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Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD)

Kleine Geschichte des Gedenkens an die LSBTIQ* Opfer des Nationalsozialismus

Am 27.1.2023 gedenkt der Bundestag erstmals derjenigen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität im Nationalsozialismus verfolgt wurden. Welche Schritte haben dahin geführt? Hier erfährst du es!

Am 27.1.2023 gedenkt der Bundestag erstmals derjenigen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität im Nationalsozialismus verfolgt wurden

Berlin, 24.01.2023: Am 27.1.2023 gedenkt der Bundestag erstmals derjenigen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität im Nationalsozialismus verfolgt wurden. Dazu erklärt Henny Engels, Mitglied im Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD):

Auf die Anerkennung und das öffentliche Gedenken der als sexuelle Minderheit Verfolgten am Tag der Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar hat der LSVD seit über zwanzig Jahren gewartet. Deshalb begrüßen wir es sehr, dass der Bundestag an diesem Freitag diese Opfer des Nationalsozialismus in den Mittelpunkt seiner jährlichen Gedenkstunde stellt. Das setzt ein wichtiges Zeichen der Anerkennung dieser Leiden und der Würde der inhaftierten, gefolterten und ermordeten Opfer. Zudem signalisiert der Bundestag damit, dass die Bundesrepublik vor dem Hintergrund der deutschen Verbrechen in der NS-Zeit Verantwortung übernimmt und sich dafür einsetzen will, dass solche Gräueltaten gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans*, intergeschlechtliche und queere Menschen (LSBTIQ*) nie wieder vorkommen. Diese Gedenkstunde geht vor allem auf das unermüdliche Engagement und die Petition von Dr. Lutz van Djik zurück. Wir danken dem Bundestagspräsidium und insbesondere Bundestagspräsidentin Bärbel Bas dafür, dass sie sich dieses Anliegen zu eigen gemacht und das Gedenken im Bundestag ermöglicht haben.

Wir sehen in der Veranstaltung ein wichtiges Symbol und einen Auftakt für ein gesamtgesellschaftliches Erinnern und Gedenken an Personen, die aufgrund von Homo-, Bi- und Transfeindlichkeit verfolgt worden sind. Das bedeutet konsequenterweise auch schulische und außerschulische Bildungsarbeit über LSBTIQ*-Opfer des NS-Regimes. Dazu gehört auch, die bestehenden Forschungslücken über trans* und intergeschlechtliche Menschen vor 1945 zu schließen. Ebenfalls gehört dazu die Verankerung der Rechte von LSBTIQ* in Art. 3,3 des Grundgesetzes; bislang fehlen sie dort nämlich als Opfergruppe des Nationalsozialismus. Dies würde auch die Hürde dafür erhöhen, bereits errungene gesetzliche Regelungen für Gleichstellung und Akzeptanz wieder zurückzunehmen. Eine weitere Konsequenz aus den Gräueltaten der Vergangenheit ist es, sich außenpolitisch für die Rechte von LSBTIQ* zu engagieren, um menschenverachtenden Ideologien und den damit einhergehenden Angriffen auf LSBTIQ* zu begegnen. Es gibt kein Ende der Geschichte – um Freiheit, Gleichheit und Respekt muss täglich auf vielen Ebenen neu gerungen werden.

 

Mehr zum Thema: 
Für ein inklusives und würdiges Gedenken aller Opfer des Nationalsozialismus
Paragraph 175 StGB: Verbot von Homosexualität in Deutschland
Berlin: Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen

 

Bilder des Gedenkens

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Welche Schritte haben bis zur Gedenkstunde am 27.01.2023 geführt? 

 

Bundespräsident Prof. Dr. Herzog hielt im Deutschen Bundestag die erste Rede zum „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“. Seither wird der Gedenktag jährlich am 27. Januar begangen, dem Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Jahr 1945 durch Soldaten der Roten Armee. [Quelle: Bundestag]

 

Die Initiative „Der homosexuellen NS-Opfer gedenken“ und der LSVD treten mit dem Aufruf „Ein Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen“ an die Öffentlichkeit. Zahlreiche Prominente unterzeichnen den Aufruf.

 

In Berlin wird das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen der Öffentlichkeit übergeben. Für den LSVD spricht auf der Veranstaltung Bundesvorstand Günter Dworek. Er erinnert an die Verfolgung im Nationalsozialismus wie in der Nachkriegszeit und betont die Bedeutung des Gedenkorts für die Gegenwart.

 

Anlässlich des 10. Jahrestages des Denkmals besucht mit Steinmeier erstmals ein Bundespräsident den Gedenkort und überhaupt eine LSBTIQ*-Veranstaltung. In seiner vielbeachteten Rede bittet der Bundespräsident ausdrücklich um „Vergebung – für all das geschehene Leid und Unrecht, und für das lange Schweigen, das darauffolgte.

 

Der Bundestag soll am Holocaust-Gedenktag im Jahr 2021 erstmals explizit auch der homosexuellen Opfer des NS-Regimes gedenken: Das fordert eine Petition an das Bundestagspräsidium – initiiert von dem Historiker Dr. Lutz van Djik. Bundestagspräsident Schäuble hatte die Initiator*innen bislang vertröstet: Er wolle frühestens 2020 über das Anliegen entscheiden. (Quelle: Tagesspiegel)

 

Im Rahmen der 77. Befreiungsfeier findet zum ersten Mal auch das Gedenken an die lesbischen Opfer in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück offiziell statt. Ein Interims-Gedenkzeichen an lesbische Inhaftierte in Form einer Scheibe wird an diesem Tag der Öffentlichkeit übergeben.

 

Das amtierende Bundestagspräsidium unter Bas hat beschlossen, im kommenden Jahr die NS-Opfer ins kollektive Gedächtnis zu rufen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität verfolgt, inhaftiert und ermordet wurden. Der LSVD begrüßt dies.

 

Der Bundestag hält zum ersten Mal eine Gedenkstunde für die unter dem Vorwand der sexuellen Orientierung oder der geschlechtlichen Identität verfolgten Opfer des Nationalsozialismus ab.