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Von der familiären Wirklichkeit und Selbstdefinition lesbischer Mütter, schwuler Väter und ihrer Kinder.

Vortrag von Prof. Dr. Udo Rauchfleisch

Müssen lesbische Mütter, schwule Väter und ihre Kinder „Familie“ neu erfinden? Bilden sich in „Regenbogenfamilien“ die gleichen Rollenverteilung und Regeln aus wie in heterosexuellen Familienkonstellationen? Wo bietet die familiäre Wirklichkeit von Regenbogenfamilien spezielle Herausforderungen und Chancen?

Diesen Fragen widmete sich Prof. Dr. Udo Rauchfleisch in seinem Vortrag „Regenbogenfamilien – ganz normal anders“ am 12. März 2005 in Köln. Er hat als Professor des Instituts für Psychologie der Universität Basel und als Psychotherapeut in eigener psychoanalytischer Praxis in Binningen (Schweiz) zahlreiche Publikationen veröffentlicht, so auch zum Thema „Homosexualität“ und „Regenbogenfamilien“ (siehe Literaturliste im Anhang der Dokumentation).

Einleitung

„Regenbogenfamilien“ stellen eine eigenständige Familienform dar wie Eineltern-Familien, Patchwork-Familien, Stieffamilien und viele andere. Dass die gleichgeschlechtlichen Paare mit Kindern einen eigenen Begriff für ihre Familienform gefunden haben, ist von erheblicher Bedeutung, kommen sie damit doch heraus aus einer defensiven Haltung der Rechtfertigung, eine den anderen Familienformen gleichwertige Familie zu sein.


Der Begriff „Regenbogenfamilie“ stiftet Identität und stärkt damit das Selbstbewusstsein von lesbischen und schwulen Paaren mit Kindern. Es sind damit ganz „normale“ Familien.

Regenbogenfamilien sind aber auch deshalb „normale“ Familien, weil sie eine keineswegs kleine Zahl von Menschen betreffen.

Wir können davon ausgehen, dass in Deutschland ein bis zwei Millionen lesbische und schwule Eltern mit ihren Kindern leben (wobei hier die recht große Zahl verdeckt, dass in Ehen lebende Lesben und Schwule nicht berücksichtigt sind). Aus diesen Zahlen ergibt sich, dass ca. zwei bis drei Millionen Kinder mit gleichgeschlechtlich empfindenden Müttern und Vätern zusammenleben.


Das heißt: Auch zahlenmäßig haben wir es bei den Regenbogenfamilien nicht mit einem „randständigen“ Thema zu tun.

Hier erhebt sich die Frage, ob Regenbogenfamilien Familien wie andere auch sind. Oder weichen sie von anderen Familien ab? Die Antwort auf diese Frage ist eine doppelte und lautet: Ja und Nein. Es sind, wie ausgeführt, „normale“ Familien, aber sie sind zugleich auch „anders“.

Im Folgenden werde ich mich mit zwei Hauptthemen auseinandersetzen:

     

  1. mit der Frage, was Regenbogenfamilien sind, und
  2. mit der Frage, wie sich Kinder in Regenbogenfamilien entwickeln und inwiefern Regenbogenfamilien „anders sind als andere Familien.

Was sind Regenbogenfamilien?

Der Begriff „Regenbogenfamilien“ bezeichnet eine Familie von Eltern und Kindern, wobei mindestens ein Elternteil lesbisch oder schwul ist. Häufig wird der Begriff aber vor allem für gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern verwendet.


Regenbogenfamilien können auf verschiedene Weise entstehen: Es können Familien mit Kindern aus vorangegangenen heterosexuellen Beziehungen sein. Dies ist die häufigste Art, wie diese Familien entstanden sind. Selten ist die Variante, dass die Eltern lesbisch und schwul sind und sich zu gemeinsamen Kindern entschließen, die sie dann unter Umständen auch gemeinsam versorgen. Bei Lesbenpaaren können es auch Inseminationskinder sein, wobei die künstliche Befruchtung in den meisten europäischen Ländern jedoch nur heterosexuellen Paaren vorbehalten ist. Weitere, eher seltene Arten der Entstehung von Regenbogenfamilien sind die Adoption (die in den meisten europäischen Ländern gleichgeschlechtlichen Paaren aber verwehrt wird) oder die Pflegekindschaft (auch dies eine sehr seltene Form der Regenbogenfamilie).

In Diskussionen um Regenbogenfamilien taucht von Seiten der Kritiker als Hauptargument auf, ein gleichgeschlechtliches Paar könne Kindern doch kein ihrer Entwicklung förderliches Klima bieten. Diese Kinder würden in emotionaler und sozialer Hinsicht eine für sie verhängnisvolle Entwicklung durchlaufen. Im folgenden soll dieses kritische Argument einer genaueren Prüfung unterzogen werden. Dabei sind zwei Fragen zu beantworten:

     

  1. Wie entwickeln sich die Kinder, die in Regenbogenfamilien aufwachsen?
  2. Inwiefern sind Regenbogenfamilien „anders“ als andere Familien, und entstehen ihnen daraus irgendwelche Probleme?

