Wo droht die Todesstrafe oder Gefängnis für Homosexualität?

Einstellungen zu Homosexualität weltweit

Wo droht Lesben, Schwulen und Bisexuellen Todesstrafe? Wo Gefängnis? In welchen Ländern werden gleichgeschlechtliche Beziehungen rechtlich anerkannt und wo gibt es die Ehe für Alle? Was denkt die Bevölkerung über Homosexualität? ILGA World veröffentlicht regelmäßig die ILGA-Weltkarte - eine Übersicht über die Gesetzeslage mit Bezug auf sexuelle Orientierung. Die Umfrage des Pew Research Centers hat die Einstellung zu Homosexualität in 34 Ländern erhoben.

Kriminalisierung in über 70 Staaten - ILGA-Weltkarte

In über 70 Staaten wird gleichgeschlechtliche Sexualität noch strafrechtlich verfolgt, in einigen Ländern sogar mit der Todesstrafe bedroht. Vielerorts sind staatliche Behörden an der Unterdrückung von LSBTI beteiligt, verweigern ihnen jeglichen Schutz vor Anfeindungen und Gewalt. In vielen Fällen schüren religiöse und politische Führer ein Klima des Hasses. LSBTI sollen eingeschüchtert und in die Unsichtbarkeit gedrängt werden. Verfolgung und Ausgrenzung, oft auch durch die eigene Familie, führt häufig zu bitterer Armut und einem Leben am Rand der Gesellschaft. LSBTI-feindliche Gewalttaten bleiben vielerorts ungeahndet, Polizei und andere Staatsorgane verweigern oftmals jede Hilfe oder sind selbst an der Hetze, Erpressung und Gewalt beteiligt.

ILGA World veröffentlicht regelmäßig die ILGA-Weltkarte - eine Übersicht über die Gesetzeslage mit Bezug auf sexuelle Orientierung. Nun gibt es die ILGA-Weltkarte von 2019 auch auf deutsch und kann als Plakat (Din A1) kostenfrei und solange der Vorrat reicht unter presse@asb-nrw.de bestellt werden.

Der LSVD hat sie zusammen mit dem Paritätischen Gesamtverband und dem Arbeiter-Samariter-Bund mit Unterstützung der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration veröffentlicht. Das Plakat kann in der Arbeit mit Geflüchteten zum Einsatz kommen und eignet sich zum Beispiel auch als Aushang in Beratungsstellen und LSBTI-Treffpunkten.

Einstellung zu Homosexualität in 34 Ländern - Pew Research Center

In einer Umfrage des US-amerikanischen Pew Research Centers aus dem Jahr 2019 wurde 38.426 Menschen aus 34 Ländern telefonisch oder persönlich die Frage gestellt: Finden Sie, dass Homosexualität von der Gesellschaft akzeptiert werden sollte?

Hinsichtlich der Akzeptanzwerte gab es deutliche Unterschiede zwischen Westeuropa, Amerika auf der einen Seite und Osteuropa, Russland, Mittlerer Osten und Subsahara Afrika auf der anderen Seite. Auch reichere und mehr entwickelte (“more developed”) Länder haben höheren Akzeptanzwerte. In vielen Staaten gab es eine Steigerung der Akzeptanz im Vergleich zu früheren Zeitpunkten.

Auch innerhalb der Länder finden sich bedeutende Unterschiede in der Akzeptanz von Homosexualität nach Alter, Bildung, Einkommen und mitunter Geschlecht. Weitere Einflussfaktoren: Je höher der Stellenwert von Religion für den persönlichen Alltag eingeschätzt wurde und je politisch rechter desto weniger wird Homosexualität akzeptiert.

Wie homophob ist Deutschland? Wie verbreitet ist Transphobie bzw. Transfeindlichkeit? Was denkt man in Deutschland über Lesben, Schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen? Ausführliche Dokumentation der Ergebnisse von Studien und Umfragen über die Einstellungen zu Lesben, Schwulen, bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTI) in Deutschland?

Wie viele Befragte stimmen der Aussage zu, dass Homosexualität von der Gesellschaft akzeptiert werden sollte? (in Klammern:  Wie viele der Befragten verneinen das?)

