Hände weg vom Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas

Ungeheuerliche Pläne der Deutschen Bahn

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Sinti und Roma verfolgt, verschleppt und ermordet. Aufgrund von Bauplänen der Deutschen Bahn ist das Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma Europas nun in Gefahr. Dagegen protestiert der Lesben- und Schwulenverband entschieden. Es müssen andere Lösungen gefunden werden, die das Denkmal unberührt lassen.

Durch die Baupläne der Deutschen Bahn für eine neue S-Bahntrasse ist das Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma Europas im Berliner Tiergarten in Gefahr. Dagegen protestiert der Lesben- und Schwulenverband entschieden.

Am Montag, den 3. August, 10:00 Uhr lädt das Aktionsbündnis „Unser Denkmal ist unantastbar!“ zu einem virtuellen Kongress. Diskutiert wird über die Bedeutung des Denkmals und wie es geschützt werden kann.

  • Begrüßung (Alexander Diepold, HLS)
  • Moderation, technische Einweisung (Markus Mertens, Journalist)
  • Der Völkermord an den Sinti und Roma Europas und die
    Erinnerungskultur – ein kurzer Überblick (Tim Müller, VDSR-BW)
  • Video: Stimmen vom Gedenken am 2. August »… die sind alle verbrannt worden.«
  • Die politische Bedeutung des Denkmals (Romeo Franz, MdEP)
  • Statements von Mitgliedern des Aktionsbündnisses
  • Diskussion im Plenum
  • Schlusswort (Daniel Strauß, RomnoKher)

Anmeldung unter info@romnokher.de.

Der Kongress kann außerdem im Livestream verfolgt werden unter https://www.youtube.com/user/romnokher.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Sinti und Roma verfolgt, verschleppt und ermordet. Beispielhaft sei hier genannt die Verschleppung der Sinti und Roma von Berlin: Ungefähr 1.200 Menschen wurden zwischen 1936 und 1943 in das Zwangslager Marzahn deportiert. 1940 begannen die Massendeportationen in die Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager in Polen. Insgesamt wurden ca. 500.000 Sinti und Roma ermordet. Die Überlebenden waren und sind für ihr Leben gezeichnet.

An diese Verbrechen erinnert das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma seit 2012. Für seine Errichtung wurde jahrzehntelang gekämpft. Denn nach 1945 entwickelte sich die Wiedergutmachung für diese Opfer des nationalsozialistischen Terrors nur sehr schleppend bzw. wurde die Verfolgung fortgeführt. Diese Geschichte teilen sie mit den lesbischen und schwulen Opfern des Nationalsozialismus.

Häufig wurde erklärt, sie seien überwiegend nicht aus rassistischen Gründen, sondern wegen ihrer angeblichen „asozialen und kriminellen Haltung“ inhaftiert worden. Entschädigungsanträge der Opfer wurden in der Regel abgelehnt. Erst Ende 1963 stellte der Bundesgerichthof fest, dass für die Verfolgung seit 1938 "rassenpolitische Beweggründe mitursächlich" gewesen seien. Erst 1982 erkannte der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt den Völkermord an den deutschen Sinti und Roma als rassistische Verfolgung an. Bis heute sind Sinti und Roma Opfer vielfältiger antiziganistischer Diskriminierung und Gewalt.

Vor diesem Hintergrund ist es so ungeheuerlich wie unerträglich, dass die Deutsche Bahn nun das Denkmal antastet. Die Baupläne werden die Nutzung des Erinnerungsorts über Jahre erschweren, es womöglich sogar in seiner Gänze gefährden. Es müssen andere Lösungen gefunden werden, die das Denkmal unberührt lassen.

Der LSVD ist seit 2015 Mitglied im Bündnis für Solidarität mit den Sinti und Roma Europas. Am diesjährigen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus haben der Landesverband Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg und der LSVD Berlin-Brandenburg mit Unterstützung der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas eine gemeinsame Gedenkstunde an den Denkmälern für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen und die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma abgehalten.

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