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Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD⁺)

Was denkt Deutschland über LSBTIQ*?

Studien zu Einstellungen zu queeren Menschen und Regenbogenfamilien in Deutschland

Wie queerfeindlich ist Deutschland? Wie verbreitet ist Trans*feindlichkeit? Was denken die Menschen in Deutschland über queere Menschen? Hier fassen wir Ergebnisse von Studien und Umfragen über die Einstellungen zu Lesben, Schwulen, bisexuellen, trans*, intergeschlechtlichen sowie weiteren queeren Menschen (LSBTIQ*) zusammen.

Wie queerfeindlich ist Deutschland? Wie verbreitet ist Trans*feindlichkeit? Was denken die Menschen in Deutschland über queere Menschen? Hier fassen wir Ergebnisse von Studien und Umfragen über die Einstellungen zu Lesben, Schwulen, bisexuellen, trans*, intergeschlechtlichen sowie weiteren queeren Menschen (LSBTIQ*) zusammen. Die Studien arbeiten meistens mit Zustimmungs- und Ablehnungswerten gegenüber queerfeindlichen Aussagen, die bei der Auswertung und Zusammenfassung reproduziert werden.

Ein anderer Gradmesser für die Abwertung bzw. Abneigung von LSBTIQ* sind unter anderem Studien, in denen lesbische, schwule, bisexuelle, trans* und intergeschlechtliche sowie weitere queere Menschen nach ihren Erfahrungen befragt werden. So veröffentlichte etwa die EU-Grundrechteagentur im Mai 2024 die Ergebnisse des dritten großen LGBTI-Survey. An der größten internationalen Umfrage unter LSBTIQ* nahmen auch etwa 17.000 Menschen aus Deutschland teil und berichteten über ihre Erfahrungen mit Coming-out, Diskriminierung und Gewalt. Wir haben die Ergebnisse an anderer Stelle übersetzt und veröffentlicht.

Aktuelle Studien zeigen insgesamt ein ambivalentes Bild der gesellschaftlichen Einstellungen gegenüber sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in Deutschland. So weist das Vielfaltsbarometer der Robert Bosch Stiftung (2025) darauf hin, dass die gesellschaftliche Akzeptanz unterschiedlicher sexueller Orientierungen im Vergleich zu 2019 insgesamt gesunken ist. Auch die Mitte-Studien der Friedrich-Ebert-Stiftung (2020/21, 2022/23, 2024/25) zeigen, dass zwar viele offen queerfeindliche Aussagen abgelehnt werden, gleichzeitig aber hetero-/sexistische Einstellungen (Verbindung von der Abwertung von homosexuellen und trans* Menschen mit traditionellem und modernem Sexismus gegen cis Frauen) in Teilen der Bevölkerung bestehen bleiben oder teilweise wieder zunehmen. Internationale Befragungen wie die Ipsos LGBT+ Pride Studie (2021–2025) zeigen dagegen weiterhin eine breite Unterstützung grundlegender Rechte wie Ehe, Adoption oder Schutz vor Diskriminierung. Gleichzeitig wird in mehreren Studien deutlich, dass die Zustimmung bei Themen rund um trans* Personen geringer ist. Insgesamt zeigen die aktuellen Studien damit, dass rechtliche Fortschritte und gesellschaftliche Akzeptanz zwar vorhanden sind, die Einstellungen in der Bevölkerung jedoch widersprüchlich und teilweise im Wandel sind.

Inhaltsverzeichnis

  1. Vielfaltsbarometer der Robert Bosch Stiftung - Vergleich 2019/2025 (Einstellungen zu LSBTTIQ*-Personen)
  2. Mitte Studie - Vergleich 2020/21+2022/23+2024/25 (Einstellungen zu LSBT*-Personen)
  3. Ipsos-LGBT+-Pride-Studie- Vergleich 2021+2023+2024+2025 (Einstellungen zu LSBT+-Personen)
  4. Leipziger Autoritarismus-Studie- Vergleich 2020+2022+2024 (Einstellungen zu LSBT-Personen)
  5. Eurobarometer der EU-Kommission 2019 (Einstellungen zu LSBTI*-Personen)
  6. Einstellungen gegenüber lesbischen, schwulen und bisexuellen Menschen in Deutschland – Studie von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes 2017 (Einstellungen zu LSB-Personen)

1. Vielfaltsbarometer der Robert Bosch Stiftung - Vergleich 2019/2025 (Einstellungen zu LSBTTIQ*-Personen)

Das Vielfaltsbarometer der Robert Bosch Stiftung in Kooperation mit der Constructor University Bremen ist eine repräsentative Befragung von fast 3.000 Personen (2019) und über 4.500 Personen (2025) zu Daten über die Einstellung der Menschen in Deutschland zu unterschiedlichen Aspekten wie „Lebensalter, Geschlecht, Behinderung, sexueller Orientierung, ethnischer Herkunft, Religion und sozioökonomischer Schwäche“.

