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Queerfeindlichkeit ist kein Randphänomen

Monitoring-Bericht des Demokratiezentrums Hessen zeigt Häufung queerfeindlicher Vorfälle in Hessen

Von queerfeindlichen Stickern über massive verbale Anfeindungen bis hin zu körperlichen Angriffen mit erheblicher Brutalität: Solche Vorfälle sind keine Einzelfälle. Auch das Demokratiezentrum Hessen warnt: „Queerfeindlichkeit ist kein Randphänomen“. Zwischen Februar und Juni 2026 war Queerfeindlichkeit ein besorgniserregender Schwerpunkt im Monitoring des Demokratiezentrums Hessen.

Von queerfeindlichen Stickern über massive verbale Anfeindungen bis hin zu körperlichen Angriffen mit erheblicher Brutalität: Solche Vorfälle sind keine Einzelfälle. Auch das Demokratiezentrum Hessen warnt: „Queerfeindlichkeit ist kein Randphänomen“. Zwischen Februar und Juni 2026 war Queerfeindlichkeit ein besorgniserregender Schwerpunkt im Monitoring des Demokratiezentrums Hessen. Besonders im Umfeld des Pride-Month und der CSD-Saison wurde die Sichtbarkeit queerer Menschen immer wieder zum Anlass für Anfeindungen, Angriffe und Einschüchterungen. Der Bericht macht zugleich deutlich, dass Queerfeindlichkeit in rechtsextremen und antifeministischen Ideologien eine wichtige Rolle spielt. 

Queerfeindlichkeit im Fokus des Monitorings 

Der aktuelle Monitoring-Bericht des Demokratiezentrums Hessen gibt einen Überblick über zahlreiche Vorfälle aus dem Berichtszeitraum. Die Monitoring-Berichte „Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in Hessen“ des Demokratiezentrums Hessen dokumentieren rechtsextremistische, rassistische, antisemitische sowie weitere antidemokratische und menschenfeindliche Vorfälle, Aktivitäten und Entwicklungen in Hessen. Grundlage der Berichte sind öffentliche und offizielle Quellen sowie eigene Recherchen. Dazu zählen unter anderem Polizeimeldungen, Presse- und Medienberichte, Beiträge in sozialen Netzwerken und Internetpräsenzen sowie Meldungen, die beim Demokratiezentrum eingehen. 

Queerfeindlichkeit umfasst die Ablehnung, Abwertung, Diskriminierung und Gewalt gegenüber Menschen aufgrund ihrer tatsächlichen oder zugeschriebenen sexuellen Orientierung, geschlechtlichen Identität oder ihres Geschlechtsausdrucks. Dazu zählen unter anderem Homo-, Bi-, Inter- und Trans*feindlichkeit. 

Die im Bericht dokumentierten Vorfälle zeigen die unterschiedlichen Formen, in denen sich Queerfeindlichkeit äußert. Dazu gehören Sachbeschädigungen wie queerfeindliche Sticker und Schmierereien oder die Beschädigung von Pride-Symbolen im öffentlichen Raum. Hinzu kommen Beleidigungen und abwertende BeschimpfungenBedrohungen und Einschüchterungen sowie körperliche Angriffe, bei denen Betroffene teilweise erhebliche Verletzungen erlitten. 

Nach Angaben des hessischen Innenministers Roman Poseck hat sich die Zahl der queerfeindlichen Straftaten in Hessen innerhalb von vier Jahren mehr als vervierfacht (2025: 141 registrierte Fälle, 2024: 135 registrierte Fälle, 2023: 83 registrierte Fälle, 2022: 33 registrierte Fälle). Die registrierten Fälle bilden jedoch nur einen Ausschnitt des tatsächlichen Geschehens ab. Fachstellen und queere Initiativen weisen seit Jahren auf eine hohe Dunkelziffer hin. Betroffene verzichten aus unterschiedlichen Gründen darauf, Vorfälle zu melden, etwa aus Scham, aus Angst vor einem unfreiwilligen Outing oder aus Sorge, nicht ernst genommen zu werden. Die registrierten Vorfälle geben daher nur einen Teil des tatsächlichen Ausmaßes von Queerfeindlichkeit wieder. Queerfeindlichkeit wirkt sich dabei auch auf das Sicherheitsgefühl queerer Menschen aus. Das Demokratiezentrum verweist auf Berichte aus queeren Initiativen und Beratungsstellen über zunehmende Vorsicht im Alltag, die Sorge vor Anfeindungen und eine hohe Belastung durch digitale Gewalt. 

