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- Von heterologer Insemination & Queerfamilies -
Isabelle Wey

Inhalte des Workshops

1) Was ist heterologe Insemination, wie funktioniert sie und welche Möglichkeiten gibt es?

Als heterologe Insemination (auch donogene Insemination) bezeichnet man die Übertragung von Fremdsamen in den Genitaltrakt der Frau. Insemination ist die gängigste Methode der künstlichen Befruchtung.

Man unterscheidet zwischen intra-cervikaler (ICI) und intra-uteriner (IUI) Inse-mination. Bei der ICI, auch Eigeninsemination (Bechermethode), wird der Sa-men mittels einer Einwegspritze oder Portiokappe in die Scheide vor den Mut-termund gebracht. Die IUI erfolgt durch Samenübertragung mit Hilfe eines Arztes oder einer Ärztin, wobei der Samen aufbereitet und in die Gebärmutter ein-gespült wird.
 

2) Bekannter Spender vs. Anonymer Spender
 

Bekannter Spender – Freund oder Bekannter, Suche eines Spenders über Annonce, Internet etc.

Häufigste angewandte Möglichkeit ist Eigen-Insemination durch die Bechermethode (ICI).

     

  • pro
    •  

    • preiswerte Variante
    • bekannter „Vater“ 
  • contra
    •  

    • privat organisierte Gesundheitsüberprüfung
    • Verzicht auf Unterhalt ist nicht rechtsgültig
    • Recht auf Vaterschaftstest

Anonymer Spender – Spendersamen von Samenbanken im In-und Ausland

Häufigste angewandte Möglichkeit ist die assistierte Insemination (IUI). Sie erfolgt nur mit „gewaschenem“ Samen durch einen Arzt oder eine Ärztin. Die ICI erfolgt nur bei Eigen-Insemination mit kryokonserviertem Samen. 
    

Spender deutscher Samenbanken

     

  • pro
    •  

    • Insemination kann in einer Klinik, Praxis oder zu Hause stattfinden
    • Nichteinmischung des Spenders garantiert
    • Kind kann mit 18 Jahren die Identität des Spenders erfahren
    • Unbedenklichkeit des Spermas ist gesichert 
  • contra
    •  

    • Voraussetzung ist eine eingetragene Lebenspartnerschaft oder mindestens ein notariell beglaubigter Partnerschaftsvertrag
    • behandelnder Arzt wählt in den meisten Fällen Spendermerkmale aus
    • nicht alle Samenbanken versenden Samen für lesbische Paare
    • Versand nur an repromedizinische Praxen
    • kostenaufwändig, aber dennoch günstiger als im Ausland

Spender ausländischer Samenbanken

     

  • pro
    •  

    • Insemination kann in einer Klinik, Praxis oder zu Hause stattfinden
    • Eingetragene Lebenspartnerschaft ist nicht Voraussetzung
    • Nichteinmischung des Spenders ist garantiert
    • Eigene Auswahl des Spenderprofils
    • Unbedenklichkeit des Spermas ist gesichert 
  • contra
    •  

    • Versand nur an Gynäkologen oder repromedizinische Praxen
    • Meist keine Möglichkeit die Identität des Spenders zu erfahren (vie-le No-Spender)
    • Teilweise Wartezeiten, vor allem bei Yes-Spendern
    • Sehr zeit- und kostenintensiv bei Insemination im Ausland

Assistierte Reproduktion

Als assistierte Reproduktion wird die ärztliche Hilfe zur Erfüllung des Kinder-wunsches eines Paares durch medizinische Hilfen und Techniken bezeichnet. In der Regel wird im Zusammenhang mit diesen Verfahren eine hormonelle Stimulation durchgeführt. Darunter versteht man den Einsatz von Medikamenten zur Unterstützung der Follikelreifung, so dass im Zyklus ein oder mehrere Follikel heranreifen.