Zwischen 2019 und 2025 zeigt das Vielfaltsbarometer der Robert Bosch Stiftung eine klare Verschlechterung des gesellschaftlichen Klimas gegenüber queeren Menschen, obwohl sich rechtliche Rahmenbedingungen und Sichtbarkeit weiterentwickelt haben (Arant et al., 2019; Arant et al., 2025).

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Während deutschlandweit die Akzeptanz unterschiedlicher sexueller Orientierungen 2019 mit 77 Punkten noch zu den am stärksten akzeptierten Vielfaltsdimensionen gehörte, sinkt sie 2025 auf 69 Punkte. Damit fällt sie im Ranking der sieben untersuchten Vielfaltsdimensionen von Platz zwei auf Platz vier zurück. Dabei zeigt sich, dass trans*, intergeschlechtliche und nicht-binäre (TIN*) Personen deutlich geringere Zustimmungswerte erfahren als lesbische, schwule, bisexuelle und weitere queere (LSBQ*) Menschen. Insbesondere die Aussage zur Transition von trans* Personen stoßen auf stärkere Vorbehalte als Aussagen zu gleichgeschlechtlichen Partnerschaften (Arant et al., 2019; Arant et al., 2025).

Bei der die Akzeptanz unterschiedlicher sexueller Orientierungen sind deutliche regionale Unterschiede festzustellen. Das Saarland steigt 2025 vom vierten auf den ersten Platz auf (76 Punkte), gefolgt vom früheren Spitzenreiter Schleswig-Holstein. Darauf folgen Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Brandenburg, sowie Hamburg und Sachsen-Anhalt. Knapp unter dem deutschlandweiten Mittel liegen die ostdeutschen Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Thüringen vor Hessen, Bremen und Bayern. Die südwestlichen Bundesländer Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg bilden gemeinsam mit Sachsen (65 Punkte) das Schlusslicht (Arant et al., 2019; Arant et al., 2025).

Vielfaltsdimension sexuelle Orientierung im Bundesländervergleich 2025 (Dimensionen können jeweils Werte von 0 (schwache Akzeptanz) bis 100 (starke Akzeptanz) annehmen. Bei den Werten handelt es sich um an Bevölkerungsanteilen gewichtete Mittelwerte:

vielfalstbarometer_2.jpg

Quellen: 
Arant, R., Dragolov, G., Boehnke, K., & Mirbach, F. (2025). Vielfaltsbarometer 2025 Zum Stand des Zusammenlebens in Deutschland. Robert Bosch Stiftung. Abgerufen am 16. Februar 2026 von vielfaltsbarometer2025-final.pdf.
Arant, R., Dragolov, G., Boehnke, K., Mirbach, F., & Seppälä, J. A. (2019). Zusammenhalt in Vielfalt: Das Vielfaltsbarometer 2019. Robert Bosch Stiftung. Abgerufen am 16. Februar 2026 von vielfaltsbarometer_2019_studie_zusammenhalt_in_vielfalt.pdf.

2. Mitte Studie - Vergleich 2020/21+2022/23+2024/25 (Einstellungen zu LSBT*-Personen)

Alle zwei Jahre untersucht die Mitte-Studie rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in der deutschen Gesellschaft. Seit 2014 werden die Mitte-Studien durch das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld umgesetzt und von der Friedrich-Ebert-Stiftung beauftragt und herausgegeben. Die Befragung erfolgte mithilfe computergestützter Telefoninterviews.

Folgend werden die Mitte Studien aus den Jahren 2020/21, 2022/23 und 2024/25 mit Fokus auf homosexuelle/trans* Personen (2020/21) und Hetero-/Sexismus (2022/23 und 2024/25) zusammengefasst und verglichen.

2.1. Die geforderte Mitte: Rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland 2020/21

Bei der Mitte-Studie 2020/21 wurden bei der Hälfte der Teilnehmenden die Einstellungen zu homosexuellen und trans* Menschen erhoben. Der Fokus der Einstellungsstudie liegt dabei auf der Messung klarer Vorurteilsaussagen über Gruppen. Das Forschungsteam selbst macht deutlich, dass Diskriminierungen, die Betroffene alltäglich erleben, oft deutlich subtiler sind als die plakativen Herabwürdigungen, deren Zustimmungswerte erhoben wurden.

