LSVD

Schule als Ort für Respekt und Vielfalt

Kinder und Jugendliche stärken

Die schulische Beschäftigung mit LSBTI ist ein fundamentaler Bestandteil von Demokratie- und Menschenrechtsbildung. Mit dieser Resolution formuliert der LSVD seine Forderungen für eine inklusive Schul- und Bildungspolitik. Damit Schulen Orte für Respekt und Vielfalt werden.

Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und Inter* (LSBTI) sind selbstverständlicher Bestandteil der heutigen Gesellschaft. Das gilt für alle Lebensphasen – auch für die Schulzeit. Kinder und Jugendliche verbringen einen großen Teil ihrer Zeit in der Schule. Schulen sollten daher Orte sein, an denen sie sich wohl und wertgeschätzt fühlen.

Dies ist jedoch nicht immer der Fall. Stattdessen führt „anders“ zu sein, „verschieden“ zu sein oftmals zu Diskriminierung. So sind an vielen Schulen Ausgrenzung und Mobbing ein Problem - mitunter bis zu Gewalt. Es kann Kinder und Jugendliche treffen, die bestimmte Geschlechterrollenerwartungen nicht erfüllen, die in Regenbogenfamilien leben, oder all diejenigen, die lesbisch, schwul, bisexuell, trans- oder intergeschlechtlich sind bzw. dafür gehalten werden. Ausgrenzung, Einschüchterung und der Zwang, sich zu verleugnen, bedeuten massive psychische Belastungen für die Kinder und Jugendlichen. Darüber hinaus beeinträchtigen sie den Bildungserfolg und damit den ganzen späteren Lebensweg.

Gesellschaftliche Vielfalt gehört zum heutigen Alltag und Schule muss darauf vorbereiten. Das ist originär Bestandteil ihres Bildungsauftrags, damit Kinder und Jugendliche ein positives und akzeptierendes Selbstbild entwickeln und sich gegen Diskriminierungen behaupten können. Gelingen kann dies nur, wenn auch über die Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identitäten sachlich und angemessen informiert wird. Lehrkräfte und schulisches Personal können dazu ihren Beitrag leisten. Wichtig ist eine adäquate Behandlung in der pädagogischen Aus- und Fortbildung: verpflichtende Module zum Themenfeld LSBTI bereits in der Lehramtsausbildung, regelmäßige und qualifizierte Fortbildungsangebote sowie Beauftragte für Vielfalt als Anlaufstellen in den Schulen.

Die schulische Beschäftigung mit LSBTI ist ein fundamentaler Bestandteil von Demokratie- und Menschenrechtsbildung. Einige Bundesländer haben eine Pädagogik der Vielfalt bereits erfolgreich etabliert. Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) setzt sich dafür ein, dass Bildungspläne für eine Pädagogik der Vielfalt in allen Bundesländern verankert werden.

Lebensrealitäten von LSBTI im Unterricht

Schulen sollen Orte sein, an denen die Vielfalt der Lebensweisen Raum erhält. In Unterrichtsinhalten, Lernmitteln und im Schulalltag wird dann deutlich: LSBTI sind Teil der gesellschaftlichen Vielfalt, sie sind gleichwertig und gleichberechtigt. Eine Förderung der Akzeptanz von LSBTI beinhaltet die Auseinandersetzung mit Vorurteilen und Stereotypen und gesellschaftlicher Homo- und Transphobie. Ob im Deutsch-, Fremdsprachen-, Politik-, Sozialkunde-, Ethik- oder im Geschichtsunterricht: Beispiele und Informationen über die Lebensrealitäten von LSBTI können und müssen fächerübergreifend vermittelt und in den Lehrplänen verankert werden. Dies ist Voraussetzung für die Thematisierung in Schulbüchern. Und warum soll im Matheunterricht nicht auch einmal der Einkaufswagen einer Regenbogenfamilie als Rechenbeispiel dienen?

Über die pädagogisch-fachliche Vermittlung hinaus liegt ein weiterer Fokus auf der unmittelbaren Begegnung: Lebensrealitäten von LSBTI vermitteln am besten Begegnungen mit LSBTI. Hier liegt die Stärke außerschulischer Bildungsprojekte, die von jungen Schwulen, Lesben und Trans* durchgeführt werden. Sie ergänzen den schulischen Bildungsauftrag. Dass sie in die Schulen eingeladen werden, ihnen von ministerieller Seite die Türen geöffnet werden, dafür setzt sich der LSVD ein.

