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Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD)

Widerstand gegen Nein aus Rom zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare

Unverständnis, Enttäuschung und Wut

Die Glaubenskongregation der römisch-katholischen Kirche hat den Katechismus, der Homosexualität als Sünde und nicht gottgewollt verurteilt, und ihr Nein zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare bekräftigt. Wir dokumentieren Reaktionen aus Deutschland, die dagegen protestieren und sich für Akzeptanz und Segnung aussprechen

Regenbogenflagge an der katholischen Kirche Elija in Saarbrücken

Rom hat gesprochen. Es sei „nicht erlaubt, Partnerschaften einen Segen zu erteilen, die eine sexuelle Praxis außerhalb der Ehe einschließen, wie dies bei Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts der Fall ist.", so verkündete es die Glaubenskongregation der römisch-katholischen Kirche am 15. März 2021. Gleichzeitig wird betont, dass das Verbot der Segnung keine "ungerechte Diskriminierung" sei. Als ob es so etwas wie eine gerechte Diskriminierung geben könnte.

Dabei geht es in diesem Konflikt mit der vatikanischen Behörde noch keineswegs um die kirchliche „Ehe für alle“. Vielfach gefordert wird „nur“ die Segnung für gleichgeschlechtliche Paare – entsprechend dem Wunsch vieler Katholik*innen, ihre gleichgeschlechtliche Partnerschaft unter den Segen Gottes zu stellen. Und schon seit Längerem kommen viele Seelsorger*innen diesem Wunsch aus guten Gründen nach. Bereits im Februar hatte sich auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf vorsichtig dafür ausgesprochen, die Haltung der katholischen Kirche zu Segensfeiern für homosexuelle Paare zu überdenken. In der Praxis fänden solche Segnungen bereits statt, obwohl sie gegen die kirchliche Ordnung verstießen, erklärte er in einem Beitrag für die Bistumszeitung.

Der LSVD lehnt die erneute Absage des Vatikans für eine Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften entschieden ab. Sie behindert die Bemühungen der katholischen Kirche in Deutschland um einen angemessenen und realitätsbezogenen Umgang mit homosexuellen Menschen. Mit der erneuten Bekräftigung der Glaubenskongregation, dass Homosexualität nicht in den Schöpfungsplan Gottes eingeschrieben sei, werden grundlegende Erkenntnisse der Humanwissenschaften weiter missachtet. Die Aussage, Lesben und Schwule seien nicht gottgewollt, legitimiert zudem Ausgrenzung und Diskriminierung. Daher begrüßt der LSVD alle Äußerungen, die sich dem vatikanischen Diktum entgegenstellen.

Und davon gibt es in Deutschland inzwischen reichlich.

Der Versuch des Vatikans, Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare mit einem Machtwort abzuwehren, ist weitgehend gescheitert. Denn anders als sonst oft funktioniert in diesem Falle nicht: Rom hat gesprochen, die Sache ist erledigt. 

Unmittelbar nach Veröffentlichung des vatikanischen Papiers bricht ein regelrechter Sturm der Entrüstung, der Ablehnung und des Widerstands los. Und zwar, durchaus bemerkenswert, quer durch alle kirchlichen Ebenen.

Landauf, landab zeigen einzelne Menschen, aber auch Kirchengemeinden, Bistümer und kirchliche Einrichtungen ihre Solidarität. Die Regenbogenfahne weht an Kirchtürmen, schmückt Internetseiten und Posts in den Sozialen Medien. Ebenso wie ganze Kirchengemeinden.

Hier dokumentieren wir einzelne Reaktionen, die sich für die Segnung, Akzeptanz und Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren aussprechen.

1. Reaktionen von Bischöfen

Georg Bätzing, Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Ich kann das Unverständnis verstehen und teile es ausdrücklich. Das Dokument aus Rom vom 15. März gibt den altbekannten Stand der Lehre wieder. Es wird aber in der Breite nicht mit einer Akzeptanz und einer entsprechenden Befolgung rechnen können. Ein Dokument, das sich in seiner Argumentation so eklatant einem Erkenntnisfortschritt theologischer und humanwissenschaftlicher Art verschließt, wird dazu führen, dass die pastorale Praxis darüber hinweggehen wird. (...) 

Es ist offensichtlich so, dass sich das Schreiben der Glaubenskongregation auch auf die Diskussion des Synodalen Weges und die Arbeit im Forum „Leben in gelingenden Beziehungen“ bezieht. Natürlich sind allen, die in diese Diskussionen eingebunden sind, der Stand der Lehre und die Aussagen des Katechismus bekannt. Ich bin jedoch zutiefst davon überzeugt, dass die katholische Sexuallehre einer Weiterentwicklung im Licht der seit Jahrzehnten vorliegenden humanwissenschaftlichen und theologischen Erkenntnis bedarf. Veränderung gehörte schon immer zum Wesen der Kirche. Wer sie verweigert, der gefährdet die Einheit der Kirche.