    Wie entwickeln sich Kinder aus Regenbogenfamilien?

    Wie erwähnt, ist eines der Hauptargumente von homosexualitäts-feindlichen Kreisen in unserer Bevölkerung, das Aufwachsen bei gleichgeschlechtlichen Paaren biete den Kindern keine gedeihlichen Entwicklungsmöglichkeiten. Ihnen fehle der andersgeschlechtliche Elternteil. Nur in einer Familie mit Mutter und Vater könne sich ein Kind voll entwickeln.

    Dies Argument ist schon bei einer ersten Annäherung unsinnig:

    Zum einen verlieren lesbische Frauen und schwule Männer, die zuvor in heterosexuellen Ehen gelebt haben, durch ihr Coming-Out ja nicht ihre erzieherische Kompetenz! Wenn sie vorher „gute“ Mütter und Väter waren, bleiben sie dies auch, wenn sie später in einer Regenbogenfamilie leben.


    Zum anderen gilt die Annahme, Kinder brauchten für ihre ungestörte Entwicklung zwei verschiedengeschlechtliche Elternteile, ja nicht nur für Regenbogenfamilien, sondern betrifft in gleicher Weise Eineltern-Familien (die meist von Frauen geführt werden). Tatsächlich sehen sich Eineltern-Familien immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert, diesen Kindern, vor allem den Jungen, fehle der Vater als männliche Identifikationsperson. Dies Argument mag logisch erscheinen. Die Forschung zeigt jedoch(1), dass Kinder aus Eineltern-Familien sich gleich entwickeln wie Kinder aus (heterosexuellen) Zweieltern-Familien.

    Das gleiche gilt für Kinder aus Regenbogenfamilien.

    Die uns dazu vorliegenden Studien stammen zwar aus dem angloamerikanischen Bereich, und es ist nicht ohne weiteres möglich, die dort ermittelten Resultate auf die Situation in Mitteleuropa zu übertragen. Doch weisen die Befunde von Langzeitstudien eindeutig nach, dass sich bei diesen Kindern in sozialer, emotionaler und intellektueller Hinsicht keinerlei Fehlentwicklungen finden.


    Die erste Frage, die von Kritikern in Diskussionen über Kinder in Regenbogenfamilien gestellt wird, ist die, ob diese Kinder nicht im Hinblick auf ihre sexuelle Orientierung von Kindern aus heterosexuellen Familien abweichen, d. h. in einem höheren Prozentsatz selbst lesbisch resp. schwul werden. Im Grunde ist diese Frage an sich schon diskriminierend, klingt darin doch an, dass die Entwicklung einer gleichgeschlechtlichen Orientierung unerwünscht, Ausdruck einer wie auch immer gearteten „Pathologie“ sei. Die uns vorliegenden Studien zu Kindern aus Regenbogenfamilien zeigen übereinstimmend, dass diese Kinder nicht häufiger als Kinder aus Familien mit heterosexuellen Eltern lesbisch oder schwul werden.

    Ferner weisen diese Studien nach, dass auch keine Unterschiede bezüglich des Geschlechtsrollen-Verhaltens und der von den Kindern bevorzugten Idole und Freizeitinteressen (Filmschauspieler/innen, bevorzugte Fernsehsendungen, Hobbys usw.) bestehen und dass Kinder aus Regenbogenfamilien in ihrer emotionalen oder sozialen Entwicklung keinerlei Abweichungen von Kindern aus Familien mit heterosexuellen Eltern aufweisen. Auch die Annahme homosexualitätsfeindlicher Kreise, lesbische Mütter würden den Kontakt der Kinder zum Vater weitgehend unterbinden, erweist sich aufgrund der Forschungsbefunde als völlig unzutreffend. Lesbische Mütter fördern gerade häufiger als die Mütter getrennter heterosexueller Paare den Kontakt der Kinder zum Vater und zu anderen männlichen Familienangehörigen.

    Ähnlich wie bei Eineltern-Familien weisen Kinder aus Regenbogenfamilien gegenüber Kindern aus Familien mit heterosexuellen Eltern ein größeres Ausmaß an Akzeptanz und Einfühlungsfähigkeit gegenüber anderen Menschen auf, sind sensibler für Geschlechterrollen und Kompetenzen von Frauen und Männern und lernen in ihrer Familie einen partnerschaftlichen Erziehungsstil und eine egalitäre Rollenverteilung ihrer Mütter resp. Väter kennen. Sie bringen deshalb in spätere eigene Partnerschaften das Modell einer egalitären Rollenverteilung mit, was sich positiv auf diese Beziehungen auswirkt.

    Die Tatsache, dass die Regenbogenfamilie aus Eltern des gleichen Geschlechts besteht, heißt nicht, dass den darin aufwachsenden Kindern der heterosexuelle (männliche oder weibliche) ‚Elternteil’ fehlt und sie deshalb eine psychische Fehlentwicklung durchlaufen. Diese Kinder „nehmen“ sich die Aspekte des nicht in der Familie lebenden Elternteils von anderen Frauen und Männern aus dem familiären Kreis und dem weiteren Umfeld und nutzen sie zur Identifikation.