Die alleinige Insemination (ohne hormonelle Stimulation) sowie die alleinige hormonelle Stimulation (ohne Insemination) sind als Methode nicht von dieser Richtlinie erfasst.
 (Quelle: Novelle der Bundesärztekammer November 2006)

Adressverzeichnis

Heiße Eisen – Diskussionspunkte

Assistierte Reproduktion – Insemination als Therapieform für lesbische Paare

Durch das massive Eingreifen der Bundesärztekammer ist es re-promedizinisch tätigen Praxen und Kliniken derzeit nicht erlaubt, In-seminationen bei lesbischen Paaren durchzuführen. Auch die wenigen Praxen in Deutschland, die bislang lesbische Paare behandelt haben, ziehen sich wieder zurück. Aus den gleichen Gründen ist derzeit der Zugang zu deutschen Samenbanken für lesbische Paare nicht möglich.

Freie Wahl des Spenders

Jeder soll frei entscheiden können, ob er einen bekannten Spender, den Spender einer deutschen oder einer ausländischen Samenbank wählen will, einen Yes- oder No-Spender. Ebenfalls soll der Spender frei entscheiden können, ob er anonym bleiben will oder nicht. Es sollte nicht so wie in den Niederlanden sein, wo es derzeit offensichtlich nur noch Yes-Spender gibt. Auf der anderen Seite sollte es auch nicht nur No-Spender von ausländischen Samenbanken geben.

Vaterschaftsanerkennung – Abstammungsrecht

Die Vaterschaftsanerkennung in lesbischen Lebensgemeinschaften ist bei einem anonymen Samenspender ein Problem und erfordert eine Reform des Abstammungsrechts. Ein Kind, das in eine eingetragene Lebenspartnerschaft hinein geboren wird, hätte somit zwei Fürsorgeberechtigte, nämlich seine leibliche Mutter und die Co-Mutter. Eine Stiefkindadoption und die Vaterschaftsanerkennung würden sich erübrigen.

Tipps

Vorbereitung

Alle Wege wie der Kinderwunsch realisiert werden kann, sollten sehr sorgfältig überlegt und geprüft werden. Man sollte sich sehr eingehend mit den verschiedenen Möglichkeiten befassen und sich mit anderen lesbischen Paaren austauschen oder an Beratungen wenden. Nicht außer Acht sollte man die psychische Belastung lassen. Vor allem aber muss die „Vaterrolle“ geklärt sein, sofern er eine Rolle im Leben des Kindes haben soll.

Folgerungen bzw. rechtliche Forderungen

Richtlinie der Bundesärztekammer

Die Richtlinie zur assistierten Reproduktion muss zugunsten lesbischer Paare geändert werden. Die Novelle besagt zwar, dass eine Insemination ohne hor-monelle Behandlung und eine hormonelle Behandlung ohne Insemination nicht von der Richtlinie betroffen ist, praktisch ist es den Ärzten aber dennoch nicht erlaubt, eine Insemination bei einem lesbischen Paar vorzunehmen. Die Bundesärztekammer unterstellt, dass die hormonelle Behandlung dennoch Therapie begleitend vollzogen wird.

Reform des Abstammungsrechts

Das Abstammungsrecht besagt, dass ein Kind, das in eine Ehe hinein geboren wird, automatisch den Ehepartner als „leiblichen“ Vater hat, selbst wenn er es gar nicht ist. Bei einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, hat das Kind nur eine leibliche Mutter und - wenn der Vater unbekannt ist - somit nur einen Elternteil. Die Co-Mutter wird hier nicht berücksichtigt. Mit einer Reform des Abstammungsrechtes würde man das Problem der Vaterschaftsanerkennung lösen, gleichzeitig würden die Co-Mutter als „leiblicher“ Elternteil und damit auch ihre Unterhaltspflicht anerkannt.

Zur Autorin:

Isabelle Wey engagiert sich im Landesvorstand des Lesben- und Schwulenverbandes Sachsen und - selbst Mutter zweier Kinder - als Sprecherin der Gruppe „queerkids“, der ILSE- Sachsen.

Kontakt:
queerkids.de, Postfach 31 03 28, 04162 Leipzig, Tel. 0341-49 25 894, in-fo@queerkids.de