LSVD

Akzeptanz für LSBTI* in Jugendarbeit und Bildung

Ergebnisse des dritten Regenbogenparlaments in Hamburg

Wie lässt sich Akzeptanz von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen und queeren Kindern und Jugendlichen (LSBTI) in der Jugendarbeit und Bildung, in der Kinder- und Jugendhilfe, in Schule und Medien fördern und LSBTI-Feindlichkeit entgegentreten?

In Schulen, Jugendverbänden und Freizeiteinrichtungen sollen sich alle jungen Menschen sicher und wertgeschätzt fühlen. Dies ist jedoch oft nicht der Fall. So sind Ausgrenzung und Mobbing für LSBTI* an vielen Schulen und in anderen Einrichtungen der Jugendhilfe oder der Jugendarbeit ein Problem. Einschüchterung und der Zwang sich zu verleugnen bedeuten starke psychische Belastungen, die nicht selten sogar zum Suizid führen.

Beim dritten bundesweiten Regenbogenparlament „Akzeptanz von LSBTI* in Jugendarbeit und Bildung“ diskutierten Lehr- und Fachkräfte aus den Bereichen Bildung, Kinder- und Jugendhilfe, Verwaltung und Jugendverbandsarbeit sowie Politiker*innen, Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen aus dem Inland und Ausland darüber, wie Regenbogenkompetenz in der Kinder- und Jugendarbeit, in Schule und Medien erhöht werden kann. Regenbogenkompetenz meint dabei die Fähigkeit von Fachkräften, mit den Themen der sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität professionell und möglichst diskriminierungsfrei umzugehen.

Die Broschüre mit den Ergebnissen und Handlungsempfehlungen des 3. Regenbogenparlaments "Akzeptanz für LSBTI* in Jugendarbeit und Bildung" kann hier heruntergeladen werden oder aber so lange der Vorrat reicht per Mail an presse@lsvd.de kostenfrei bestellt werden.

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Programm des 3. Regenbogenparlaments "Akzeptanz für LSBTI* in Jugendarbeit und Bildung"

Eröffnung des Regenbogenparlaments

Queering Jugendarbeit – Sichtbarkeit, Empowerment und Diskriminierungsschutz für eine demokratische Gesellschaft

Keynote von Prof. Dr. Melanie Groß (Professur für Erziehung und Bildung mit dem Schwerpunkt Jugendarbeit an der FH Kiel)

Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt ist Alltag in unserer Gesellschaft und dennoch sind Jugendliche, die der heterosexuellen Norm nicht entsprechen, immer noch – und in Zeiten wachsenden Rechtspopulismus auch zunehmend – mit zahlreichen Diskriminierungen oder sogar Gewalt konfrontiert. Dies gilt auch für Einrichtungen, die Jugendliche eigentlich in ihrem Aufwachsen unterstützen sollen: Schulen und Jugendarbeit gelten als homosexualitäts- und trans*feindliche Orte. Für eine demokratische Gesellschaft auf der einen und für starke, selbstbewusste und selbstbestimmte Jugendliche auf der anderen Seite muss Jugendarbeit ihre Rolle kritisch reflektieren und Vielfalt umfassend unterstützen.

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Fachforum 1: Jugendverbandsarbeit queer gedacht?!

Die Arbeit von Jugendverbänden ist ein wichtiger Teil unserer pluralistischen Gesellschaft. In Pfadfinder*innen-Verbänden, beim Fußball, in politischen Jugendorganisationen, bei Migrant*innen-Selbstorganisationen oder auch bei der Freiwilligen Feuerwehr erfahren Kinder und Jugendliche ihre Sozialisation und sollen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gestärkt werden. Ein binäres Geschlechterverständnis und damit verbundene Rollenzuschreibungen schränken jedoch junge Menschen in ihrer selbstbestimmten Persönlichkeitsentfaltung ein und sind Nährboden für homosexuellen-, trans* und inter*feindliche Einstellungen.

Innerhalb des Fachforums wollen wir diskutieren, wie es Jugendverbänden gelingen kann, die Vielfalt von unterschiedlichen Lebensweisen und Identitäten für ihre Arbeit zu nutzen, die eigene „Regenbogenkompetenz“ zu erhöhen und somit allen Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, sich frei und selbstbestimmt zu entwickeln.