Zustimmung zu den Aussagen der Facetten Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (hier Abwertung homosexueller Menschen, Abwertung von trans* Menschen, Antigenderismus; Angaben in Prozent) (Achour et al., 2021, S. 188-191):

Die Ergebnisse zeigen insgesamt, dass homo- und trans*feindliche Aussagen mehrheitlich abgelehnt werden. Besonders deutlich ist die Ablehnung bei der Aussage, Homosexualität sei „unmoralisch“, sowie bei der Behauptung, es sei „ekelhaft“, wenn sich homosexuelle Paare in der Öffentlichkeit küssen. Hier überwiegt die klare Zurückweisung der Aussage besonders stark. Auch das Statement, es sei „albern“, wenn jemand das Geschlecht wechseln möchte, wird überwiegend abgelehnt. Allerdings zeigt sich hier, ebenso wie bei der Forderung, trans* Personen sollten „nicht so auffallen“, etwas mehr Zustimmung als bei den zuvor genannten Aussagen zu Homosexualität. Am wenigsten eindeutig fällt die Ablehnung bei der Aussage aus, sexuelle Vielfalt verhindere eine „normale“ Entwicklung von Kindern. Auch hier überwiegt zwar die Ablehnung, jedoch ist die Zustimmung zu dieser Aussage höher als bei den anderen abgefragten Items.

Insgesamt lässt sich festhalten: Unter den Befragten bekommt Homosexualität von der Mehrheit Zustimmung. Bei Aussagen zu trans* Personen und insbesondere im Zusammenhang mit Kindern und sexueller Vielfalt sind hingegen vergleichsweise häufiger ablehnendere Einstellungen zu beobachten.

"Es ist ekelhaft, wenn Homosexuelle sich in der Öffentlichkeit küssen."

  • überhaupt nicht zutreffend: 59,7%
  • eher nicht zutreffend: 19,8%
  • teils/teils: 11,7%
  • eher zutreffend: 4,1%
  • trifft voll und ganz zu: 4,6%

"Homosexualität ist unmoralisch."

  • überhaupt nicht zutreffend: 69,1%
  • eher nicht zutreffend: 19,1%
  • teils/teils: 6,0%
  • eher zutreffend: 1,7%
  • trifft voll und ganz zu: 4,1%

"Ich finde es albern, wenn ein Mann lieber eine Frau sein will oder umgekehrt, eine Frau lieber ein Mann."

  • überhaupt nicht zutreffend: 57,8%
  • eher nicht zutreffend: 21,2%
  • teils/teils: 10,0%
  • eher zutreffend: 3,7%
  • trifft voll und ganz zu: 7,3%

"Transsexuelle und Transgender sollten versuchen, nicht so aufzufallen."

  • überhaupt nicht zutreffend: 52,7%
  • eher nicht zutreffend: 19,2%
  • teils/teils: 13,5%
  • eher zutreffend: 6,9%
  • trifft voll und ganz zu: 7,0%

"Das ganze Gerede von sexueller Vielfalt verhindert, dass Kinder sich normal entwickeln."

  • überhaupt nicht zutreffend: 37,0%
  • eher nicht zutreffend: 28,0%
  • teils/teils: 18,0%
  • eher zutreffend: 10,2%
  • trifft voll und ganz zu: 6,9%

Zustimmung zu den Facetten Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (Abwertung homosexueller Menschen und Abwertung von trans* Menschen) nach Soziodemografie, politischer Selbstverortung und Parteipräferenz:

Die folgende Abbildung der Mitte Studie 2020/21 zeigt die Zustimmungswerte zu gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit mit Fokus auf die Abwertung homosexueller und trans* Menschen, aufgeschlüsselt nach verschiedenen demografischen Merkmalen, politischer Selbstverortung und Parteipräferenz. Bei der Abwertung homosexueller Menschen zeigen sich deutlich höhere Zustimmungswerte bei Männern (8,9%) im Vergleich zu Frauen (5,6%) sowie bei älteren Personen über 61 Jahre (9,1%) und Menschen mit niedriger Bildung (14%). Politisch selbstverortete Personen, die sich als „eher rechts“ (12,9%) oder bei der Parteipräferenz der AfD (34,4%) verorten, weisen besonders hohe Zustimmungswerte zu LSB-feindlichen Aussagen auf, während Anhänger*innen von den Grünen geringere Ablehnung zeigen. Ähnlich, jedoch insgesamt höher fallen die Werte bei der Abwertung von trans* Menschen aus: Männer (16,9%) und ältere Personen über 61 Jahre (17,5%) zeigen hier die stärkste Ablehnung. Auch hier sind Menschen mit niedriger Bildung (17,5%) und geringerem Einkommen (18,6%) sowie AfD-Wähler*innen (36%) besonders stark vertreten. Die Daten verdeutlichen eine klare Verbindung zwischen sozio-demografischen Faktoren, politischer Orientierung und der Ausprägung gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. (Achour, et al., 2021, S. 197, 202, Anhang VIII, IX, X, XII)

mitte1.jpg

Quelle:
Achour, S., Berghan, W., Delto, H., Häusler, A., Krott, N. R., Küpper, B., Reusswig. (2021). Die geforderte Mitte Rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland 2020/21. (A. K. Zick, Hrsg.) Verlag J. H. W. Dietz Nachf. GmbH. Abgerufen am 17. Februar 2026_2021__die_geforderte_mitte__plus_online-anhang_.pdf.