    Auf die in Diskussionen immer wieder gestellte Frage, ob denn die Kinder aus Regenbogenfamilien nicht einer erhöhten Diskriminierung durch Kameradinnen und Kameraden sowie durch das weitere Umfeld ausgesetzt seien, werde ich weiter unten (unter 4.) noch ausführlicher eingehen.

    Fasst man die Befunde der uns vorliegenden Studien zur Entwicklung von Kindern aus Regenbogenfamilien zusammen, so kann man sagen, dass diese Kinder nicht nur eine gleich gute Entwicklung durchlaufen wie Kinder aus Familien mit zwei heterosexuellen Eltern, sondern sie weisen in einiger Hinsicht sogar einen Entwicklungsvorsprung auf.

    Das Fazit lautet dementsprechend: Lesbische Mütter und schwule Väter sind in gleicher Weise befähigt, Kinder zu erziehen, wie heterosexuelle Eltern.


    Sind Regenbogenfamilien „anders“? Und welche Folgen hat dieses „Anders-Sein“?

    Wenn die Kritiker von Regenbogenfamilien mit den zitierten Forschungsergebnissen konfrontiert sind und einsehen müssen, dass diese Familienform den Kindern durchaus gute Entwicklungsmöglichkeiten bietet, führen sie häufig als letztes Argument an, die Gesellschaft sei noch nicht so weit, Lesben und Schwule voll zu akzeptieren und deshalb seien die Kinder in der Schule und im weiteren Umkreis Opfer von Diskriminierungen. Aus diesem Grunde wirke sich die Regenbogenfamilie letztlich eben doch nachteilig auf die Entwicklung der darin aufwachsenden Kinder aus.

    Hier erhebt sich die Frage, ob bzw. in welcher Hinsicht Regenbogenfamilien „anders“ sind als andere Familien und welche Folgen gegebenenfalls dieses „Anders-Sein“ hat. Im Folgenden sollen einige der wichtigsten Besonderheiten von Regenbogenfamilien dargestellt und darauf hin untersucht werden, welche Bedeutung diese Besonderheiten für die Kinder haben.

     

    Die Situation lesbischer und schwuler Eltern, die zuvor in heterosexuellen Beziehungen gelebt haben

    Bei Regenbogenfamilien mit Kindern, die aus einer vorangegangenen heterosexuellen Beziehung stammen, besteht ein wichtiger Unterschied zu anderen Familien darin, dass der gleichgeschlechtlich empfindende Elternteil ein Coming-Out durchlaufen hat. Die Mittei-lung der Homosexualität an die heterosexuelle Ehepartnerin resp. den Ehepartner sowie an die Kinder steht am Ursprung einer solchen Regenbogenfamilie.


    Dies kann ein dramatisches Ereignis im Leben der Kinder sein, vor allem wenn das Coming-Out der lesbischen Mutter oder des schwulen Vaters heftige, feindselige Reaktionen beim heterosexuellen Elternteil auslöst und die Eltern ihre Konflikte über die Kinder aushandeln.

    Wichtig beim Coming-Out des gleichgeschlechtlich empfindenden Elternteils ist zum einen das Alter des Kindes zum Zeitpunkt der Mitteilung. Problematisch ist das Pubertätsalter, während jüngere Kinder und junge Erwachsene im Allgemeinen weniger Schwierigkeiten mit der Mitteilung haben, die Mutter sei lesbisch oder der Vater schwul. Diese unterschiedliche Reaktion von Kindern ist entwicklungspsychologisch verständlich, stellt doch gerade die Pubertätsphase eine Zeit der Identitätsunsicherheit, der Suche nach gültigen Normen (zu denen auch die Geschlechterrollen gehören) und der Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität dar. Es ist verständlich, dass das Coming-Out, das in diese Entwicklungsphase des Kindes fällt, vom Kind schwerer zu verarbeiten ist als ein Coming-Out in der früheren Kindheit und im jungen Erwachsenenalter.

    Neben dem Alter des Kindes ist aber wohl der wesentlichste Faktor bei der Frage, wie das Coming-Out des gleichgeschlechtlich empfindenden Elternteils verarbeitet wird, die Art, wie die Eltern mit dieser Situation umgehen. Ich habe bereits erwähnt, dass es fatale Folgen für die Kinder hat, wenn sie in die Konflikte der Eltern involviert werden und die Eltern ihre Auseinandersetzungen über die Kinder führen. Wichtig ist auch, wie der heterosexuelle Elternteil auf das Coming-Out reagiert, welche Gefühle in ihm aufbrechen (wie Wut, Verzweiflung, Enttäuschung) und ob er Unterstützung aus dem Umfeld erhält (z. B. aus dem Familien- und Freundeskreis oder bei Selbsthilfegruppen für Frauen schwuler Männer oder für Männer lesbischer Frauen). Von großer Bedeutung ist schließlich, inwieweit die lesbische Mutter oder der schwule Vater zu ihrer resp. seiner gleichgeschlechtlichen Orientierung steht.