Quelle: Viele werden durch Kirche verletzt. Interview mit Bischof Georg Bätzing zum Nein Roms. Bistum Limburg vom 24.03.2021

Das Bistum Limburg macht seine kritische Haltung zum Nein des Vatikan zur Segnung von homosexuellen Paaren in den Sozialen Medien deutlich. Im Facebook-Auftritt präsentiert sich das Bistum in Regenbogenfarben. Zustimmung kam vom Bischof. "Ich finde die Botschaft passend. Es ist ein klares Statement für die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren. Damit befinde ich mich auf einer Linie mit unserem Bischof", sagte Bistumssprecher Stephan Schnelle den "Stuttgarter Nachrichten".

Quelle: Bistum Limburg in Regenbogenfarben auf Facebook. Domradio vom 20.03.2021

Dr. Felix Genn, Bischof von Münster

Im Blick auf das „Nein“ der Glaubenskongregation zur Segnung homosexueller Paare hat sich Bischof Felix gegenüber verschiedenen Medien geäußert. Bischof Felix betont, dass es notwendig sei, die Lehre der Kirche im Dialog mit der Lebenswirklichkeit der Menschen und den Einsichten der Humanwissenschaften weiter zu entwickeln.

Das geschieht derzeit in Deutschland beim Synodalen Weg. In unserem Bistum wird Bischof Felix zu diesen Fragen das Gespräch mit den diözesanen Räten führen. Bischof Felix ist es wichtig, dass homosexuelle Menschen angenommen und begleitet werden. Bischof Felix ist allen Seelsorgerinnen und Seelsorgern in unserem Bistum dankbar, die das auf gute Weisen tun. Für ihn gilt das, was Papst Franziskus sagt: „Begleiten, unterscheiden, integrieren.“ In dieser Frage, das macht Bischof Felix klar, wird es im Bistum Münster keine Konsequenzen oder Sanktionen gegen Priester geben, die sich so verhalten, wie sie es aufgrund ihres seelsorglichen Auftrags und ihres Gewissens im Dienst an den Menschen für richtig halten.

Quelle: Bischof Genn: Lehre der Kirche weiterentwickeln. Bistum Münster vom 23.03.2021

Ludwig Schick, Erzbischof von Bamberg

„Wir erbitten den Segen Gottes allen Familien und für alle, die andere Lebensformen gewählt haben“

Quelle: Erzbischof Schick zur Eröffnung des "Jahr der Familie" am 21.03.2021

Franz-Josef Overbeck, Bischof von Essen

In einem Brief an alle Pfarreien im Bistum Essen hat sich Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck für eine »ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität« durch die katholische Kirche ausgesprochen. Nach dem Nein des Vatikans zur Segnung homosexueller Paare habe er zahlreiche Zuschriften von Seelsorgerinnen und Seelsorgern erhalten, die ihm ihre offene Ablehnung der Position des Vatikans übermittelt hätten, berichtete Overbeck laut einer Mitteilung des Bistums.

Die kirchliche Lehre verlange »dringend eine erweiterte Sichtweise auf die menschliche Sexualität«, so Overbeck. Die Erklärung der Glaubenskongregation habe viele Menschen mit einer homosexuellen Orientierung gekränkt und verletzt. Eine solche Position werde in der heutigen Zeit nicht mehr akzeptiert. Die Haltung der Gläubigen dürfe vom Vatikan nicht ignoriert werden.

Im ZDF machte Overbeck deutlich: Für ihn kommen Suspendierungen "nicht in Frage", wenn Seelsorger homosexuellen Paaren ihren Segen geben. Man müsse mit anderen Schritten "nach Vorne gehen". Zeigen, "wir sind bei Euch" und "ihr seid von Gott gesegnet".

Quelle: Ruhrbischof fordert »wertschätzende Neubewertung der Homosexualität«, Spiegel online vom  19.03.2021

Quelle: "Segen auf solchen Menschen". ZDF Nachrichten vom 28.03.2021

Heinrich Timmerevers, Bischof von Dresden

"Das römische Schreiben mit der Ablehnung von Segenshandlungen für gleichgeschlechtliche Paare ist für mich enttäuschend. Dieses Schreiben gibt die augenblickliche katholische Lehre wieder und zeigt keine Weiterentwicklung aufgrund heutiger humanwissenschaftlicher Erkenntnisse und gegenwärtiger pastoraler Notwendigkeiten.

Ich erhoffe mir eine Fortschreibung und Neupositionierung aufgrund der Äußerungen des Papstes in seinem Schreiben „Amoris Laetitia“. Dort wünscht der Papst, dass in der Kirche pastorale Ausgrenzungen zu überwinden und die Menschen seelsorglich zu begleiten und zu integrieren sind.

Das sollte nicht nur ein Wunsch bleiben, sondern auch erlebbar werden. Trotz der Ablehnung aus Rom wird das Thema der Segnungen von gleichgeschlechtlichen Paaren damit noch nicht beendet sein."