2.2. Die distanzierte Mitte: Rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland 2022/23

In der Mitte-Studie 2022/23 wird Hetero-/Sexismus erstmals als gemeinsame Dimension erfasst, was die Abwertung von homosexuellen und trans* Menschen mit traditionellem und modernem Sexismus gegen cis Frauen verbindet. Hetero-/Sexismus fungiert dabei als zentrale „Brückenideologie“, die unterschiedliche Ungleichwertigkeitsvorstellungen verbindet und bis weit in die gesellschaftliche Mitte hineinwirkt. Es basiert auf einem heteronormativen, binären Geschlechterverständnis, das von nur zwei Geschlechtern ausgeht und Heterosexualität sowie Cis-Geschlechtlichkeit als Norm setzt. Abweichungen davon, etwa Homosexualität oder Trans*geschlechtlichkeit, werden als unnormal markiert und abgewertet (Achour et al., 2023, S. 157-158).

Ablehnung bzw. Zustimmung zu den Aussagen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit 2022/23 (hier Hetero-/Sexismus) (Achour et al., 2023, S. 160-161): 

Die Ergebnisse der Mitte-Studie 2022/23 zeigen einen deutlichen Anstieg gegenüber 2020/21. Besonders die Abwertung von trans* Menschen nimmt zu: 16,8 Prozent positionieren sich mit „teils/teils“, 16,8 Prozent stimmen eher oder voll zu, dass es „albern“ sei, wenn Menschen ihr Geschlecht “wechseln wollen”. Auch die Zustimmung zu Ekelreaktionen gegenüber homosexuellen Paaren ist deutlich angestiegen. Auffällig ist zudem der wachsende Anteil ambivalenter Antworten („teils/teils“), was auf eine zunehmende Normalisierung oder Unsicherheit gegenüber hetero-/sexistischen Einstellungen hindeutet. (Achour, et al., 2023, S. 157-165)

„Es ist ekelhaft, wenn Homosexuelle sich in der Öffentlichkeit küssen.“

  • überhaupt nicht zutreffend: 56.3%
  • eher nicht zutreffend: 12,7%
  • teils/teils:  14,8%
  • eher zutreffend: 8,3%
  • trifft voll und ganz zu: 7,9%

„Ich finde es albern, wenn ein Mann lieber eine Frau sein will oder umgekehrt, eine Frau lieber ein Mann.“

  • überhaupt nicht zutreffend: 50,8%
  • eher nicht zutreffend: 15,7%
  • teils/teils:  16,8%
  • eher zutreffend: 7,5%
  • trifft voll und ganz zu: 9,3%

Zustimmung zu Hetero-/Sexismus nach politischer Selbstverortung und Parteipräferenz 2022/23 (hier Hetero-/Sexismus):

2022/23 ist bei der politischen Selbstverortung die Zustimmung zu Hetero-/Sexismus am höchsten bei Personen, die sich „eher rechts/rechts“ sehen (30,7%), gefolgt von denen „genau in der Mitte“ (9,4%) und „eher links/links“ (7,6%). Bei der Parteipräferenz liegt die AfD mit 30,1 Prozent und die FDP mit 25,5 Prozent an der Spitze der Zustimmungswerte zu Hetero-/Sexismus, während die Grünen mit 3,6 Prozent am niedrigsten sind. CDU/CSU und Die Linke liegen jeweils bei 11,6 Prozent, die SPD bei 10,3 Prozent und Nichtwähler*innen bei 10,1 Prozent (Achour et al., 2023, S. 173). 2022/23 zeigt sich im Vergleich zu 2020/21 eine Verbesserung der negativen Einstellungen. AfD-Anhänger*innen lagen 2020/21 bei 34,4 Prozent (Abwertung homosexueller Menschen) bzw. 36 Prozent (Abwertung von trans* Menschen) und 2022/23 bei 30,1 Prozent. Linke und Grüne bleiben niedrig.

Quelle:
Achour, S., Albert, M., Delto, H., Faulbaum, F., Groß, E., Hellmann, J., Rees, J. (2023). Die distanzierte Mitte Rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland 2022/23. (A. K. Zick, Hrsg.) Verlag J. H. W. Dietz Nachf. GmbH. Abgerufen am 17. Februar 2026 von _2023__fes-mitte-studie_die_distanzierte_mitte_neu1.pdf.