  2019 2013 2011 2007 2002 Unterschied 2013-2019
Afrika            
Kenia 14% (83%) 8% 3% 3% 1% +6%
Nigeria 7% (91%) 1% - - - +6%
Südafrika 54% (38%) 32%     33% +22%
Tunesien 9% (72%) 2% - - - +7%
             
Amerika            
Argentinien 76% (19%) 74% - 72% 66%  
Brasilien 67% (23%) 60% 61% - - +7%
Kanada 85% (10%) 80% - 70% 69% +5%
Mexiko 69% (24%) 61% 52% 60% 54% +8%
USA 72% (21%) 60% 60% 49% 51% +12%
             
Asien / Australien            
Australien 81% (14%) 79% - - - +2%
Indien 37%(37%) 15%       +22%
Indonesien 9% (80%) 3% 5% 3% - +6%
Israel 47% (45%) 40% 48% 38% - +7%
Japan 68% (22%) 54% 55% 49% 54% +14%
Libanon 13% (85%) 18% 17% 18% 21% -5%
Philippinen 73% (24%) 73% - - 64% +/-0%
Südkorea 44% (53%) 39% - 18% 25% +5%
             
Europa            
Bulgarien 32% (48%) - - 39% 38% -
Deutschland 83% (11%) 81% 87% 87% 86% -1%
Frankreich 86% (11%) 77% 86% 83% 77% +9%
Griechenland 48% (47%) 53% - - - -5%
Großbritannien 86% (11%) 76% 81% 71% 74% +10%
Italien 75% (20%) 74% - 65% 72% +1%
Litauen 28% (45%) - 21% - - -
Niederlande 92% (8%) - - - - -
Polen 47% (42%) 42% 34% 45% 40% +5%
Russland 14% (74%) 16% 15% 20% 22% -2%
Schweden 94% (5%) - - 86% - -
Slowakei 44% (46%) - - 66% 68% -
Spanien 89% (10%) 88% 91% 82% - +1%
Tschechien 59% (26%) 80% - 83% 83% -21%
Türkei 25% (57%) 9% 11% 14% 22% +16%
Ukraine 14% (69%) - 15% 19% 17% -
Ungarn 49% (39%) - - - - -

Weitere Befunde

In den USA sind die Akzeptanzwerte seit der Eheöffnung 2015, d.h. in vier Jahren genauso viel gestiegen wie in den knapp 15 Jahre zuvor (13%). USA bleiben unter den am wenigstens akzeptierenden Ländern im Westen / Amerika.

Alter: In 22 der 34 Staaten waren jüngere Menschen deutlich akzeptierender als ältere Menschen (deutlichste Kluft in Südkroea und Japan).

Geschlecht: In 12 Ländern gab es einen deutlichen Unterschied zwischen Männern und Frauen in der Akzeptanz. Dort waren Frauen weniger homophob. Diese Länder waren: Südkorea (14%), Japan, Kanada, Polen, Argentinien, UK, Südafrika, Australien, Deutschland (7%), Spanien, Schweden und Niederlande.

Rechts-Links-Einfluss: In Deutschland akzeptierten 79% der sich als politisch rechts eingestufenden Menschen und 74% der AfD-Wähler*innen Homosexualität. In der politischen Mitte und der politischen Linken waren es 90% bzw. 90% unter den Nicht-AfD-Wähler*innen. Am prägnantesten war das Gefälle zwischen Rechts und Links in Südkorea, USA (53% vs. 86%), Polen (38% vs. 67%) und Israel (38% vs. 66%).

Religion: 25 der 34 untersuchten Ländernm wiesen deutlichen Unterschied zwischen Nichtreligiösen und Religiösen auf. Am prägnantesten in Israel (62% vs. 22%), Tschechien (65% vs. 27%) und Südkorea (51% vs. 13%). In Deutschland waren es 73% der religiösen und 91% der nicht-religiösen Menschen. Katholik*innen akzeptierender als Protestant*innen und Evangelikale. In Israel waren es 53% der religiösen Jüd*innen aber nur 17% der religiösen Muslim*innen.

Quelle: Pew Research  Center (2020): The Global Divide on Homosexuality Persists: But increasing acceptance in many countries over past two decades

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