Quelle: Bischof Heinrich entäuscht über Römisches Nein zu Segenshandlungen für gleichgeschlechtliche Paare. Bistum Dresden vom 16. März 2021

Peter Kohlgraf, Bischof von Mainz

Nach der gestrigen Veröffentlichung der Glaubenskongregation haben mich viele Rückmeldungen erreicht, die ihr Unverständnis und ihre Enttäuschung über die Aussage der Erklärung äußern. Ich nehme wahr, wie viele gläubige Menschen dadurch enttäuscht und verletzt sind, keineswegs nur unmittelbar Betroffene. Ich nehme dies sehr ernst. Auch mich treibt das Thema um. Gleichzeitig nehme ich dies als Auftrag und Ansporn, dass wir im Bistum Mainz verstärkt seelsorgliche Angebote und Konzepte entwickeln für und insbesondere: gemeinsam mit homosexuellen Menschen. Und ich bin allen Betroffenen dankbar, denen daran gelegen ist, mit unserer Kirche in Verbindung zu bleiben.  

Quelle: Stellungnahme des Mainzer Bischofs Peter Kohlgraf zur Veröffentlichung der Glaubenskongregation am 15. März 2021. Bistum Mainz vom 16.03.2021

2. Reaktionen von hochrangig Kirchenleitenden

Ordensleute, die direkt beim Synodalen Weg beteiligt sind

"Wir reihen uns ein in die lange Reihe derer, die entschieden ihre Stimme für die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften erheben und gegen eine diskriminierende und ausgrenzende Sexualmoral. (...) Wir tun dies im Wissen, dass Gott alle Menschen – unabhängig von ihrer geschlechtlichen Identität und ihren individuellen Lebensentwürfen – gleichermaßen liebt und ihnen seinen Segen unterschiedslos zuspricht." Beim Synodalen Weg wollen sich die Ordensfrauen und Ordensmänner "für angemessene liturgische Formen zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare einsetzen".

Quelle: Ordensleute auf dem Synodalen Weg für Segnung homosexueller Paare. katholisch.de vom 26.03.2021. Erklärung der Ordensleute vom Synodalen Weg

Andreas Sturm, Generalvikar vom Bistum Speyer

Während wir gestern im Priesterrat tagten, erreichte mich die Stellungnahme der Glaubenskongregation zur Segnung von homosexuellen Paaren. Ich bin immer noch schockiert und fassungslos. Nach einer Nacht und der gerade stattgefundenen Feier der hl. Messe bin ich aber fest davon überzeugt, dass ich meine Fassungslosigkeit nicht für mich behalten darf. Ich will nicht länger schweigen. Natürlich ist mir klar, was jetzt wieder alles passiert: unzählige Mails und Briefe ich bekomme in denen mir aufrechte Katholiken sagen werden, dass ich in die Hölle kommen werde, endlich gehen soll usw.

Aber wenn man immer schweigt und seine Enttäuschung, Frustration und Fassungslosigkeit immer nur still runter schluckt, verrät man dann nicht irgendwann seine eigenen Überzeugungen? Kommt dann nicht irgendwann der Tag an dem man sich selbst nicht mehr erkennt?

Das will und kann ich nicht!

Ich habe im Jahr 2000 im Anschluss an mein Studium in Mainz eine Ausbildung in klinischer Seelsorge in New York gemacht. Das Krankenhaus hatte ein großes Aids-Hospiz. Ich habe dort so viele schwule Paare erlebt, die in Liebe und Treue durch eine richtig harte Zeit gemeinsam gegangen sind - füreinander da waren. Ich habe auch danach immer wieder schwule und lesbische Paare kennengelernt, die ihr Leben mit allen Höhen und Tiefen gemeinsam gestaltet haben.

Ich habe Wohnungen, Autos, Fahrstühle, unzählige Rosenkränze usw. gesegnet und soll zwei Menschen nicht segnen können, die sich lieben? Das kann nicht Gottes Wille sein.
„Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein!“ (Gen 12,2)

So werde ich als Priester auch zukünftig Menschen segnen!

Quelle:facebookpost von Andreas Sturm vom 16.03.2021

Tobias Schäfer, Domprobst von Worms

Ich glaub’s ja nicht… im wahrsten Sinne des Wortes. Diese Stellungnahme aus Rom macht mich fassungslos. Wenn die Kirche keine Vollmacht hat zu segnen, wo immer Menschen sich nach Segen sehnen: hat sie da nicht ihre ureigenste Aufgabe aufgegeben? Segen ist doch kein Instrument für moralisches Urteil! Sondern die Zusage, dass Gott da ist, das er mit uns geht. In guten wie in schweren Stunden. Was für eine Hybris zu glauben, wir müssten Gott vor mutmaßlich sündigen Situationen schützen; wir müssten den Segen Gottes schützen, dass ja er nicht die „Falschen“ erreicht. Den Gott, der Mensch geworden ist, und sich in diese sündige Welt hineinbegeben hat, zu unserem Segen.

„Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein!“ (Gen 12,2) Wo die Kirche glaubt, sich zur Wächterin über den Segen Gottes machen zu müssen, ist sie kein Segen mehr für die Welt.
Und ehrlich: müssten wir als Kirche, die Priester, die Bischöfe nicht die ersten sein, die heil froh sind, dass Gott auch die Sünder segnet? Sonst wäre wahrlich wenig Hoffnung für eine Kirche, deren sündige Seiten gerade in dieser Zeit so offenbar geworden sind.

