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Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD)

Chronik Nationaler Aktionsplan gegen Homophobie und Transfeindlichkeit

Seit vielen Jahren fordern wir einen wirksamen Nationalen Aktionsplan gegen LSBTI-Feindlichkeit

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) fordert einen wirksamen Nationalen Aktionsplan gegen LSBTI-Feindlichkeit und für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Es braucht klare zeitlich definierte Zielvereinbarungen, belastbare Selbstverpflichtungen der zuständigen staatlichen Stellen und angemessene Haushaltsmittel zur Prävention und Bekämpfung von Homophobie und Transfeindlichkeit. Der 2017 von der Bundesregierung verabschiedete Nationale Aktionsplan gegen Rassismus sollte zwar auch um das Thema Homo- und Transphobie erweitert werden. Tatsächlich blieb dieser jedoch in weiten Teilen eine beschönigende Rückschau ohne konkrete und verbindliche Maßnahmen. LSBTI-Anliegen finden sich im NAP kaum.

Ein Nationaler Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie ist eine der Hauptforderungen des LSVD. Nachdem im Sommer 2008 das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen mehrmals beschädigt wird und eine Reihe von gewalttätigen Angriffen auf LSBTI die Hauptstadt erschüttert fordert LSVD-Bundesvorstand Günter Dworek einen Nationalen Aktionsplan gegen Homophobie, um alltäglicher Ausgrenzung entschlossen entgegenzutreten.

Unter den Anwesenden sind mit Thomas Birk und Anja Kofbinger von Bündnis 90/ Die Grünen zwei Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses. Sie nehmen das Anliegen für das Land Berlin auf und stellen einen entsprechenden Antrag im Berliner Parlament, der in den Ausschüssen landet. Klaus Lederer (Die Linke), Mitglied der Regierungskoalition von SPD und Die Linke, entwickelt den Antrag weiter, so dass dieser im August 2009 einstimmig verabschiedet wurde. Es ist der erste Aktionsplan auf Landesebene. Seitdem haben 15 der 16 Bundesländer Aktionspläne für die Gleichstellung und Akzeptanz von Lesben, Schwulen, bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTI) verabschiedet und war der LSVD auf Landes– und Bundesebene bei der Initiierung und Umsetzung beteiligt.

Im Koalitionsvertrag von 2013 zwischen CDU, CSU und SPD wurde vereinbart: „Wir verurteilen Homophobie und Transphobie und werden entschieden dagegen vorgehen. Wir werden den „Nationalen Aktionsplan der Bundesrepublik Deutschland zur Bekämpfung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und darauf bezogene Intoleranz“ um das Thema Homo- und Transphobie erweitern.“ Der LSVD hat im Sommer 2015 erste Eckpunkte für einen Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie auf Bundesebene vorgelegt und die Bundesministerien gebeten, diese Eckpunkte bei ihrer Arbeit zum Nationalen Aktionsplan zu berücksichtigen. 2017 wurde der Nationale Aktionsplan verabschiedet und soll nun umgesetzt werden.

2020

Am 13. Februar findet die Konsultationsveranstaltung zum Nationalen Aktionsplan gegen Rassismus und weitere Ideologien der Ungleichwertigkeit statt. Sie wird organisiert vom Bundesinnenministerium und der Bundeszentrale für politische Bildung. In der abschließenden Feedbackrunde und den Ausblick zu den Ergebnissen der Konsultation vertritt LSVD-Pressesprecher Markus Ulrich die Zivilgesellschaft. Er kritisiert dabei am Aktionsplan vor allem die unzureichende Berücksichtigung von LSBTI-Feindlichkeit und die fehlende Verbindlichkeit der Maßnahmen. Ulrich fordert die aktuelle Bundesregierung dazu auf, den Nationalen Aktionsplan auch zu ihrem politischen Projekt zu machen.

2019

Die Grünen bringen am 15. Mai den Antrag „Vielfalt leben - Bundesweiten Aktionsplan für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt auflegen“ in den Bundestag ein. Am 16.12.2019 findet dazu eine öffentliche Anhörung im Bundestagsausschuss Familie, Senioren, Frauen und Jugend statt. LSVD-Pressesprecher Markus Ulrich wird von der Grünen Bundestagsfraktion als Sachverständiger eingeladen. In seiner Stellungnahme unterstützt der LSVD den Antrag.

2017

In seiner Stellungnahme an den UN-Menschenrechtsrat kritisiert der LSVD im Rahmen des UPR-Berichtsverfahren zu Deutschland den unzureichenden Nationalen Aktionsplan.