Expert*innen: Julia Niedermayer (Bundesleitung, Katholische junge Gemeinde KjG), Oliver Ohm (Fachvorstand Vielfalt, Landesjugendring Niedersachsen), Michael Rogenz (DLRG-Jugend – Referent für allgemeine und politische Jugendbildung), Nora Meduri (Projektkoordinator*in und Bildungsreferent*in Jugendnetzwerk Lambda)

Moderation: Kevin Rosenberger (Akademie Waldschlösschen)

Fachforum 2: Vielfältige Geschlechter in der Kinder- und Jugendhilfe

Kinder und Jugendliche sind gut so, wie sie sind! Trotzdem wird das Leben von trans* und gender-diversen Kindern und Jugendlichen oft sehr stark von der Angst vor negativen Reaktionen auf ihr Coming-Out oder von alltäglichen Diskriminierungserfahrungen beeinflusst. Zusätzlich befinden sie sich in einer starken Abhängigkeit von Eltern und staatlichen Institutionen, was ihre persönliche Entwicklung nachhaltig prägt. Ob es nun darum geht, welche Kleidung sie anziehen wollen, mit welchem Namen sie angesprochen werden wollen oder welche Umkleideräume sie nutzen wollen. Kinder und Jugendliche sind auf die Unterstützung von Erwachsenen angewiesen.

Das Fachforum möchte diskutieren, wie die bereits existierenden Angebote und Projekte der Kinder- und Jugendhilfe gestaltet werden können, um trans* und gender-diverse Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung zu stärken und auch anzusprechen. Gleichfalls soll auch auf Herausforderungen eingegangen und Beispiele guter Praxis vorgestellt werden.

Expert*innen: Mirja Janine Sachs (Vorstand von Trans* in Niedersachsen), Andreas Schröder – Fachl. Leitung Queer Leben), Ursula Rosen (2. Vorsitzende_r, Intersexuelle Menschen e.V.)

Moderation: Freddy Wenner (Autor_in und Aktivist_a)

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Fachforum 3: Vielfalt in Schule und Unterricht stärken

Schulen sollen Orte sein, an denen sich alle Schüler*innen sicher und wertgeschätzt fühlen. Dies ist jedoch oft nicht der Fall. Junge Menschen, die lesbisch, schwul, bisexuell, trans* oder intergeschlechtlich sind oder auch nur dafür gehalten werden, erfahren auch heute noch Mobbing und Ausgrenzung. Der Zwang sich zu verleugnen ist eine starke psychische Belastung.

Wie kann es gelingen, dass Schulen zu echten Orten der Vielfalt werden? Welche Rolle könnten dabei Leitbilder und Formen der Schüler*innen-Mitbestimmung spielen und welche Rahmenbedingungen müssen Politik und Verwaltung setzen, um eine vielfältige und respektvolle Schulkultur Realität werden zu lassen? Diese und weitere Fragen möchte das Fachforum gemeinsam mit den Teilnehmenden diskutieren.

Expert*innen: Frank Thies (Bisexuelles Netzwerk / Julius-Leber-Schule), Svea Meyer-Nixdorf (Magnus-Hirschfeld-Zentrum, Schulaufklärungsprojekt „Soorum”), Jean Matthias Dilg & Tom Oberle (Landesschüler*innenvertretung Rheinland-Pfalz), Silke Arndt-Olejarz (1. Vorsitzende_r Intersexuelle Menschen e.V.)

Moderation: Annette Etezadzadeh (Arbeitskreis Vielfalt am Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg , LI)

Fachforum 4: Jugend international – jung & engagiert für Vielfalt und Menschenrechte

Die internationale Jugendarbeit ermöglicht es jungen Menschen, andere Länder und Kulturen kennen zu lernen, Vorurteile abzubauen und ihre vielfältige Persönlichkeit zu entwickeln. Damit gehört sie zum Kernbestand der Jugendarbeit. Gerade durch internationale Begegnungen wird ein gemeinsames Verständnis für vielfältige Lebensweisen und unterschiedliche politische sowie gesellschaftliche Sichtweisen vermittelt.

Für junge Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und intergeschlechtliche Menschen sind internationale Austausch- und Begegnungsprogramme eine Möglichkeit, um aus ihrem konservativen oder auch homosexuellen- bzw. transfeindlichen Umfeld auszubrechen. Gleichfalls kann durch internationale Aktionen und Programme auch für die Akzeptanz von vielfältigen Identitäten und Lebensweisen im Ausland geworben werden.