Und, damit kein Missverständnis ist: Ich glaube nicht, das Schwule, Lesben, Transgender sündige Menschen sind. Sie sind von Gott geliebt wie jeder liebende Mensch. Und stehen unter Gottes Segen.

Ich habe als Priester meinem Bischof – und damit der Kirche, nein noch viel mehr: Christus Ehrfurcht und Gehorsam geschworen. Und dazu stehe ich mit ganzer Überzeugung. Und doch gibt es gerade um diesen Gehorsam willen auch einen Punkt, wo ich sagen muss: Den Segen Gottes zu spenden, wer immer ihn braucht, erbittet und ersehnt: das kann und werde ich niemandem verweigern.

„Hier stehe ich, ich kann nicht anders…“

Quelle: facebookpost von Tobias Schäfer vom 15. März 2021

3. Laiengremien

Zentralkomitee der deutschen Katholiken

Mit Enttäuschung reagiert ZdK-Präsident Thomas Sternberg auf diese Note. Sie reihe sich ein in „eine Folge von Störungen des Synodalen Weges“. Auf diesem gemeinsamen Weg der katholischen deutschen Bischöfe und des ZdK werde die Segnung von Menschen weiter ein Thema sein. Nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern der Weltkirche werde über die Segnung gleichgeschlechtlicher Paarbeziehungen diskutiert. Eine Verheutigung der katholischen Lehre, wie sie Moraltheologen seit langem fordern, dürfe nicht einfach abgelehnt werden. Es müsse eine Weiterentwicklung der Lehre mit tragfähigen Argumenten geben. Der Bezug allein auf die Formulierungen des Katechismus reiche nicht aus.

Thomas Sternberg verweist auf Beschlüsse der ZdK-Vollversammlung vom April 2015 und vom November 2019.  Darin hatte sich das ZdK für dafür ausgesprochen, „die vielfältige Segenspraxis in unserer Kirche zu stärken und zu erweitern. Wir denken dabei insbesondere an Paare, denen eine kirchliche Eheschließung nicht möglich ist, wie zum Beispiel gleichgeschlechtliche Paare, die aber aufgrund ihrer Gottesbeziehung um den Segen Gottes für das Gelingen ihrer Partnerschaft bitten“. Segen sei „Vergegenwärtigung Gottes“: „Die Kirche ist dazu berufen, Menschen zu segnen. Sie ist nicht dazu berufen, Menschen, die darum bitten, den Segen Gottes vorzuenthalten.“

Das Verbot der in Deutschland erwogenen Segensfeiern sei keine Diskriminierung, betont der Präfekt der Glaubenskongregation. Homosexuelle Einzelpersonen können demnach gesegnet werden, wenn sie „den Willen bekunden, in Treue zu den geoffenbarten Plänen Gottes zu leben, wie sie in der kirchlichen Lehre vorgelegt werden“. Dies geschehe durch den Verzicht auf sexuelle Handlungen. „Diese Fixierung auf den Geschlechtsakt ist verkürzend, unangemessen und wird von den Gläubigen nicht mehr verstanden“, so Sternberg.

Quelle: „Die Kirche ist berufen, Menschen zu segnen." Pressemeldung des ZdK vom 15.03.2021

Diözesanrat Würzburg

 „Wir betonen: Liebe ist keine Sünde. Wo jemand um den Segen Gottes für seine*ihre Liebesbeziehung bittet, hat die Kirche nicht die Vollmacht, diesen Segen zu verweigern“, heißt es in dem mit großer Mehrheit angenommenen Antrag. Darin rufen die Delegierten alle Bischöfe auf, sich für eine „längst überfällige Weiterentwicklung der kirchlichen Lehre einzusetzen, um wissenschaftliche Erkenntnisse endlich wahr- und anzunehmen“. 

Mehrheitlich hat sich der Diözesanrat der Katholiken bei seiner virtuellen Frühjahrsvollversammlung am Samstag, 20. März, für die kirchliche Segnung homosexueller Paare ausgesprochen.

Quelle: Diözesanrat: Kirche hat nicht die Vollmacht, Segen zu verweigern. Pressemitteilung vom 22.03.2021 

Diözesanräte Aachen und Köln

Auch die Diözesanräte von Aachen und Köln - die Vertretungen der Laien, der Gläubigen - verurteilten die Entscheidung Roms. "Gott liebt und segnet alle Menschen", schrieb der Diözesanrat Aachen in einer Stellungnahme. "Wenn Menschen ihre von Liebe und Verantwortung getragene Partnerschaft unter Gottes Segen stellen wollen, kann die Kirche den Segen nicht verweigern." Deshalb wende sich der Diözesanrat entschieden gegen das Verbot der Glaubenskongregation. "Wir ermutigen alle Seelsorger*innen im Bistum Aachen, öffentlich zu ihrer Segnungspraxis zu stehen. Sie haben dafür die volle Rückendeckung einer großen Mehrheit der Katholik*innen."