Queerfeindlichkeit und rechtsextreme Mobilisierung  

Rechtsextreme und antifeministische Akteur*innen greifen queerfeindliche und sogenannte „antigenderistische“ Narrative auf, um gesellschaftliche Vielfalt zu delegitimieren und traditionelle Familien- und Geschlechterbilder als vermeintliche Norm zu verteidigen. 

Gerade im Pride-Month und während der CSD-Saison werden diese Narrative sichtbar. Der Bericht beschreibt, dass queere Sichtbarkeit und geschlechtliche Vielfalt dabei unter anderem als angebliche „Gefahr für Kinder“ oder als „ideologische Einflussnahme“ dargestellt werden. Im Umfeld von CSD-Veranstaltungen kommt es zudem zu Störungen, Angriffen auf Infostände und gezielten Diffamierungskampagnen. 

Das Demokratiezentrum Hessen bewertet die Entwicklungen im Berichtszeitraum als Hinweise auf Enthemmungs- und Radikalisierungsprozesse. Queerfeindlichkeit ist gesellschaftlich wirkmächtig und strukturell sichtbar. Dennoch bleibt sie in vielen Bereichen weiterhin untererfasst. Vorfälle werden unter anderem nicht gemeldet oder nicht als queerfeindlich erkannt. 

Auch bundesweit zeigen aktuelle Zahlen, dass queerfeindliche Hasskriminalität weiterhin auf hohem Niveau liegt. 2025 wurden bundesweit 2.377 queerfeindliche Straftaten registriert, 12,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Rechtsextreme Mobilisierungen im Umfeld von CSDs finden ebenfalls bundesweit statt. 

Queerfeindlichkeit entschlossen entgegentreten 

Die Entwicklungen, die der Monitoring-Bericht dokumentiert, zeigen, dass konsequentes politisches Handeln notwendig ist, um queere Menschen zu schützen und demokratische Vielfalt zu verteidigen. Queerfeindliche Hasskriminalität und Angriffe auf queere Sichtbarkeit müssen politisch ernst genommen und klar benannt werden. 

Der rechtsextremen Mobilisierung gegen queere Menschen und CSDs muss politisch entschieden entgegengetreten werden. Dafür braucht es eine nachhaltige Förderung von Präventionsmaßnahmen gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und rechtsextreme Ideologien.  

Gerade während der Pride-Saison braucht es verlässliche und queersensible Sicherheitskonzepte. Sicherheits- und Versammlungsbehörden sollten sich frühzeitig mit Veranstaltenden und der queeren Zivilgesellschaft austauschen und die spezifischen Gefährdungslagen berücksichtigen. Gleichzeitig müssen queere Beratungs- und Community-Strukturen nachhaltig finanziert und abgesichert werden. Sie sind zentrale Anlaufstellen für Menschen, die queerfeindliche Gewalt und Diskriminierung erfahren. Angesichts der hohen Dunkelziffer ist es besonders wichtig, dass Betroffene niedrigschwellig Unterstützung erhalten und Vorfälle melden können. Auch Polizei und Justiz müssen besser für queerfeindliche Hasskriminalität sensibilisiert und entsprechend aus- und fortgebildet werden. Queerfeindliche Tatmotive müssen konsequent erkannt, erfasst und verfolgt werden. Welche konkreten Schritte jetzt notwendig sind, zeigen unsere 10 Sofortmaßnahmen für queere Sicherheit.

Queere Sichtbarkeit darf nicht der Angst weichen. CSDs und andere Veranstaltungen queerer Communities stehen für Selbstbestimmung, gesellschaftliche Teilhabe und das Recht, sichtbar zu sein. Gerade angesichts der im Monitoring dokumentierten queerfeindlichen Vorfälle braucht es deshalb eine klare demokratische Haltung und konkrete Maßnahmen zum Schutz queerer Menschen. 

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