Gemeinsam mit den Teilnehmenden möchte das Fachforum neue Ansätze diskutieren, um die «Regenbogenkompetenz» in der internationalen Jugendarbeit zu erhöhen und für ein menschenrechtsorientiertes globales Miteinander zu werben.

Expert*innen: Ruslan (Coming-Out St. Petersburg), Hanna Schüßler (Fachreferentin Inclusion & Diversity, JUGEND für Europa) & Inge Linne (Projektreferentin Europäische Projekte und Veranstaltungen, JUGEND für Europa), Anton (T-Action St. Petersburg), Lara Maibaum (Teilnehmende aus dem Jugendaustausch „For our Rainbow Future“), Andrea Arnemann (Aufsichtsratsvorsitzende von AFS Interkulturelle Begegnungen / Mitbegründerin von QueerTausch/QueerExchange)

Moderation: Klaus Jetz (Hirschfeld-Eddy-Stiftung)

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Fachforum 5: Queer und sicher im Netz

Nach Ergebnissen der Studie „Queere Freizeit“ des Deutschen Jugendinstituts verbringen 99,4 % der LSBTI*-Jugendlichen ihre Freizeit im Internet. Damit ist das Netz ein zentraler Ort für die Freizeitgestaltung. Soziale Dienste und Plattformen wie Facebook und WhatsApp spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle wie die Community-Plattformen Planetromeo oder Gorizi. Das Netz bietet die Chance, sich anonym zu informieren, sich auszutauschen und auch zu vernetzen.

Die DJI-Studie stellte jedoch fest, dass das Netz der Ort ist, an dem Jugendliche am häufigsten Diskriminierung erfahren. Die Mehrzahl der jungen Menschen ist schon mehr als einmal im Netz diskriminiert worden. Trans* und gender-diverse Jugendliche sind noch häufiger Zielscheibe von Beleidigungen und Anfeindungen. Das Fachforum möchte die Ergebnisse der DJI-Studie aufgreifen und fragen, was die Betreiber*innen und Nutzer*innen von sozialen Plattformen tun können, um für Respekt und Vielfalt im Netz einzutreten.

Expert*innen: Dr. Claudia Krell (Deutschen Jugendinstitut), Sarah Bast (Gorizi – Bundesweites Portal für junge Lesben – Frauenzentrum Mainz), Pavlo Hrosul (Kampagne”#NoHateMe – Stoppt digitales Mobbing”)

Moderation: Markus Ulrich (LSVD-Bundesverband)

Podiumsdiskussion „Jugendpolitik queer gedacht“

Es diskutieren: Hetav Tek (Stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Bundesjugendrings), Caroline Lentz (Stadträtin für Die Linke in Dresden / Linksjugend Sachsen), Timo Hackemann (Jusos Hamburg / SPDqueer Hamburg), Joe Goldyn (Jugendnetzwerk lambda::nord).

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Was sind die Regenbogenparlamente?

Das Regenbogenparlament ist Teil des LSVD-Projekts „Miteinander stärken. Rechtspopulismus entgegenwirken“ und finden seit 2018 als bundesweite Foren statt, um dem fachlichen Austausch zum Thema „Regenbogenkompetenz“ in den wichtigsten Gesellschafts- und Politikbereichen zu intensivieren. Gleichzeitig will dieses Format Impulsgeber sein für neue Allianzen und Bündnisse zwischen LSBTI*-Vereinen, Multiplikator*innen und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen. Das erste Regenbogenparlament fand in Berlin, das zweite Regenbogenparlament in Köln statt.

Das Regenbogenparlament in Hamburg war eine Veranstaltung des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) in Kooperation mit der Hamburger Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung (BWFG) sowie der Universität Hamburg. Die Veranstaltung wurde unterstützt von: Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Hamburg, LSVD-Landesverband LSBTI* Mecklenburg-Vorpommern „Gaymeinsam“ und German Rainbow Golfers sowie – im Rahmen einer Mobilitätspartnerschaft – von FlixMobility GmbH (Flixbus). Moderiert wurde das Regenbogenparlament von Alfonso Pantisano (LSVD-Bundesvorstand).

Der Familien- und Sozialverein des LSVD als Projektträger wird gefördert in der Strukturentwicklung zum bundeszentralen Träger im Themen- und Strukturfeld „Akzeptanzförderung und Empowerment für lesbische, schwule, bi- und intersexuelle beziehungsweise intergeschlechtliche Menschen und ihre Angehörigen“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“.

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