Der Diözesanrat im Erzbistum Köln erinnerte daran, dass die Kirche im vergangenen Jahr noch ein Gitter um eines der Portale des Kölner Doms gesegnet habe. Nun behaupte sie, die Liebe von zwei gleichgeschlechtlichen Menschen könne man nicht segnen. "Das ist nicht die Zusage Gottes an die Menschen, wie wir sie verstehen", schrieb der Vorsitzende Tim Kurzbach in einer Stellungnahme.

Quelle: Bischöfe stellen sich gegen Segnungsverbot. süddeutsche.de vom 20.03.2021

Katholisches LSBT+ Komitee

Die erläuternde Note der Glaubenskongregation rückt gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen in den Kontext von Sünde und fordert homosexuelle Menschen auf, ihre sexuelle Orientierung zu unterdrücken. Vor diesem Hintergrund kann das übliche vorangestellte amtskirchliche Geplänkel von Respekt und Takt bestenfalls als heuchlerisch gelten. Die Glaubenskongregation verspielt damit die vermutlich letzte Chance weltweit menschenfreundlich und ethisch anschlussfähig zu bleiben. Dabei zeigen die Erfahrungen der vergangenen Jahre, dass Katholik*innen vielerorts nicht mehr dazu bereit sind, gleichgeschlechtliche Beziehungen als Sünde zu diffamieren, dass Segensfeiern bereits Teil „inoffizieller“ kirchlicher Praxis sind und dass die immer wieder beschworene biblische Verurteilung homosexueller Beziehungen theologisch nicht mehr haltbar ist.

„Die Autorität der Glaubenskongregation muss an der theologischen Qualität ihrer Argumentation gemessen werden und die ist in fast allen Aspekten mangelhaft. Angesichts der pastoralen Bedürfnisse von LSBT+ zeigt sie ein Herz aus Stein. Die Glaubenskongregation ist inzwischen selbst zu einem der größten Hindernisse für die Evangelisierung geworden, da sie eine Diskriminierungskirche durchsetzen möchte“, sagt Michael Brinkschröder, Sprecher des Katholischen LSBT+Komitees.

„Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare gehören seit Langem zum inoffiziellen kirchlichen Alltag. Ihre Verankerung in den Diözesen muss im Synodalen Weg weiter diskutiert werden. Wir appellieren an alle Menschen guten Willens und besonders an unsere Bischöfe pastoral handlungsfähig zu werden, auch wenn dies mit Mut zum pastoralen Ungehorsam verbunden sein sollte“, ergänzt Veronika Gräwe, Sprecherin des Katholischen LSBT+Komitees.

Quelle: Katholisches LSBT+ Komitee fordert von Bischöfen pastoralen Ungehorsam in Bezug auf das Verbot von Segensfeiern. Pressemitteilung vom 16.03.2021

Wir sind Kirche

Diese unsägliche Entscheidung verdeutlicht einmal mehr, dass der Versuch Roms nicht gelingen kann, von oben her weltweit Glaubens- und Sittenregeln zu verordnen, ohne einen Dialog mit den Kirchen vor Ort zu führen.

Mit dieser Entscheidung trägt der Vatikan dazu bei, dass die in vielen Ländern nach wie vor bestehende Diskriminierung homosexueller Menschen bis hin zur Gefängnis- und Todesstrafe als gottgegeben angesehen werden kann. Vor dem Hintergrund der Verfolgung Homosexueller reicht es nicht aus und ist gar zynisch, die christlichen Gemeinde dazu aufzurufen, Menschen mit homosexuellen Neigungen – die nach kirchlicher Lehre nicht gelebt werden dürfen – zu respektieren.

Diese Entscheidung zeigt einmal mehr, wie sehr die römisch-katholische Sexualmoral den Anschluss zu den Humanwissenschaften verloren hat. Es bedarf jedoch dringend einer Weiterentwicklung der kirchlichen Morallehre, die nicht nur auf die Sexualmoral fixiert sein darf, wie sie es viel zu lange war.

Es bleibt zu hoffen, dass es weiterhin Seelsorger und Seelsorgerinnen geben wird, die auch homosexuellen Partnerschaften wenn nicht den Segen der Kirche, so doch den Segen Gottes zusprechen werden.

Quelle: Unsägliche Entscheidung Roms. Pressemitteilung vom 15.03.2021

4. Kirchliche Verbände

Fünf katholischen Frauenverbände im deutschsprachigem Raum

Die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö), der Schweizerische Katholische Frauenbund (SKF), die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) und die Katholische Frauenbewegung Südtirol (kfb) haben in einem offenen Brief an die Glaubenskongregation die Aufhebung des Segnungsverbots gefordert. 

Aufgabe der Kirche sei es, die Liebe Gottes in der Welt sichtbar zu machen, und das bedeute auch, sich gegen Homophobie zu wenden, schreiben die Verbände in einem am 01. April 2021 veröffentlichten Brief. »Gottes Liebe ist allen Menschen zugesagt, unabhängig von ihrer sexuellen Ausrichtung.« Sexualität sei Teil der Schöpfung. Verantwortete sexuelle Liebesbeziehungen könnten nicht auf die Ehe reduziert werden.