    Die Situation von Regenbogenfamilien mit Inseminationskindern

    Während am Ursprung der Regenbogenfamilie, deren Kinder aus vorangegangenen (heterosexuellen) Ehen stammen, eine Diskontinuität steht, indem die ursprüngliche Familie zerbricht und eine neue Familienform gegründet wird, herrscht bei Regenbogenfamilien mit Inseminationskindern eine völlig andere Situation.

    Diese Kinder werden in eine bereits bestehende gleichgeschlechtliche Partnerschaft hinein geboren, und für sie ist von Anfang an klar, dass ihre Eltern lesbisch oder schwul sind.


    Innerhalb dieser Familien bestehen, je nach Art der Insemination, unterschiedliche Situationen: bei anonymen Spendern ist der Vater der Mutter wie dem Kind nicht bekannt und ist auch in keiner Weise in das Familienleben involviert. Bei persönlich bekannten Samenspendern kann der Vater, je nach eigenen Wünschen und je nach Vorstellungen der Mutter und den Abmachungen, die zwischen ihnen getroffen worden sind, entweder eine eher randständige Position einnehmen und im Leben der Regenbogenfamilie keine wesentliche Rolle spielen, oder er kann sich erheblich in der Betreuung des Kindes engagieren und sich nicht zuletzt auch finanziell beteiligen. Eine spezielle Variante des persönlich bekannten Spenders ist die, dass sich ein lesbisches und ein schwules Paar zusammen tun und gemeinsam das von einem der schwulen Männer gezeugte Kind aufziehen.

    Es ist klar, dass die Art der Insemination und die Frage, ob der Vater dem Kind und auch der Mutter bekannt ist bzw. wie weit er sich an der Erziehung beteiligt, einen Einfluss auf die Entwicklung des Kindes hat. Es ist jedoch schwierig, diesbezüglich allgemein gültige Aussagen zu machen. Wesentlich ist die Art, wie die biologische Mutter und die soziale Mutter damit umgehen und wie sie dem Kind die Information über seine Entstehung vermitteln.


    Neben dem engeren Kreis der Regenbogenfamilie sind auch die Bezugspersonen aus der weiteren Familie, z. B. die Grosseltern, von Bedeutung. Aus einer großen prospektiv angelegten amerikanischen Langzeitstudie zur Entwicklung von Kindern aus Regenbogenfamilien (der seit 1996 laufenden „National Lesbian Family Study“, vgl. Gartrell et al., 1996, 1999, 2000) wissen wir beispielsweise, dass sich – zumindest in den USA – die Grosseltern zunächst oft schwer mit dem Faktum der künstlichen Insemination tun. So ignorierte anfangs jede zehnte Großmutter/jeder zehnte Großvater die Existenz dieser Enkelkinder, obwohl sie sich ursprünglich sehnlichst Enkelkinder gewünscht hatten. Immerhin zeigt diese Studie aber auch, dass es nicht über lange Zeit hin bei dieser Ablehnung bleibt: Während im Krabbelalter der Kinder (2 Jahre) noch weniger als ein Drittel der Grosseltern die gleichgeschlechtliche Partnerschaft ihrer Tochter und die Tatsache, dass in der lesbischen Partnerschaft der Tochter Enkelkinder leben, gegenüber Dritten thematisierten, akzeptierten nach der Einschulung zwei Drittel der Grosseltern die Enkel-kinder und sprachen offen über diese Kinder (vgl. Patterson, 1998).

    In der Regenbogenfamilie leben eine biologische und eine soziale (Co-)Mutter resp. ein biologischer und ein sozialer (Co-)Vater zusammen

    Diese Konstellation weicht im Grunde nicht unbedingt von anderen Familienformen, so z. B. von der Patchwork-Familie oder der Stieffamilie, ab. Auch hier gibt es einen biologischen und einen sozialen Elternteil. Dies ist die gleiche Situation bei Regenbogenfamilien, in denen Kindern aus vorangegangenen heterosexuellen Beziehungen leben. Bei gleichgeschlechtlichen Paaren mit Inseminationskindern hingegen ist es indes ein „gemeinsames“ Kind der beiden Partnerin-nen, weil sie gemeinsam die Entscheidung getroffen haben, welche der beiden Frauen schwanger werden soll und auf welche Art die Schwangerschaft der biologischen Mutter zustande kommt.

    Ein wesentlicher Unterschied zwischen der Regenbogenfamilie und anderen Familienformen, bei denen biologische und soziale Eltern zusammen leben und gemeinsam die Kinder erziehen, liegt aber darin, dass in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften in der Regel die vor der Schwangerschaft der einen Frau bestehende egalitäre Rollenverteilung auch nach der Geburt des Kindes beibehalten wird, was zu einer größeren Zufriedenheit der Partnerinnen führt (vgl. Krüger-Lebus & Rauchfleisch, 1999).


