Menu
Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD)

Akzeptanz von Regenbogenfamilien in der Kinder- und Familienhilfe

Empfehlungen und Beispiele aus der Praxis

Empfehlungen und Leitlinien für Einrichtungen der Kinder- und Familienhilfe, um für einen selbstverständlichen Umgang mit Themen der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt zu sorgen

Stratgien und Handlungsempfehlungen des Webtalks mit Katharina Binder (Projekt Beratungsstelle BerTA – Beratung, Treffpunkt und Anlaufstelle für Regenbogenfamilien in Stuttgart / LSVD Baden-Württemberg) Sebastian Kempf (langjähriger Mitarbeiter der Fachstelle für Querschnittsaufgaben im Stab der Jugendamtsleitung der Landeshauptstadt München) im Rahmen des 4. Regenbogenparlaments "Selbst.verständlich Vielfalt. LSBTIQ* gehören dazu" am 16. September 2020.

Das Regenbogenparlament hat sich seit seinem Auftakt an der Humboldt-Universität zu Berlin 2018 zum bundesweit einmaligen Leuchtturm-Forum zum Thema „Regenbogenkompetenz“ entwickelt. Das vierte Regenbogenparlament 2020 fand als virtuelle Veranstaltungsreihe "Rainbow-Week" zwischen dem 08. und 17. September statt.

Die Broschüre mit den Ergebnissen und Handlungsempfehlungen ist hier als Download verfügbar oder kann kostenfrei unter rene.mertens@lsvd.de als gedruckte Broschüre bestellt werden.

Familienvielfalt wertschätzen - Welche Möglichkeiten haben Jugendämter und die Familienhilfe, um für einen selbstverständlichen Umgang mit Vielfalt zu sorgen?

2020_regenbogenparlament_webtalk_familienvielfalt_1_bikablo.com_tobias_wieland.pngFamilie ist heute vielfältig und bunt. Tausende Kinder wachsen in Regenbogenfamilien auf, d.h. Familien, in denen mindestens ein Elternteil lesbisch, schwul, bi, trans* bzw. intergeschlechtlich ist. Jedoch gibt es nicht überall einen wertschätzenden Umgang mit vielfältigen Familienmodellen.

2020_regenbogenparlament_webtalk_familienvielfalt_3_bikablo.com_tobias_wieland.pngKatharina Binder erläuterte, wie der Alltag von Regenbogenfamilien aussieht: Diese haben immer noch mit Hindernissen zu kämpfen und Herausforderungen zu bestehen. Um Regenbogenfamilien zu stärken, braucht es nicht nur fachlich kompetente Beratungsstellen und Verwaltungen, sondern auch unterstützende Initiativen wie die Initiative lesbischer und schwuler Eltern (ilse). Die letzte große Studie zur Lebenssituation in Regenbogenfamilien ergab unter anderem, dass Kinder in Regenbogenfamilien genauso gut aufwachsen, wie in anderen Familienkonstellationen auch. Ebenfalls zeigte sich, dass Kinder aus Regenbogenfamilien nicht häufiger lesbisch, schwul, bisexuell oder trans* sind, wie in Familien der Mehrheitsbevölkerung. Damit konnten die größten Vorurteile widerlegt werden.

Vor welchen Herausforderungen stehen Regenbogenfamilien?

  • Wenn ein Kind in eine Ehe von zwei Frauen geboren wird, muss die Ehefrau, die das Kind nicht geboren hat, immer noch den Weg einer Adoption gehen, um die rechtliche Elternschaft zu erlangen. Eine automatische Elternschaft, wie es sie bei heterosexuellen Ehepaaren gibt, bei der der Ehemann automatisch Vater wird, kennt das Familienrecht für Zwei-Mütter-Familien bisher nicht. Der Prozess der Adoption ist langwierig und dauert bis zu zwei Jahre. In dieser Zeit hat das Kind nur einen rechtlichen Elternteil.Der Zugang zur Reproduktionsmedizin ist für gleichgeschlechtliche Paare immer noch schwierig und langwierig.
  • Es besteht keine Absicherung und rechtliche Anerkennung von Mehrelternfamilien.
  • Fehlende gesellschaftliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher bzw. trans* und intergeschlechtlicher Eltern.

Was können Fachkräfte in den Jugendämtern tun, um sich für einen selbstverständlichen Umgang mit Themen der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt einzusetzen?

2020_regenbogenparlament_webtalk_familienvielfalt_2_bikablo.com_tobias_wieland.png

  • Offenheit zeigen (Regenbogenfahne / Trans*-Fahne)
  • eigene Regenbogenkompetenz erhöhen (Selbstkompetenz, Sachkompetenz, Methodenkompetenz, Sozialkompetenz)
  • LSBTIQ* inklusive Sprache in Broschüren und Formularen nutzen
  • unterschiedliche Familienkonstellationen nach außen sichtbar machen
  • Thema im Team / in den Strukturen der Träger*innen etablieren
  • Abläufe hinterfragen und verändern (bspw. in Verwaltungen bei einer Stiefkindadoption)
  • keine Sondersituation für Regenbogenfamilien schaffen

2020_regenbogenparlament_webtalk_familienvielfalt_4_bikablo.com_tobias_wieland.pngSebastian Kempf konnte fundiert über die Situation in der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe berichten. Am Beispiel der „Leitlinien für die Arbeit mit LGBT*- Kindern, - Jugendlichen und jungen Erwachsenen der Landeshauptstadt München“ wurden Themenbereiche für eine Förderung der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt in der Kinder- und Jugendhilfe dargestellt. Die Entwicklung solcher Leitlinien sollte möglichst von allen zuständigen Abteilungen mitgetragen werden. Alle zuständigen Ämter, Fachabteilungen und freie Träger*innen sollten in die Entwicklung eingebunden werden. Es ist sinnvoll, dass diese Leitlinien einen verpflichtenden Charakter haben. Das bedeutet, alle Träger*innen der Jugendhilfe müssen bestimmte Kriterien erfüllen, z. B. themenbezogene Fortbildungen für Mitarbeitende anbieten. Außerdem gehört dazu, dass das Jugendamt (als Zuschussgeber*in) in den offiziellen Jahresplanungsgesprächen mit den freien Träger*innen LSBTIQ*-Themen und deren Umsetzung anspricht.

Wichtig ist, dass sich die Regenbogenkompetenz im Alltag der örtlichen Kinder-, Jugend- und Familienhilfe widerspiegelt. So sollten Fachkräfte die beispielsweise Regenbogenfamilien beraten und unterstützen auch die Herausforderungen kennen, mit denen sie konfrontiert sind. Dies bedeutet auch, dass Kinder und Jugendliche aus Regenbogenfamilien in ihrer kompletten Persönlichkeit wahrgenommen werden. Ein solcher Umgang stellt sowohl den fachlich sicheren als auch den persönlich reflektierten Ansatz in der Betreuung dar.

Das Regenbogenparlament ist Teil des LSVD-Projektes im Kompetenznetzwerk „Selbst.verständlich Vielfalt“

Ansprechpersonen für das Projekt des LSVD

Jürgen Rausch / René Mertens - koordinierungsstelle@lsvd.de

Das Kompetenznetzwerk "Selbst.verständlich Vielfalt" wird im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert.

bmfsfj_dl_mitfoerderzusatz_(2).jpg

 

 

 

Weiterlesen