Quelle: Katholische Frauenverbände protestieren gegen Segnungsverbot. spiegel online vom 01. April 20221

Katholischer Deutscher Frauenbund

„Der KDFB setzt sich dafür ein, eine Sexualmoral zu entwickeln, die die Lebenswirklichkeit der Menschen achtet. Wir sprechen uns auch dafür aus, gleichgeschlechtlichen Paaren in der Kirche den Segen Gottes für ihre Partnerschaft zu spenden. Das kategorische Nein aus Rom nehmen wir zur Kenntnis, aber wir sehen im Synodalen Weg, den wir gemeinsam mit dem ZdK und der Bischofskonferenz gehen, den für uns richtigen Ansatz, über gelingende Beziehungen weiter nachzudenken und entsprechende Entscheidungen zu treffen.“

Quelle: Pressemitteilung Katholischer Deutscher Frauenbund vom 16.03.2021

Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD)

"Wir lehnen die heute veröffentlichte Haltung aus Rom klar ab, auch wenn wir um die Spannung zwischen kirchlicher Lehre und der Lebenswirklichkeit der Menschen wissen.

Wir setzen uns weiter für die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare ein. Menschen dürfen nicht aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und Lebensformen diskriminiert werden.

Für uns ist klar, dass wir im Synodalen Weg weiter über dieses Thema sprechen müssen."

Quelle: Für die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare! - Pressemitteilung der Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD) vom 15.03.2021

Bund der Katholischen Deutschen Jugend

Gott ist Liebe. Die Liebe zweier Menschen zueinander - egal ob in hetero- oder homosexuellen Partner*innenschaften - kann aus unserer Sicht niemals Sünde sein. Daher widersprechen wir deutlich der päpstlichen Aussage, dass homosexuelle Verbindungen in Gottes Plan nicht vorgesehen seien.

In unserem Positionspapier "Liebt einander" fordern wir, die gesellschaftliche Realität bezüglich geschlechtlicher Vielfalt endlich anzuerkennen, und gleichgeschlechtliche Paare nicht weiter zu diskriminieren, indem ihnen ein geeigneter Segensritus verwehrt wird. Das Vatikan-Dekret verletzt Menschen jenseits der Heteronormativität, weil es sie herabwürdigt und als nicht gleichwertig ansieht. Solche Aussagen werden dazu führen, dass immer weniger bereit sind, der kirchlichen Lehre zu folgen. Viele Katholik*innen werden sich in einem weiteren Schritt von der Kirche als Mutter und Lehrmeisterin der Moral emanzipieren.

Zahlreiche gleichlautende Positionen sind seitdem in den sozialen Netzwerken zu lesen, die sich deutlich für eine offene, liebende und bunte Kirche einsetzen. Jetzt gilt es, diese Zeichen für Vielfalt auch in die reale Welt vor Ort zu tragen und für alle außerhalb der digitalen Plattformen sichtbar zu machen. Daher ruft der BDKJ dazu auf, vom 19. bis 22. März an Kirchen oder kirchlichen Gebäuden Regenbogenflaggen aufzuhängen, sie mit Strahlern oder Beamern bunt zu beleuchten, oder mit Straßenkreide Statements oder Regenbögen auf Kirchenvorplätze zu malen. Die katholische Jugend steht bundesweit an der Seite aller Menschen, die sich lieben und damit von Gott gesegnet sind.

Quelle: Love is no sin. Statement des BDKJ vom 15.03.2021

5. Professor*innen der Theologie

Der „Erläuternden Note“ zum Responsum und dem zeitgleich veröffentlichten „Kommentar“ mangelt es an theologischer Tiefe, an hermeneutischem Verständnis sowie
an argumentativer Stringenz. Werden wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert und
nicht rezipiert, wie es in dem Dokument der Fall ist, untergräbt das Lehramt seine eigene Autorität.

Der Text ist von einem paternalistischen Gestus der Überlegenheit geprägt und diskriminiert homosexuelle Menschen und ihre Lebensentwürfe. Von dieser Position distanzieren wir uns entschieden. Wir gehen demgegenüber davon aus, dass das Leben und
Lieben gleichgeschlechtlicher Paare vor Gott nicht weniger wert sind als das Leben
und Lieben eines jeden anderen Paares.

In vielen Gemeinden erkennen Priester, Diakone und andere Seelsorger und Seelsorgerinnen homosexuell lebende Menschen an, auch indem sie Segnungsfeiern für
gleichgeschlechtliche Paare anbieten und über angemessene liturgische Formen solcher Feiern reflektieren. Wir begrüßen diese würdigenden Praktiken ausdrücklich.

Quelle: Stellungnahme zum „Responsum“ der Glaubenskongregation vom 22.03.2021, unterschrieben von 239 Professor*innen der Theologie

6. Pfarrer, Priester und Pastoren

Pfarrer des Dekanats Kleve

Die Pfarrer des Dekanats Kleve richten sich gegen die Beschlüsse der Glaubenskongregation. Sie wollen eine Neubewertung der Homosexualität.