    Diese Rollenverteilung steht im Gegensatz zu heterosexuellen Partnerschaften, in denen nach der Geburt eines Kindes die Frauen in vielen Fällen in die traditionelle Frauenrolle treten, d. h. für Haushalt und Kind zuständig sind und sich der Vater nur mehr oder weniger an diesen Aufgaben beteiligt. Kinder aus Regenbogenfamilien erleben so von früh auf ein weites Spektrum an Kompetenzen ihrer Eltern, die sich sowohl in den häuslichen Aufgaben engagieren als auch beruflich tätig sind und dabei zufriedener sind als viele heterosexuelle Frauen, die nach der Geburt des Kindes in die Rolle der „Nur-Haufrau-und-Mutter“ gedrängt werden (dies zum Teil aufgrund der Rollenvorstellungen des Mannes, der die Frau als „Mutter der Familie“ im Haus sehen möchte, zum Teil aber auch aus ökonomischen Gründen, weil sie als Frau bei der nach wie vor in vielen Bereichen unserer Gesellschaft bestehenden Ungleichheit in Bezug auf die Entlohnung von Frauen und Männern durch eine außerhäusliche Erwerbstätigkeit weniger zum Unterhalt der Familie beitragen kann).

    Es liegt auf der Hand, dass die Zufriedenheit resp. Unzufriedenheit der Eltern einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der Kinder hat. Je zufriedener sie in der Familienkonstellation sind, in der sie leben, desto entspannter ist die Atmosphäre und desto besser können sie sich mit der Betreuung und Erziehung der Kinder abgeben.

    Der Umgang der Eltern mit ihrer gleichgeschlechtlichen Orientierung

    Eine Abweichung besonderer Art von anderen Familienformen liegt darin, dass in der Regenbogenfamilie zwei Menschen mit gleichgeschlechtlicher Orientierung zusammenleben.

    Alle uns diesbezüglich vorliegenden Befunde zeigen eindeutig, dass die Entwicklung der Kinder und ihre Situation im weiteren sozialen Umfeld wesentlich davon abhängt, ob die lesbischen Mütter resp. die schwulen Väter eine positive Einstellung zu ihrer gleichgeschlechtlichen Orientierung haben und dementsprechend frei und unbefangen damit auch in der Öffentlichkeit umgehen können.


    Gewiss bleibt auch für offen lebende Lesben und Schwule, die sich selbst voll akzeptieren, lebenslang die Frage aktuell, wem sie was zu welcher Zeit in welcher Form über ihre sexuelle Orientierung mitteilen. Aber es ist ein großer Unterschied – mit erheblichen Konsequenzen für die Kinder -, ob die Tatsache der Homosexualität vor der Umgebung verheimlicht wird oder ob offen darüber gesprochen wird.

    Die größtmögliche Offenheit der Eltern ist zumindest aus zwei Gründen notwendig: Zum einen würde aus einer ängstlich-verheimlichenden Art des Umgehens mit dem Thema Homosexualität den Kindern vermittelt, die gleichgeschlechtliche Orientierung sei etwas, dessen man sich schämen müsse. Dadurch würde in den Kindern ein negatives Bild der Eltern entstehen, und es würde sich in ihnen selbst eine homophobe Haltung entwickeln. Zum zweiten würden die Kinder durch das Verheimlichen der gleichgeschlechtlichen Orientierung der Eltern in eine für ihre Entwicklung unheilvolle Situation geraten, indem sie in zwei strikt voneinander getrennten Welten leben müssten, innerhalb der Familie im Wissen um die Homosexualität ihrer Mütter resp. Väter und außerhalb des Hauses in einer Welt, der sie diese Tatsache verheimlichen müssten. Die Kinder gerieten dadurch in einen erheblichen Konflikt und wären Belastungen ausgesetzt, die negative Folgen für ihre psychische und soziale Entwicklung hätten.

    Indes ist zu berücksichtigen, dass in Bezug auf die Offenheit, mit der das Thema Homosexualität in und außerhalb der Regenbogenfamilie behandelt wird, dies nicht allein eine Sache der Eltern ist. Sie müssen einerseits als Erwachsene zwar ihren eigenen Weg finden, andererseits müssen sie ihre Schritte aber immer auch ein Stück weit auf die Gefühle und die soziale Situation ihrer Kinder abstimmen. So kann es Zeiten geben, in denen sich die Kinder beispielsweise vehement dagegen wehren, dass die Homosexualität der Eltern in der Schule publik wird. In solchen Situationen macht es wenig Sinn, dass die Eltern quasi „im Alleingang“ Lehrer/innen und Mitschüler/innen informieren. Sie müssen vielmehr mit den Kindern klären, welche Ängste sie haben, gemeinsam Lösungsstrategien suchen und die Schritte in die Öffentlichkeit mit den Kindern absprechen.

    Das Coming-Out der Eltern ist in Regenbogenfamilien ja immer auch eine Art Coming-Out für die Kinder.