2.3. Die angespannte Mitte: Rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland 2024/25

In der Mitte-Studie 2024/25 zeigt sich beim Hetero-/Sexismus erneut ein Anstieg der Zustimmung. Entgegen dem langfristigen Trend zu egalitäreren Einstellungen nehmen sexuelle und geschlechtsbezogene Vorurteile wieder zu. Besonders stark verbreitet ist die Abwertung von trans* Menschen, die mit 19 Prozent einen neuen Höchststand erreicht. Weitere 18 Prozent stimmen dem teilweise zu. Die Zustimmung zu Ekelreaktionen gegenüber homosexuellen Paaren in der Öffentlichkeit ist mit zwölf Prozent leicht rückläufig. Insgesamt stimmen rund elf Prozent der Bevölkerung allen erfassten hetero-/sexistischen Aussagen zu, weitere 18 Prozent bewegen sich im Graubereich. (Achour et al., 2025, S. 140)

Ablehnung bzw. Zustimmung zu den Aussagen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit 2024/25 (hier Hetero-/Sexismus) (Achour et al., 2025, S. 132-133):

„Es ist ekelhaft, wenn Homosexuelle sich in der Öffentlichkeit küssen.“

  • überhaupt nicht zutreffend: 57,8%
  • eher nicht zutreffend: 17,0%
  • teils/teils: 13,6%
  • eher zutreffend: 3,6%
  • trifft voll und ganz zu: 8,0%

„Ich finde es albern, wenn ein Mann lieber eine Frau sein will oder umgekehrt, eine Frau lieber ein Mann.“

  • überhaupt nicht zutreffend: 44,7%
  • eher nicht zutreffend: 18,4%
  • teils/teils: 17,6%
  • eher zutreffend: 6,2%
  • trifft voll und ganz zu: 13,1%

Zustimmung zu Hetero-/Sexismus nach politischer Selbstverortung und Parteipräferenz 2024/25:

Im Zeitraum 2024/25 zeigen sich bei der Zustimmung zu Hetero-/Sexismus mit Fokus auf die politische Selbstverortung klare Unterschiede entlang des Links-Rechts-Spektrums: Der Anteil der Personen, die sich als „rechts“ (32,9%) oder „eher rechts“ (22,4%) einstufen und hetero-/sexistische Einstellungen haben, ist hoch und liegt noch über den Werten von 2022/23 („eher rechts/rechts“ 30,7%). Die Gruppe „genau in der Mitte“ ist mit 10,9 Prozent ähnlich geblieben, während der Anteil „links“ und „eher links“ mit zusammen nur 2,7 Prozent deutlich niedriger ausfällt als 2022/23 (7,6%).

Die Unterschiede in der Parteipräferenz wurden an der Frage, welche Partei die Befragten zum Zeitpunkt der Befragung bei einer Bundestagswahl gewählt hätten, gemessen. Bei der Parteipräferenz zeigt sich ein ähnliches Muster wie bei der politischen Einstellung. Die CDU/CSU hat mit 15,0 Prozent einen höheren Wert bei der Zustimmung zu Hetero-/Sexismus hat als 2022/23 (11,6%), während die AfD leicht zurückgeht (2022/23: 30,1%; 2024/25: 27,4%). Die FDP verzeichnet einen deutlichen Rückgang auf 4,5 Prozent (2022/23: 25,5%), ebenso wie die SPD (2022/23: 10,3%; 2024/25: 7,5%). Die Grünen und Die Linke liegen mit 1,0 bzw. 0,6 Prozent deutlich unter ihren früheren Werten (Die Grünen 2022/23: 3,6%; Die Linke 2022/23: 11,6%), das heißt der Anteil an Personen mit hetero-/sexistischen Einstellungen, die die beiden Parteien wählen, ist zurück gegangen. Neu dabei ist BSW mit 4,7 Prozent Zustimmung zu hetero-/sexistischen Einstellungen. Nichtwähler*innen stimmen mit 8,9 Prozent etwas weniger zu Hetero-/Sexismus zu als 2022/23 (10,1%). Insgesamt zeigt der Vergleich eine stärkere Rechtsverschiebung bei der Zustimmung zu Hetero-/Sexismus in der politischen Selbstverortung und einen deutlichen Unterschied bei den Parteipräferenzen. (Achour et al., 2025, S. 146-148)

Vergleich der Zustimmung zu den Facetten Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (2022/23 und 2024/25: Hetero-/Sexismus) nach Soziodemografie (Angaben in gültigen Prozent):

Im Vergleich der Jahre 2022/23 und 2024/25 zeigen sich deutliche Verschiebungen zwischen den nach Soziodemografie aufgeteilten Bevölkerungsgruppen. Besonders auffällig ist der Anstieg an Zustimmungswerten zu hetero-/sexistischen Zustimmungen bei den Männern (2022/23: 16,6%; 2024/25: 18,2%), während der Anteil bei den Frauen deutlich zurückgeht (2022/23: 8,1%; 2024/25: 3,4%). Auch altersbezogen verändern sich die Werte stark: Während die 18–34-Jährigen einen erheblichen Rückgang verzeichnen (2022/23: 19,4%; 2024/25: 6,6%), steigt der Anteil bei den über 65-Jährigen deutlich an (2022/23: 6,2%; 2024/25: 11,5%). In der mittleren Altersgruppe bleibt der Wert weitgehend stabil.

