind/die Kinder Kontakte zu Personen anderen Geschlechts aufgebaut. Die Perspektive auf die eigene rechtliche Situation ist überwiegend kritisch.

Nächste Schritte

Die Befragung soll im September starten. Die Expertengespräche folgen dann zu Beginn des kommenden Jahres.

Zurzeit wird ein Antrag an die Deutsche Forschungsgemeinschaft ausgearbeitet. Ziel ist es, auch Paare ohne Kinder im Haushalt und kinderlose Paare befragen zu können. Zur Durchführung dieser zusätzlichen Studien kooperiert das ifb mit Prof. Hofmeister, welche die Professur für gender studies an der Universität Aachen innehat. Inhaltlich wird dabei ein zusätzlicher Schwerpunkt auf Aufgabenteilung und Alltagsgestaltung gelegt.

Zur Autorin:

Dr. (rer pol.), Dipl.-Soz. Marina Rupp, seit ca. 20 Jahren in der Familienfor-schung tätig. Derzeit stellv. Leiterin des Staatsinstituts für Familienforschung an der Universität Bamberg.

Kontakt:
marina.rupp@ifb.uni-bamberg.de