    Eine wichtige Frage für Regenbogenfamilien ist auch, ob die Co-Mutter resp. der Co-Vater von der Umgebung als Muter resp. Vater wahrgenommen und akzeptiert wird. Nicht selten sehen sich Frauenpaare der Situation gegenüber, dass das Umfeld zwar wahrnimmt, dass zwei Frauen mit Kindern zusammen leben. Die Co-Mutter wird aber oft nicht als Partnerin der leiblichen Mutter und als soziale Mutter des Kindes wahrgenommen, sondern als „Freundin“ oder „WG-Mitbewohnerin“. Eine solche Situation kann zu der oben beschriebenen Belastung der Kinder führen, die außerhalb des Hauses die gleichgeschlechtliche Orientierung ihrer Eltern geheim halten müssen. Zur Entlastung der Kinder ist es in diesem Fall nötig, dass die biologische und die soziale Mutter sich als Paar deklarieren und damit ihre Rollen in der Regenbogenfamilie sichtbar werden.

    Gewisse Probleme können den Regenbogenfamilien schließlich auch von Seiten der Lesbian- und Gay-Community entstehen. Nicht immer nämlich stoßen sie bei Lesben und Schwulen ohne Kinder auf Verständnis dafür, dass sie Kinder haben und mit diesen zusammen leben. Auch wenn heute diese Art der Kritik seltener geworden ist, gibt es nach wie vor Lesben und vor allem Schwule, für die Lesbisch- resp. Schwul-Sein unvereinbar mit einem Kinderwunsch und dem Leben in Regenbogenfamilien ist. Aus einer solchen Haltung heraus erfahren die Eltern aus Regenbogenfamilien mitunter Ablehnung von Seiten derer, deren Solidarität in der Lesbian- und Gay-Community für sie gerade wichtig und ihre Identität stärkend wäre.

    Konfrontation mit negativen Klischeebildern von Lesben und Schwulen

    Im Unterschied zu heterosexuellen Elternpaaren sehen sich lesbische Mütter und schwule Väter mit etlichen negativen Klischeebildern konfrontiert, wie sie vielfach in der Öffentlichkeit bestehen (vgl. Rauchfleisch, 2001). Als Eltern in Regenbogenfamilien müssen sie sich kritisch mit diesen vorurteilsbeladenen Bildern auseinanderset-zen, um eine positive lesbische resp. schwule Identität auszubilden und einen entsprechenden Lebensstil entwickeln zu können.


    Außerdem ist das kritische Hinterfragen dieser Vorurteile für die Entwicklung der Kinder wichtig, weil auch sie im Verlauf ihrer Entwicklung mit diesen Klischees zusammentreffen und vor deren negativer Wirkung geschützt werden müssen. Es sollen im folgenden drei besonders weit verbreitete Klischeebilder genannt und kommentiert werden:

    Ein immer wieder auftauchendes Klischeebild ist das der männlichen Identifizierung der lesbischen Frau und der weiblichen Identifizierung des schwulen Mannes. Wird diese - in der Vergangenheit sogar im wissenschaftlichen Schrifttum in immer wieder neuen Variationen auftauchende - Vorstellung von den Eltern in der Regenbogenfamilie nicht kritisch hinterfragt und gar (im Sinne der verinnerlichten Homophobie) in ihr Selbstbild übernommen, so beeinträchtigt dies ihre eigene Entwicklung zu einer positiven lesbischen resp. schwulen Identität und wirkt sich damit zwangsläufig auch negativ auf die Entwicklung ihrer Kinder aus.

    Ein zweites gerade für lesbische und schwule Eltern äußerst diskriminierendes und sie unter Umständen sehr belastendes Vorurteil lautet, sie stellten eine Verführungsgefahr für ihre Kinder dar. In etwas verhüllterer Form äußert sich diese Ansicht auch in der oben bereits diskutierten Befürchtung homosexualitätsfeindlicher Kreise, das Aufwachsen von Kindern mit gleichgeschlechtlich empfindenden Eltern führe dazu, dass diese Kinder selbst vermehrt lesbisch oder schwul würden. Bei dem Vorurteil der angeblichen Verführungsgefahr findet eine verhängnisvolle Vermischung der beiden in Realität voneinander völlig unabhängigen Dimensionen der Homosexualität und der Pädosexualität statt. Pädosexuelle Übergriffe haben nichts mit Homo- oder Heterosexualität zu tun, sondern finden sich bei Menschen jedweder sexuellen Orientierung.

    Ein drittes die gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mitunter erheblich belastendes negatives Klischeebild stellt die Annahme dar, diese Beziehungen zerbrächen recht schnell wieder, und den Kindern sei ein Aufwachsen in derart instabilen Partnerschaften unzuträglich. Ich habe oben bereits darauf hingewiesen, dass die (zumindest in der Vergangenheit) rein statistisch größere Zahl von Beziehungsabbrüchen bei gleichgeschlechtlichen Paaren verschiedene Gründe hat, die vor allem in der lange Zeit bestehenden sozialen Benachteiligung und in der rechtlichen Unsicherheit von Regenbogenfamilien liegen. Es bleibt abzuwarten, ob die lesbischen und schwulen Partnerschaften nach Inkrafttreten des Partnerschaftsgesetzes in Zukunft dauerhafter sein werden als früher. Außerdem ist bei dieser Diskussion zu berücksichtigen, dass aufgrund der Dauer einer Beziehung keinesfalls Aussagen über die Qualität der Beziehung gemacht werden können. Dass das Argument, Regenbogenfamilien zerbrächen wesentlich schneller als heterosexuelle Ehen, nicht zutrifft, zeigen die Befunde der bereits erwähnten amerikani-schen Langzeitstudie „National Lesbian Family Study“ (vgl. Gartrell et al., 2000): Innerhalb der ersten fünf Jahre kam es bei lesbischen Paaren mit Kindern in 31% zu Trennungen, ein Prozentsatz, der identisch ist mit der Scheidungsrate heterosexueller Paare, bei denen jede dritte Ehe in den ersten drei Jahren geschieden wird.