Quelle: Homosexualität: Klever Pfarrer proben Aufstand gegen Rom. NRZ vom 28.03.2021

Christian Hermes, Stadtdekan von Stuttgarts

„Wenn erwachsene Menschen in Freiheit einander Treue, Liebe, Verantwortung und Beistand versprechen, dann hat dies einen hohen moralischen Wert und dann entspricht dies dem Heilswillen Gottes. Es ist theologisch insofern nicht nach­voll­zieh­bar, warum dieses Versprechen und diese Lebenshaltung nicht im Namen des liebenden Gottes gesegnet werden können sollte.“

Quelle: Katholische Kirche Stuttgart: Pfarrer und die Basis erheben die Stimme gegen Rom
Stuttgarter Nachrichten vom 27.03.2021

Hans-Joachim Wahl, Dekan aus Gießen

 »Das kann nicht sein. Es entspricht nicht unserer Lebensrealität«. Die Menschen, die mit dem Wunsch nach einer Segnung an katholische Geistliche heranträten, lebten ihren Glauben bewusst und engagiert. Sie zurückzuweisen, bedeute Kränkung und Diskriminierung. Er betont: »Ich hätte mir eine Antwort gewünscht, die nicht aus dem 19. Jahrhundert stammt.«

Quelle: Dekan aus Gießen sagt: »Liebe kann nicht Sünde sein«. Gießener Allgemeine vom 26.03.2021

Johannes Arntz, Pfarrdechant der St.-Lamberti-Gemeinde 

„Dieses Segnungsverbot können wir nicht akzeptieren. (...) Wir sind jederzeit offen für Anfragen zur Segnung homosexueller Paare“.

Quelle: „Können das Verbot nicht akzeptieren“, Allgemeine Zeitung vom 25.03.2021

Bernd Steinrötter, Pastor in Gelsenkirchen

Wenn er um eine Segnung gebeten wird, geht es Bernd Steinrötter nicht um die sexuelle Orientierung: "Hauptsache Liebe ist in der Beziehung die Grundlage und Verbindung zwischen den beiden." Er sei schließlich Pastor und kein Richter. (...) Seine Anerkennung von Homosexualität, auch durch Segnungen, entspreche einfach der Lebenswirklichkeit. "Es ist mir wichtig, dass Paare von der Kirche, von mir, wahrgenommen werden mit ihrer Lebensentscheidung", sagt der Pastor.

Quelle: "Hauptsache Liebe" - Pastor in Gelsenkirchen segnet homosexuelle Paare. WDR vom 24.03.2021

Pfarrvikar Andreas Artinger aus Regen im Bayerischen Wald

„Mit der derzeitigen Sexualmoral der Kirche haben wir uns so sehr von den Menschen entfernt, dass sie uns gar nicht mehr wahrnehmen.“

Quelle: Aufstand gegen Rom: Priester wollen Homosexuelle segnen. Augsburger Allgemeine vom 17.03.2021

Max Stetter, Sprecher der „Pfarrer-Initiative Deutschland“

„Mich hat das Schreiben der Glaubenskongregation schockiert.“ Würde ein homosexuelles Paar den Segen von ihm erbitten, würde er dies nicht ablehnen. Er hoffe weiterhin auf eine Reform in dieser Frage und hierbei auf den Reformprozess "Synodaler Weg" zwischen den deutschen Bischöfen und engagierten Laien. „Ansonsten bleibt nur der pastorale Ungehorsam.“

Quelle: Aufstand gegen Rom: Priester wollen Homosexuelle segnen. Augsburger Allgemeine vom 17.03.2021

Bernd Mönkebüscher, Pfarrer aus Paderborn, und Burkhard Hose, Würzburger Hochschulseelsorger

Der Aufruf des Würzburger Hochschulseelsorgers Burkhard Hose und des Paderborner Pfarrers Bernd Mönkebüscher mehr als 1000 Unterstützer aus pastoralen Berufen gefunden. Zu den Unterzeichnern gehören Mönkebüscher zufolge Priester, Diakone und Ordensobere. Seit Montagabend verbreitet sich der Aufruf unter dem Stichwort „mehrSegen“ in sozialen Netzwerken. Hose schrieb auf Facebook: „Wir verweigern eine Segensfeier nicht.“ Sowie: „Wir nehmen nicht hin, dass eine ausgrenzende und veraltete Sexualmoral auf dem Rücken von Menschen ausgetragen wird und unsere Arbeit in der Seelsorge untergräbt.“ Noch bis Palmsonntag würden Unterschriften gesammelt und danach unter anderem dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, dem Limburger Bischof Georg Bätzing, übergeben.

Etwa 2.600 katholische Priester, Gemeindereferentinnen, Diakone und Pastoralassistenten haben den Aufruf unterschrieben und das Nein des Vatikans zur Segnung schwuler und lesbischer Paare kritisiert. Am Samstag, den 27. März, wurden diese von Burkhard Hose an den Aachener Bischof Helmut Dieser und der familienpolitischen Sprecherin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Birgit Mock, übergeben. Beide leiten das Forum zu Sexualmoral beim Synodalen Weg, dem von den deutschen Bischöfen und dem ZdK ins Leben gerufenen Dialog zur Zukunft kirchlichen Lebens in Deutschland.

