LSVD

Bundesbildungsministerin Karliczek ignoriert Studien zu Regenbogenfamilien, um eigene Vorurteile zu pflegen

Forschungen über Entstehung und Beharrlichkeit von Homophobie und Transfeindlichkeit wären wichtiger

Pressemitteilung vom 21.11.2018

In einem Interview fordert die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek eine Langzeitstudie über Kinder, die in Regenbogenfamilien aufwachsen. Dazu erklärt Axel Hochrein, Mitglied im Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD):

Wie viele Studien braucht die Bundesbildungsministerin Karliczek noch, um ihre Vorurteile gegenüber Familien mit gleichgeschlechtlichen Eltern aufzugeben? Zahlreiche Studien belegen bereits, dass es den Kindern, die von gleichgeschlechtlichen Paaren aufgezogen werden, mindestens genauso gut geht wie Kindern, die in gemischt geschlechtlichen Partnerschaften großgezogen werden. Es ist einer Bundesbildungsministerin unwürdig, den Forschungsstand konsequent zu ignorieren, um die eigenen Vorurteile zu pflegen.

Statt die xte Studie über Regenbogenfamilien, fordert der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) eine Politik, die dem Kindeswohl in Regenbogenfamilien tatsächlich zu Gute kommt. Regenbogenfamilien müssen in ihren diversen Konstellationen endlich rechtlich anerkannt werden, zum Beispiel, indem auch zwei miteinander verheiratete Frauen von Geburt an rechtlich anerkannte Eltern werden können.

Karliczek sollte lieber eine Studie in Auftrag geben über die Frage, wie Homophobie und Transfeindlichkeit entstehen und warum sie sich so hartnäckig halten. Der LSVD fordert die Förderung einer umfassenden interdisziplinären Erforschung der Abwehr, Feindlichkeit und Gewalt gegen Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTI). Die Erkenntnisse wären sicherlich auch für Karliczek gewinnbringend.

Außerdem sollte das Bundesbildungsministerium eine diskriminierungsfreie Forschung und Bildung fördern. Es gibt zwar inzwischen vermehrt Forschung über die Lebenssituation von (LSBTI) in Deutschland, ebenso zu Diskriminierung und LSBTI-Feindlichkeit. Dennoch sind noch viele sozialwissenschaftliche Forschungen heteronormativ angelegt. In ihnen bleiben LSBTI als Teil der Bevölkerung häufig unberücksichtigt. In den Hochschulen, in Forschung und vor allem in der Lehre muss die Lebenssituation von LSBTI endlich angemessen berücksichtigt werden. Das betrifft viele Fakultäten, z.B. Rechtswissenschaft, Sozialwissenschaften, Geschichtswissenschaft, Theologie, Psychologie, Medizin und insbesondere auch alle Sparten der Pädagogik. Die Vermittlung von Informationen über die Vielfalt sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Identität muss ein selbstverständlicher Bestandteil der Studiengänge und Lehrinhalte werden. Die entsprechenden Studienordnungen sind dahingehend zu ändern und zu ergänzen.

Quellen

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