    Positive Besonderheiten gleichgeschlechtlicher Partnerschaften

    Die meisten der bisher diskutierten Abweichungen der Regenbogenfamilien von den heterosexuellen Familien stellen eher belastende Faktoren dar (eine wichtige Ausnahme ist allerdings bereits erwähnte Tatsache, dass Kinder aus Regenbogenfamilien zum Teil bessere soziale Kompetenzen entwickeln). Die nun zu diskutieren-den Besonderheiten der gleichgeschlechtlichen Partnerschaften sind indes eindeutig:

    Es sind Partnerschaften, denen es zwar weitgehend an Modellen fehlt, die dadurch aber eine wesentlich größere Variabilität mit der Möglichkeit zu kreativeren, ganz individuellen Gestaltungen aufweisen.


    Außerdem finden sich in Regenbogenfamilien eine weitgehend egalitäre Rollenverteilung und infolge dessen auch eine größere Zufriedenheit der Partnerinnen resp. Partner. Auch im Hinblick auf die in allen Partnerschaften, in gleich- wie in gegengeschlechtlichen wichtigen Fragen der Regulierung von Nähe und Distanz sowie des Ausbalancierens zwischen individuellen und gemeinsamen Aktivitäten, finden wir in Regenbogenfamilien ein wesentlich breiteres, je auf die Bedürfnisse der beiden Partnerinnen resp. Partner individuell abgestimmtes Spektrum.

    Für die in Regenbogenfamilien aufwachsenden Kinder resultiert aus dieser Situation, dass sie ein größeres, individuelleres Spektrum an Partnerschaftsmodellen und elterlichen Kompetenzen kennen lernen und in eigene spätere Partnerschaften mit der Vorstellung einer egalitären Rollenverteilung eintreten.


    Aus dieser Situation ergibt sich, dass Regenbogenfamilien im Grunde eine Avantgarde darstellen, von denen auch heterosexuelle Paare profitieren können. Durch das Fehlen von Modellen für ihre Partnerschaften sind Lesben und Schwule nicht in so starkem Maße wie heterosexuelle Paare an gesellschaftlich vorgegebene Verhaltensregeln gebunden und demonstrieren damit, dass es sehr individuelle Gestaltungen von Partnerschaften gibt. Vorbild können Regenbogenfamilien auch im Hinblick auf die beschriebene egalitäre Rollenverteilung sein.

    Was brauchen Regenbogenfamilien? Worauf kommt es in Zukunft an?

    In erster Linie kommt es darauf an, die Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Orientierungen und Lebensweisen zu vergrößern, d. h. die in der Gesellschaft noch weithin bestehenden Vorurteile und negativen Klischeebilder abzubauen und die dahinter liegende homosexualitätsfeindliche Haltung (Homophobie) aufzudecken.


    Größere Akzeptanz macht das Leben für Regenbogenfamilien einfacher, sehen sie sich dann doch weniger als bisher mit Misstrauen in die erzieherischen Kompetenzen der Eltern und mit Ablehnung ihrer Lebensweise konfrontiert. Größere Akzeptanz von außen führt bei den lesbischen und schwulen Eltern aber auch zu einer größeren Selbstsicherheit und Selbstakzeptanz, wodurch das Familiensystem entlastet wird.

    Zur Erreichung der genannten Ziele sind vor allem Öffentlichkeitsarbeit und politische Aktivitäten (durch politische Gruppierungen und Lesben-/Schwulenorganisationen wie LSVD, HuK, Völklinger Kreis und andere) notwendig. Außerdem kann eine größere Akzeptanz von Regenbogenfamilien dadurch erreicht werden, dass Lesben und Schwule im Allgemeinen und Regenbogenfamilien im besonderen sichtbar werden und durch ihre Person und ihre Lebensweise zum Abbau von Vorurteilen beitragen.

    Es braucht dringend vorurteilsfreie, über gleichgeschlechtliche Orientierungen und Lebensweisen gut informierte Fachleute aus den verschiedensten humanwissenschaftlichen Fächern (Pädagogik, Psychologie, Medizin, Sozialarbeit, Theologie usw.).


    Wenn solche Fachleute zur Verfügung stehen, können Regenbogenfamilien, falls (wie in anderen Familien auch) irgendwelche Probleme auftreten, frühzeitig eine ihnen angemessene Beratung und Begleitung finden. Außerdem müssen sie sich nicht, wie heute vielfach noch, gegen vorurteilsbeladene Ansichten von Fachleuten wehren, die bei Schwierigkeiten als Ursache sofort das Faktum „Regenbogenfamilie“ ins Feld führen.