Quelle: Aufstand gegen Rom: Priester wollen Homosexuelle segnen. Augsburger Allgemeine vom 17.03.2021.

Quelle: 2.600 Geistliche unterschreiben Kritik am Vatikan. Zeit online vom 27.03.2021

Tobias Zimmermann, Priester und Jesuit

Der Versuch des Gesprächsabbruchs per Dekret offenbart vor allem eines: Die Furcht vor dem Diskurs. Und diese Furcht hat einen Grund: Den Mangel an haltbaren theologischen Argumenten. Aus der Schrift lassen sich eher keine belastbaren, exegetischen Begründungen für das vatikanische Verdikt gegen homosexuelle Paarbeziehungen ableiten. Und man muss auch nicht tief in der Geschichte abgeschaffter ewiger Wahrheiten graben, über welche die Glaubenskongregation im Laufe ihrer Geschichte wachte, um über die willkürliche Verwendung von „Naturrecht“ und „Tradition“ ins Grübeln zu kommen.

Aber die katholische Kirche hat sich in den letzten Jahrzehnten eben doch verändert, wenn auch für viele Betroffene sicher quälend langsam. Umgehend distanzierten sich führende Kirchenvertreter, allen voran der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, von diesem Versuch, einen offenen Diskurs per Dekret zu beenden. Und das ist finde ich wohltuend und wichtig: Denn sie zeigen damit eine Qualität, die in der Kirchenleitung der letzten Jahrzehnte Mangelware war: Sie sind Seelsorger, nicht nur verwaltende Funktionäre und Hüter ihres eigenen geschlossenen Kosmos von Wahrheiten!

Quelle: Roms Glaubenshüter verursachen Ärgernis – wieder einmal! Zimmermanns Meinung vom 17.03. auf Sinn und Gesellschaft

7. Seelsorger*innen

#MutwilligSegnen: Über 2.000 Seelsorger*innen haben inzwischen eine Erklärung unterzeichnet, homosexuellen Paaren den Segen nicht zu verweigern. Die Initiatoren Pfarrer Bernd Mönkebüscher (Hamm), Burkhard Hose (Würzburg)und der Speyerer Priester Carsten Leinhäusernoch rufen nun zu bundesweiten "Segensgottesdiensten für Liebende" am 10. Mai 2021 auf.

Die Glaubenskongregation der katholischen Kirche meint, dass die Kirche keine Vollmacht habe, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen. Wir sind vom Gegenteil überzeugt. Wenn es einen Auftrag von Jesus gibt, an dem nichts zu rütteln ist, dann dieser: „Liebt einander!“

Wir glauben: „Jeder Mensch ist ein Kind Gottes.“ Und wir glauben: „Das Größte und Schönste, was wir Menschen tun können, ist zu lieben.“ Wenn wir das tun, sind wir Jesus auf der Spur. Egal, ob diese Liebe hetero- oder homosexuell ist: „Es ist Liebe – und die ist von Gott geschenkt.“

Deshalb: „Lasst uns mutwillig segnen!“ Wenn Ihr Paare kennt, die aufgrund Ihrer Sexualität ausgegrenzt werden, macht Ihnen Mut. Sagt Ihnen, dass Gott sie liebt. Dass er mit ihnen ist. Dass er ihre Liebe begleitet und sie stärken möchte.

Und, wenn Ihr wollt, setzt weitere mutwillige Segenszeichen. Lasst uns konstruktiv werden und der Welt und der Kirche zeigen, dass es auch anders geht. Dass es möglich ist zu segnen. Ein Segen für andere zu sein. Zum Beispiel mit Statements und Fenstersegen. Ihr könnt euch die Content-Banner runterladen, sie für eigene Social-Media-Channels nutzen und wenn ihr mögt auch mit Kreidestiften euren Fenstersegen auf die Straße bringen. Damit unsere Lieben sehen, wie wir zu ihnen stehen. Die Copyrights werden hiermit euch allen übertragen. Sie kommen von Herzen. Seid gesegnet und bleibt behütet.

Quelle: MutwilligSegnen

8. Religionslehrer*innen

Der Bundesverband der katholischen Religionslehrer und -lehrerinnen an Gymnasien (BKRG) erklärt, eine „ausgrenzende und auch theologisch nicht vertretbare Sexualmoral“ untergrabe „die Glaubwürdigkeit unseres persönlichen Zeugnisses“ in den Schulen.

Der BKRG setze sich ein „für Respekt und Wertschätzung der Liebe und des Glaubens, die in der Vielfalt geschlechtlicher Orientierungen in jeder Partnerschaft gelebt werden können“. Die Kirche dürfe Paaren die „liebende Zuwendung“ durch „das aufrichtige und bejahende Zeichen der Segnung“ nicht verweigern. Die Lehrkräfte wünschen sich, die Botschaft verbreiten zu dürfen, dass „das Segensangebot Gottes allen Menschen gilt, die sich verbindlich und vertrauensvoll auf eine Partnerschaft einlassen und diese für Gott öffnen wollen“.

Quelle: Religionslehrerinnen und -lehrer: Paaren den Segen nicht verweigern. Kirche und Leben vom 23.03.2021

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