Am 14. Juni beschließt die Bundesregierung den neuen "Nationalen Aktionsplan gegen Rassismus". Der LSVD und der BVT kritisieren den verabschiedeten Aktionsplan als unzureichend. Das zivilgesellschaftliche Kapitel "Menschenrechte schützen, Diskriminierungen beseitigen" wird im NAP als Anlage veröffentlicht.

Basierend auf dem Eckpunktepapier von LSBTI-Organisationen sowie dem des Netzes gegen Rassismus erarbeitet eine Redaktionsgruppe bestehend aus Vertreter*innen des LSVD, der Bundesvereinigung Trans* (BVT) sowie des Netzes gegen Rassismus ein gemeinsames Papier. Ziel ist ein gemeinsames zivilgesellschaftliches Kapitel im neuen NAP.

2016

Im Juli 2016 legen mehrere LSBTI-Organisationen koordiniert vom LSVD und dem BVT* gemeinsame Eckpunkte für einen Aktionsplan zur Bekämpfung von Homo- und Transphobie vor. Die Eckpunkte setzen ei-nen Schwerpunkt bei Aufgabenfeldern, die in direkter Bundeskompetenz liegen.

  • Eckpunkte für einen Aktionsplan zur Bekämpfung von Homo- und Transphobie (Juli 2016)
  • Neben dem LSVD und dem Bundesverband Trans* haben daran mitgearbeitet und unterstützen das Papier: das Aktionsbündnis gegen Homophobie, die Amadeu-Antonio-Stiftung, die Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren (BISS), Intersexuelle Menschen e.V., das Jugendnetzwerk Lambda, LAG Lesben in NRW, Lesben und Alter, die Ökumenische Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche, Queere Bildung, ProFamilia, Selbstbestimmt Leben in Deutschland, der Verband lesbischer und schwuler Polizeibediensteter in Deutschland (VelsPol), der Verband für lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, intersexuelle und queere Menschen in der Psychologie (VLSP).

Die Bundesregierung berichtet in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen, dass eine Kabinettvorlage für den NAP Anfang 2017 geplant ist. Inzwischen haben der LSVD und BVT* auch bei einer Sitzung des Forum gegen Rassismus im Innenministerium teilgenommen, in der ebenfalls erste Ansätze der Bundesregierung zur Neuauflage des NAP vorgestellt wurden.

2015

Der LSVD schreibt im September 2015 an insgesamt 10 Bundesminister*innen. Er fordert die Einhaltung des Koalitionsversprechen und legt erste Eckpunkte für einen Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie auf Bundesebene vor. 

Der LSVD und die Amadeu-Antonio-Stiftung veranstalten am 10. Juni in Berlin den Kongress "Respekt statt Ressentiment. Bündnisse und Strategien gegen die neue Welle von Homo– und Transphobie". Der von der Bundesregierung versprochene neue Nationale Aktionsplan ist Thema eines Panels auf dem Kongress: Welche Schwerpunkte müssen gesetzt werden, welche Forderungen gestellt und welche Akteur_innen einbezogen?

2013

Im Koalitionsvertrag "Deutschlands Zukunft gestalten" zwischen CDU, CSU und SPD wurde vereinbart: „Wir verurteilen Homophobie und Transphobie und werden entschieden dagegen vorgehen. Wir werden den „Nationalen Aktionsplan der Bundesrepublik Deutschland zur Bekämpfung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und darauf bezogene Intoleranz“ um das Thema Homo- und Transphobie erweitern.“ (S. 74)

Anlässlich der Bundestagswahlen 2013 fragt der LSVD in seinen Wahlprüfsteine alle Parteien auch, ob sie sich einsetzen für einen Aktionsplan für Vielfalt auch auf Bundesebene, um Homophobie und Transphobie entgegenzuwirken. Während CDU/ CSU keine Antwort geben, befürworten SPD, die Linke, Bündnis 90 / Die Grünen und die Piratenpartei das Anliegen. Die FDP antwortet nur vage.

2009

Auf seinem Verbandstag fordert der Lesben- und Schwulenverband einen bundesweiten Aktionsplan gegen Homophobie. Antihomosexuelle Gewalt ist kein Kavaliersdelikt sondern rührt an die Grundfesten unserer Demokratie. Das Schweigen großer Teile unserer Gesellschaft zu antihomosexuellen Hassverbrechen ist skandalös. Der „Nationale Aktionsplan zur Bekämpfung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und darauf bezogene Intoleranz“ Es ist längst überfällig, alle Ausprägungen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit konzertiert anzugehen, anstatt eine Form auszugrenzen.

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