Altersgerechte, sensible und inklusive Sexualerziehung

Eine altersgerechte und sensible Sexualaufklärung ist ein weiterer und eigenständiger Aspekt des schulischen Bildungsauftrags. Sie ergänzt die individuelle Sexualerziehung des Elternhauses. Sie muss an den Fragen und Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen anknüpfen und sich in ihren Antworten an den Standards orientieren, die die Weltgesundheitsorganisation und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ausgearbeitet haben.

Ziel der Sexualaufklärung sollte die positive Einstellung zur eigenen Körperlichkeit und Sexualität sowie die Entwicklung von Verantwortungsbewusstsein für sich und andere sein. Sie fördert so Selbstbestimmung sowie ein positives Selbstwertgefühl, und ist Teil der schulischen Präventionsarbeit sowohl gegen sexuelle Gewalt als auch sexuell übertragbare Krankheiten. Zu einer altersgerechten und sensiblen Aufklärung gehört dabei selbstverständlich auch die Beschäftigung mit LSBTI-Lebensweisen. Deren verbindliche Thematisierung als gleichwertige sexuelle Orientierungen und Identität muss Eingang in die Richtlinien aller Bundesländer zur Sexualerziehung finden.

Stärkung des Selbstwertgefühls

Lehrkräfte und schulisches Personal müssen für ein Schulklima sorgen, in dem viele unterschiedliche Lebensmodelle und Identitäten akzeptiert werden und selbstverständlich sind. Niemand darf zur Zielscheibe von Spott und Ausgrenzung werden: Sei es aufgrund von Kleidung oder Interessen, aufgrund der Herkunft, der Familie, der Hautfarbe, der Religion, einer Behinderung oder der sexuellen und geschlechtlichen Identität.

Erwachsene sind in der Pflicht, bei Diskriminierung sicher und souverän zu intervenieren und Stellung zu beziehen, wenn Bezeichnungen für geschlechtliche und sexuelle Identitäten als Schimpfwörter benutzt werden. Denn Kinder und Jugendliche brauchen Unterstützung, um sich gegen Mobbing zu wehren, um bei Mobbing an anderen einzuschreiten und um nicht selbst andere zu mobben. Der beste Schutz ist ein Klima der Akzeptanz und Wertschätzung von Vielfalt.

Schulleitungen müssen daher konkrete Handlungsstrategien für den Umgang mit Mobbingsituationen auch aufgrund von Geschlechterstereotypen oder einer LSBTI-Identität entwickeln. Diese müssen allen Mitgliedern der Schulgemeinschaft verpflichtend bekannt sein.

Auch unter Lehrkräften und schulischem Personal kann es Menschen geben, die Vorurteile gegen LSBTI haben und dies die Schülerinnen und Schüler spüren lassen. In solchen Fällen müssen die Kolleginnen und Kollegen sowie die Schulleitung frühzeitig eingreifen und dafür sorgen, dass Diskriminierungen jeder Art unterbunden werden.

Es geht aber nicht nur um die Abwehr von Mobbing und Diskriminierung, sondern auch um ein positives Bild, das Kinder und Jugendliche von sich selbst und von anderen entwickeln. Dabei brauchen Schulen Unterstützung: Beauftragte für Vielfalt an den Schulen vor Ort und Berater_innen in den Bildungsministerien der Bundesländer um Schulleitungen, Kollegien und Elternschaft zu unterstützen, die eigene Schule zu einer Schule der Vielfalt zu entwickeln.

Die meisten Bundesländer haben sich auf den Weg gemacht ihre Schulen in regelmäßigen Abständen nach Qualitätsstandards beurteilen zu lassen. Ein Aspekt dieser Beurteilungskriterien muss sein, inwieweit Vielfalt gelebt wird, die ausdrücklich auch die Akzeptanz von LSBTI benennt. Der LSVD ist überzeugt, dass die Schule ein wichtiger Ort ist, um gesellschaftliche Vielfalt und individuelle Wertschätzung aktiv zu lernen und zu leben. Alle Kinder und Jugendliche müssen gestärkt und unterstützt werden. Kinder und Jugendliche darin zu stärken und zu unterstützen ist auf Aufgabe aller am Bildungsprozess Beteiligten: Lehrkräfte und schulische und außerschulische Institutionen. Dies gelingt umso mehr, je besser sie in ihrer Ausbildung darauf vorbereitet und in ihrer Arbeit unterstützt werden. Schulen sind Orte der Vielfalt und tragen ihren Teil zu einer offenen Gesellschaft bei.

Resolution vom 27. Verbandstag 2015

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