    Diese Ziele sind dadurch erreichbar, dass das Thema „gleichgeschlechtliche Orientierungen und Lebensweisen“ in sämtliche humanwissenschaftlichen Ausbildungen aufgenommen wird. Eine konstruktive Auseinandersetzung damit müsste schon in der Schule beginnen, wo eine sachlich fundierte, vorurteilsfreie Information stattfinden muss.

    Ferner ist es wichtig, dass Regenbogenfamilien auch in Kinder- und Schulbüchern als eine den heterosexuellen Ehen gleichwertige Partnerschaft dargestellt werden. Auf diese Weise wird diese Le-bensform für die Heranwachsenden zu etwas „Normalem“.


    Zur Erreichung dieser Ziele ist es notwendig, dass Autor(inn)en und Verlage von lesbisch-schwulen Emanzipationsgruppen und Fachverbänden (z. B. von Lehrer(innen)gruppen, Psychotherapeut(inn)enverbänden usw.) darauf hingewiesen werden, dass in den von ihnen veröffentlichten Büchern Lesben und Schwule diskriminierende Äußerungen zu finden sind und dass Regenbogenfamilien in diese Literatur aufgenommen werden sollen.

    Zur Verbesserung der Situation von Regenbogenfamilien sind auch Gesetzesänderungen notwendig. So sollte z. B. die Möglichkeit eines gemeinsamen Sorge- und Adoptionsrechts geschaffen werden sowie die steuerliche Gleichstellung mit heterosexuellen Familien erfolgen. Regenbogenfamilien würden dadurch stärker als gleichwertige Familien wahrgenommen, würden von der Drucksituation der ungleichen Rechtslage befreit und auch in finanzieller Hinsicht entlastet.


    Erreichbar sind diese Ziele durch politische Aktivitäten und durch Initiativen von Verbänden wie LSVD und anderen lesbisch-schwulen Gruppierungen.

    Wichtig zum Abbau von Vorurteilen und zur Erreichung einer breiteren Akzeptanz von Regenbogenfamilien sind schließlich die Förderung von Kontakten und der Erfahrungsaustausch unter Regenbogenfamilien. Vielfach stehen diese Familien unter dem Eindruck, sie seien die „einzigen“ dieser Art und leiden darunter, sich nicht mit anderen Regenbogenfamilien austauschen zu können.

    Eine wichtige Aktivität zur Erreichung dieses Ziels ist das Modellprojekt des LSVD „Regenbogenfamilien“ unter der Leitung von Frau Dr. Elke Jansen. Im Rahmen dieses Projekts sind Anlaufstellen für Regenbogenfamilien, die Vermittlung von Information über diese Lebensform, Begegnungsmöglichkeiten und Beratungsangebote für Regenbogenfamilien sowie für Institutionen und Fachleute geschaffen worden.

    Fazit

    Regenbogenfamilien stellen eine den heterosexuellen Familien gleichwertige, ihren Kindern gedeihliche Entwicklungsbedingungen bietende Lebensform dar.

    Die Kinder aus Regenbogenfamilien entwickeln sich gleich wie Kinder aus anderen Familien. In mancherlei Hinsicht zeigen sie sogar einen gewissen Entwicklungsvorsprung gegenüber Kindern aus traditionellen heterosexuellen Familien (z. B. größere Sensibilität für Diskriminierungen und für die Geschlechterrollen mit den daran geknüpften Machtverhältnissen).

    In mancherlei Hinsicht sind Regenbogenfamilien aber auch anders. Daraus resultieren zum Teil Schwierigkeiten, die jedoch nicht von den Familien selbst her kommen, sondern durch die soziale Situation bedingt sind, in der sie in unserer, zum Teil immer noch homosexualitätsfeindlichen Gesellschaft leben.

    Literaturliste

    Ergänzend zu einzelnen Literaturangaben (Berger et al. 2000, LSVD 2003, Gartrell, N. et al. (1996, 1999 & 2000), die sich im Anhang der Dokumentation finden, empfiehlt Dr. Rauchfleisch die nachfolgend aufgelisteten Publikationen. 

       

    • Krüger-Lebus, S., Rauchfleisch, U. (1999): Zufriedenheit von Frauen in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit und ohne Kinder. System Familie 12, 74-79.
    • Patterson, C. J., Hurt, S., Mason, C. D. (1998): Families of the Baby Boom: Children’s Contact with Grandparents and other Adults. Amer. J. Orthopsychiat. 68, 390-399.
    • Rauchfleisch, U. (2001): Schwule. Lesben. Bisexuelle. Lebensweisen, Vorurteile, Einsichten. 3. Aufl. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.

    Anmerkung

       

    1. Siehe die Übersicht über die entsprechenden Studien bei Rauchfleisch, 1997; s. außerdem die Studie von Berger et al., 2000, und die Dokumentati-on des LSVD, 2003.