Nach Bildungsgrad zeigt sich ein leichter Anstieg der Zustimmung zu hetero/-sexistischen Einstellungen bei niedriger und mittlerer Schulbildung, während Personen mit hoher Schulbildung einen deutlichen Rückgang aufweisen. Beim Einkommen nehmen die Zustimmungswerte bei einkommensschwächeren Personen zu, wohingegen die Einkommensmitte und einkommensstärkere Gruppen sinkende Anteile verzeichnen. Regional ist ein leichter Rückgang in den östlichen Bundesländern zu erkennen, während die Einstellungen in den anderen Bundesländern relativ stabil bleiben. Insgesamt wird deutlich, dass sich die Verteilung der Zustimmung zu hetero-/sexistischen Aussagen im Zeitverlauf stärker in Richtung älterer sowie einkommensschwächerer Gruppen verschiebt. (Achour et al., 2023, S. 170-171; Achour et al., 2025, S. 142)

mitte2.jpg

Quellen:
Achour, S., Ackermann, K., Birsl, U., Eden, M., Groß, E., Höppner, A., Sandal-Önal, E. (2025). Die angespannte Mitte Rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland 2024/25. (A. K. Zick, Hrsg.) Verlag J. H. W. Dietz Nachf. GmbH. Abgerufen am 17. Februar 2026 von fes_mitte-studie_2024-25_die_angespannte_mitte-1.pdf.
Achour, S., Albert, M., Delto, H., Faulbaum, F., Groß, E., Hellmann, J., Rees, J. (2023). Die distanzierte Mitte Rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland 2022/23. (A. K. Zick, Hrsg.) Verlag J. H. W. Dietz Nachf. GmbH. Abgerufen am 17. Februar 2026 von _2023__fes-mitte-studie_die_distanzierte_mitte_neu1.pdf.
Achour, S., Berghan, W., Delto, H., Häusler, A., Krott, N. R., Küpper, B., Reusswig. (2021). Die geforderte Mitte Rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland 2020/21. (A. K. Zick, Hrsg.) Verlag J. H. W. Dietz Nachf. GmbH. Abgerufen am 17. Februar 2026 von _2021__die_geforderte_mitte__plus_online-anhang_.pdf.

3. Ipsos-LGBT+-Pride-Studie- Vergleich 2021+2023+2024+2025 (Einstellungen zu LSBT+-Personen)

Mit der internationalen Ipsos LGBT+ Pride Studie veröffentlicht das Meinungsforschungsinstitut Ipsos umfassende Daten zur gesellschaftlichen Einstellung gegenüber lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* und nicht-binären Menschen weltweit. Die Studie erhebt Einstellungen zu sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität, rechtlicher Gleichstellung, gesellschaftlicher Sichtbarkeit sowie persönlichem Kontakt mit LGBT+-Personen in zahlreichen Ländern. Im internationalen Vergleich beschreiben jüngere Menschen ihre sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität insgesamt häufiger als vielfältig als ältere Generationen.

Im Folgenden werden die Studienaus den Jahren 2021,2023,2024,2025 zusammengefasst und verglichen.

3.1. LGBT+ PRIDE 2021 GLOBAL SURVEY

Die LGBT+ Pride 2021 Global Survey basiert auf Befragungen in 27 Ländern. In Deutschland geben drei Prozent der Befragten an, sich als trans*/ nicht-binär/ non-conforming/ gender-fluid zu identifizieren (Durchschnitt der 27 Staaten: 1%). Beim Thema sexuelle Orientierung liegt der Anteil derjenigen, die sich als lesbisch oder schwul bezeichnen, bei sechs Prozent. Weitere fünf Prozent identifizieren sich als bisexuell, ein Prozent pansexuell, ein Prozent asexuell, ein Prozent anders. Insgesamt fühlen sich elf Prozent ausschließlich, überwiegend oder gleichermaßen zum gleichen Geschlecht hingezogen (Ipsos, 2021).

