(Stiefkind-)Adoptionen und Pflegefamilien in Deutschland

Zahlen und Entwicklung

Die Zahlen zu Adoptionen und Stiefkindadoptionen in Deutschland werden leider nicht aufgeschlüsselt nach Adoptionen durch verschiedengeschlechtliche und gleichgeschlechtliche Paare. Sie belegen aber zwei Entwicklungen: Es gibt immer weniger Adoptionen in Deutschland aber Stiefkindadoptionen nehmen zu.

Am 04.08.2020 hat das Statistische Bundesamt Zahlen zu Adoptionen in Deutschland 2019 veröffentlicht, darunter auch die Zahlen für Stiefkindadoptionen. Sie werden leider nicht aufgeschlüsselt nach Adoptionen durch verschiedengeschlechtliche und gleichgeschlechtliche Paare. Die Zahlen belegen zwei Entwicklungen: Zum einen gibt es immer weniger Adoptionen in Deutschland, zum anderen nehmen insbesondere Stiefkindadoptionen zu.

Immer weniger Menschen (wollen) adoptieren

Es gibt immer weniger Adoptionen insgesamt, Adoptionsbewerbungen und zur Adoption vorge­merkte Kinder und Jugend­liche.

Adoptionen in Deutschland insgesamt

  • 2019: 3.744
  • 2009: 3.886
  • 1999: 6.399

Adoptionsbewerbungen

  • 2019: 4.278 Adoptionsbewerbungen (minus 40% im Vergleich zu vor 10 Jahren)
  • 2009: 7.139 Adoptionsbewerbungen
  • 1999: 14.524
  • Minus 40%

Zur Adoption vorge­merkte Kinder und Jugend­liche

  • 2019: 867 (Verhältnis 1:5)
  • 2009: 818
  • 1999: 1.077

Staatsbürgerschaft der Adoptivkinder 2019

  • Deutsch: 3.385 (90%)
  • Nicht-Deutsch: 359

Starke Zunahme von Stiefkindadoption

Anzahl der Stiefkindadoptionen

  • 2019: 63% (2.364 von 3.744) waren Stiefkindadoptionen
  • 2009:43,5% (1.692 von 3.886) nicht mit Adoptiveltern verwandt
  • 1999: 49,5% (3.169 von 6.399) nicht mit Adoptiveltern verwandt

Alter der Kinder bei Stiefkindadoption (2019)

  • 842 von unter 3jährigen Kindern (36%)
  • 517 von 3 bis 9jährigen
  • 694 von 6-15jährigen
  • 311 von 15-18jährigen

Pflegefamilien und Adoption von Pflegekindern

Die Bestandsaufnahme des Expertise- und Forschungszentrums "Adoption In Deutschland" hat für 2014 folgende Zahlen veröffentlicht.

  • 162.359 junge Menschen unter 27 Jahren erhalten erzieherische Hilfen in Unterbringungsformen außerhalb des Elternhauses(d.h. Unterbringung in stationären Wohnformen, Pflegefamilien etc.)
  • Insgesamt 69.823 Kinder und Jugendliche (43%) lebten in Pflegefamilien. Die Tendenz in den letzten Jahren ist dabei steigend.
  • Sehr niedrige Quote der Rückführungen von Pflegekindern in die Herkunftsfamilien (2011: 3%), d.h. viele Dauerpflegeverhältnisse
  • Dennoch sind Adoptionen von Pflegekindern eher selten: 2014 mündete eine Vollzeitpflege in lediglich 273 Fällen in eine Adoption(spflege), das sind 1,9% der beendeten Vollzeitpflegeverhältnisse

Es gibt keine statistischen Kennzahlen über gleichgeschlechtliche Bewerberpaare und bestehende Pflegeverhältnisse in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften. Andy Jespersen von der Forschungsgruppe Pflegekinder an der Universität Siegen hat in einem Interview mit dem LSVD folgende Zahlen genannt:

  • In Berlin gab es auf die Anfrage eines Abgeordneten im Jahr 2011 zu diesem Zeitpunkt ca. 50 gleichgeschlechtliche Pflegefamilien.
  • Die meisten angefragten städtischen Jugendämter in NRW machten bei kleinen bis mittelgroßen Städten Angaben über bis zu 6 gleichgeschlechtliche Paare, Großstädte bis zu 12. Ihr Anteil an der Gesamtheit der Pflegefamilien liegt in diesen Städten bei grob gerechnet 1–2 Prozent.

Quellen

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