Corona und die LGBTQ-Community in den USA

Briefing-Papier von Human Rights Campaign

US-amerikanische LGBTQ-Community von den negativen Auswirkungen durch Covid-19 überdurchschnittlich stark betroffen. Besonderen gesundheitlichen Bedarfe und ökonomische Ungleichheit verursachen hohe Verletzlichkeit. Diese Risiken verschärfen sich für trans* Personen sowie LGBTQ of Color.

Im März 2020 hat die US-amerikanische Nichtregierungsorgansation Human Rights Campaign Foundation das Briefing-Papier "The lives and livelihoods of many in the LGBTQ community are at risk admidst COVID-19 crisis" veröffentlicht. Darin machen sie auf die überdurchschnittliche Betroffenheit der LGBTQ-Community von den negativen Auswirkungen durch Covid-19 aufmerksam und verweisen dabei auf die besonderen gesundheitlichen Bedarfe und die durch ökonomische Ungleichheit verursachten Verletzlichkeiten aufmerksam. Diese Auswirkungen verschärfen sich für trans* Personen sowie LGBTQ of Color.

Die geschilderten negativen Auswirkungen betreffen eine Community mit 14 Mio. erwachsenen und 2 Mio. jugendlichen LGBTQ. Außerdem wachsen 2-3.7 Millionen Kinder in Regenbogenfamilien auf.

In diesem Beitrag haben wir die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Papier zusammengefasst und übersetzt. Einen ausführlichen Artikel auf die Auswirkungen von Corona auf LSBTI in Deutschland findet sich hier.

Höheres Armutsrisiko und Arbeitsplätze von LGBTQ besonders von den Auswirkungen betroffen

5 Mio. arbeiten in den fünf am meisten von Corona-Auswirkungen betroffenen Industrien

  • 40% der LGBTQ arbeiten in den Bereichen Restaurant/ Essensdienstleistungen, Krankenhäusern, Bildung (Kindergärten/ Schule, Universitäten) und Einzelhandel (im Vergleich zu 22% der nicht LGBTQ)

stärker von Armut betroffen

  • 22% LGBTQ vs. 16% nicht LGBTQ
  • 29% der trans* Erwachsenen
  • 29% der bisexuellen Frauen
  • 40% der schwarzen trans* und 45% der latinx trans* Personen

Höhere Armutsraten und Arbeitslosigkeit vermutlich aufgrund von Diskriminierung

  • 10% der LGBTQ arbeitslos
  • leben teilweise in Staaten ohne expliziten Diskriminierungsschutz
  • 27% der trans*Personen berichten, wegen ihrer trans* Identität gekündigt, nicht eingestellt oder nicht befördert worden zu sein

Regenbogenfamilien: Nicht immer gibt es in den Bundesstaaten die bezahlte Auszeit bei Krankheit bzw. Elternzeit (paid medical and family leave)

  • wenn es sie gibt, dann nur in 50% für Eltern aller Gender
  • Wenn bezahlte Auszeit mit dem Coming-out verbunden ist, wird sie nicht in Anspruch genommen, vor allem wenn das Comig-out ein Kündigungsgrund sein könnte

Armut und Wohnungsunsicherheit verstärken gesundheitliche Ungleichheit und soziale Isolation in der Community.

Schlechtere gesundheitliche Lage und Versorgung

20% der LGBTQ vermeiden medizinische Behandlung, weil sie es sich nicht leisten können

  • 23% der schwarzen LGBTQ
  • 24% der latinx LGBTQ
  • 29% der trans* Frauen

17% der LGBTQ (vs. 12% nicht LGBTQ) haben keine Krankenversicherung

  • 23% der LGBTQ of Color
  • 22% der trans* Erwachsenen
  • 32% der trans* Personen of Color
  • Auswirkungen auf das Testenverhalten bzw. medizinische Behandlung von Coronaerkrankung

Gesundheitliche Risikofaktoren für Erkrankung bzw. Komplikationen bei LGBTQ verbreiteter

  • 37% rauchen täglich (vs. 27%)
  • 21% haben Asthma (vs. 14%)
  • 1,4 Mio LGBTQ mit Diabetes (20% der über 50jährigen LGBTQ)
  • HIV weist bestimmte chronische Erkrankungsrisiken auf für u.a. chronische Lungen- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Immunerkrankungen
  • hohes Risiko: 50% der Schwarzen cisgender MSM und 25% der latinx cisgender MSM werden eine HIV positiv Diagnose bekommen
  • 50% der Schwarzen und 25% der latinx trans* Frauen sind HIV positiv

Verstärkte gesundheitliche Ungleichheit und soziale Isolation bei älteren LGBTQ

Familie als Sicherheitsnetz könnte weggefallen sein bzw. keine Kinder

  • ältere LGBTQ leben doppelt so oft allein wie nicht LGBTQ
  • Ältere trans* Personen: höhere Gewalterfahrung, kaum Daten, noch höhere Raten an familiärer Ablehnung und sozialer Isolation
  • verstärkt durch Wohnort im ländlichen Raum (plus Zugang durch fehlende Mobilität)

Obdachlosigkeit unter LGBTQ-Jugendlichen

LGBTQ-Jugendliche oftmals aufgrund von familiärer Ablehnung obdachlos, unsichere Wohnungssituation oder in Pflege

  • 67% aller LGBTQ-Jugendlichen haben negative Kommentare in ihrer Familie erlebt
  • 120% höheres Risiko der Obdachlosigkeit als nicht LGBTQ
  • LGBTQ sind 30% der Jugendlichen in Fürsorge und 40% der wohnungslosen Jugendlichen
  • Geschlossene Schulen heißt mehr Zeit in der Familie

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