Bei der rechtlichen Gleichstellung zeigt sich eine klare Mehrheit: 68 Prozent der Befragten in Deutschland unterstützen die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare, weitere 13 Prozent befürworten zumindest eine andere Form rechtlicher Anerkennung. Damit sprechen sich insgesamt 81 Prozent für eine rechtliche Anerkennung aus. Auch gleiche Adoptionsrechte für queere Paare finden breite Zustimmung: 69 Prozent sind der Ansicht, dass gleichgeschlechtliche Paare die gleichen Rechte zur Adoption haben sollten wie heterosexuelle Paare. 70 Prozent finden (eher), dass gleichgeschlechtliche Paare genauso gute Eltern sein können wie heterosexuelle Paare (Ipsos, 2021).

Darüber hinaus unterstützen 50 Prozent Antidiskriminierungsgesetze zum Schutz von LGBT-Personen im Arbeitsleben, im Bildungsbereich und beim Zugang zu Wohnraum. 42 Prozent befürworten, dass Unternehmen und Marken aktiv Gleichstellung fördern. Zudem unterstützen 34 Prozent (eher) mehr LGBT-Personen in Fernsehen, Kino oder Werbung zu sehen (Ipsos, 2021).

Bei Fragen der gesellschaftlichen Sichtbarkeit ist die Zustimmung unterschiedlicher: 46 Prozent unterstützen, dass LGBT-Personen offen mit ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität umgehen können. 39 Prozent befürworten öffentliche Zuneigungsbekundungen gleichgeschlechtlicher Paare. Die Unterstützung für offen lesbische, schwule oder bisexuelle Personen im Sport liegt bei 47 Prozent. Sehr unterschiedlich wird die Frage der Teilhabe von trans* Menschen im Sport entsprechend ihrer Geschlechtsidentität beantwortet. Hier liegt die Zustimmung auch in Deutschland nur bei 32 Prozent (Ipsos, 2021).

Quelle:
Ipsos. (2021). LGBT+ Pride 2021 global survey: A 27-country Ipsos Survey. Abgerufen am 24. März 2026 von_2021__die_geforderte_mitte__plus_online-anhang_.pdf.

3.2. LGBT+ PRIDE 2023

Die LGBT+ Pride 2023 Global Survey basiert auf Befragungen in 30 Ländern mit insgesamt über 22.000 Teilnehmenden. In Deutschland bewegt sich der Anteil derjenigen, die sich als lesbisch/schwul/homosexuell (3%), bisexuell (4%), pansexuell/omnisexuell (1%), asexuell (1%) auf einem ähnlichen Niveau wie 2021. Auch der Anteil der Menschen, die sich als trans*/ nicht-binär/ non-conforming/ gender-fluid/ anders als diese und “anders als männlich oder weiblich” (4%) beschreiben, bleibt im niedrigen einstelligen Prozentbereich und liegt weiterhin über dem internationalen Durchschnitt (3%) (Ipsos, 2023).

Bei der rechtlichen Gleichstellung zeigt sich 2023 eine stabile Mehrheit: In Deutschland unterstützen 62 Prozent (2021: 68%) die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare und zwölf Prozent (2021: 13%) befürworten zumindest eine andere Form rechtlicher Anerkennung. Somit sinkt die Zustimmung etwas im Vergleich zu 2021.  Gleiche Adoptionsrechte für gleichgeschlechtliche Paare werden weiterhin mit 67 Prozent mehrheitlich unterstützt und 68 Prozent der Befragten finden (eher), dass gleichgeschlechtliche Paare genauso gute Eltern sein können wie heterosexuelle Paare (Ipsos, 2021; Ipsos, 2023).

2023 liegt der Fokus zudem auf der Einstellung zu trans* Personen. In Deutschland gibt es dazu unterschiedliche Einstellung. 47 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass trans* Menschen in Deutschland viel oder zumindest etwas Diskriminierung erfahren, während 34 Prozent glauben, dass sie wenig Diskriminierung erleben und 19 Prozent unsicher sind. Gleichzeitig unterstützen 68 Prozent der Befragten den Schutz von trans* Personen vor Diskriminierung, etwa im Arbeitsleben, beim Zugang zu Wohnraum oder Zugang zu Unternehmen wie Restaurants und Geschäften. Bei konkreten politischen Maßnahmen fällt die Zustimmung unterschiedlich aus: 56 Prozent befürworten, dass trans* Jugendliche mit Zustimmung der Eltern Zugang zu geschlechtsangleichender medizinischer Versorgung erhalten, 57 Prozent unterstützen die Nutzung geschlechtergetrennter Einrichtungen (wie Toiletten) entsprechend der Geschlechtsidentität, und 53 Prozent sprechen sich dafür aus, dass offizielle Dokumente wie Reisepässe eine Geschlechtsoption neben „männlich“ und „weiblich“ enthalten sollten. Zudem sind 50 Prozent der Meinung, dass Krankenversicherungen die Kosten einer Transition genauso übernehmen sollten wie andere medizinische Behandlungen (Ipsos, 2023).

Quelle:
Ipsos. (2023). LGBT+ Pride 2023: A 30-Country Ipsos Global Advisor Survey. Abgerufen am 24. März 2026 von _2023__fes-mitte-studie_die_distanzierte_mitte_neu1.pdf.

3.3. LGBT+ PRIDE 2024

Die LGBT+ Pride 2024 Global Survey basiert auf Befragungen in 26 Ländern. Bei der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität zeigt sich auch 2024 eine gewisse Vielfalt. In Deutschland identifizieren sich zwölf Prozent der Befragten als Teil der LGBT+-Community (lesbisch/schwul/homosexuell, bisexuell, pansexuell/omnisexuell, asexuell oder als trans*, nicht-binär/gender non-conforming/gender-fluid, “anders als männlich oder weiblich”). Damit liegt Deutschland leicht über dem internationalen Durchschnitt von elf Prozent (Ipsos, 2024).

Eine klare Mehrheit der Deutschen spricht sich gegen die Diskriminierung der queeren Community und für gleiche Rechte aus. Vor allem bei jungen Männern nehmen queerfeindliche Ansichten aber auch in Deutschland eher zu (Ipsos, 2024).

Bei der rechtlichen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare steigt die Zustimmung im Vergleich zu 2023 und 2021 etwas an. In Deutschland sprechen sich 71 Prozent (Durchschnitt der untersuchten Länder: 55%) der Befragten dafür aus, dass gleichgeschlechtliche Paare legal heiraten dürfen sollten und zehn Prozent (Durchschnitt der untersuchten Länder: 16%) sind der Meinung, dass sie zumindest eine rechtliche Anerkennung ihrer Beziehung erhalten können. Damit liegt Deutschland über dem Durchschnitt der untersuchten Länder. Gleiche Adoptionsrechte für gleichgeschlechtliche Paare werden mit 73 Prozent mehrheitlich unterstützt und 74 Prozent der Befragten finden, dass gleichgeschlechtliche Paare genauso gute Eltern sein können wie heterosexuelle Paare (Ipsos, 2024).

Auch beim Schutz vor Diskriminierung besteht eine mehrheitliche Unterstützung. 73 Prozent der Befragten in Deutschland unterstützen den Schutz vor Diskriminierung von LGB-Personen etwa im Arbeitsleben, im Bildungsbereich, beim Zugang zu Wohnraum oder zu Unternehmen wie Restaurants und Geschäften, während 35 Prozent dies ablehnen. Hingegen Gesetze, die Diskriminierung von LGBT-Personen in Bezug auf Beschäftigung, Zugang zu Bildung, Wohnraum und Sozialleistungen usw. verbieten werden nur von 47 Prozent befürwortet (Ipsos, 2024).

Bei der Wahrnehmung von Diskriminierung gegenüber trans* Personen sind 50 Prozent der Befragten in Deutschland der Ansicht, dass trans* Menschen viel oder zumindest etwas Diskriminierung erfahren, während 32 Prozent davon ausgeht, dass sie wenig oder keine Diskriminierung erleben. Gleichzeitig zeigt sich eine breite Unterstützung für Schutzmaßnahmen: 70 Prozent (2023: 68%) der Befragten stimmen zu, dass trans* Menschen vor Diskriminierung im Arbeitsleben, im Wohnungsmarkt oder beim Zugang zu Dienstleistungen geschützt werden sollten. 59 Prozent und somit zwei Prozentpunkte mehr als 2023 unterstützen die Nutzung geschlechtergetrennter Einrichtungen (wie Toiletten) entsprechend der Geschlechtsidentität. Die Zustimmung zum Zugang zu geschlechtsbestätigender Betreuung für Jugendliche ist von 56 Prozent 2023 auf 55 Prozent 2024 gesunken. Während 2023 sich noch 53 Prozent der Befragten für die Möglichkeit einer Geschlechtsoption neben „männlich“ und „weiblich“ von offiziellen Dokumenten wie Reisepässe aussprachen, sind es 2024 nur noch 50 Prozent. Zudem sind 48 Prozent der Meinung, dass Krankenversicherungen die Kosten medizinischer geschlechtsaffirmativer Maßnahmen genauso übernehmen sollten wie andere medizinische Behandlungen, dies sind zwei Prozentpunkte weniger als 2023. 2024 wurde auch nach der Meinung der Teilnahme von trans* Athlet*innen, die basierend auf ihrer Geschlechtsidentität statt dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht, antreten. Diese Aussage wird nur von 31 Prozent der Befragten in Deutschland unterstützt (Ipsos, 2023; Ipsos, 2024).

Neben Frankreich und Polen gehört Deutschland damit zu den wenigen Ländern, in denen sich die Akzeptanz queerer Lebensweisen in den letzten drei Jahren in mehreren Bereichen leicht positiv entwickelt hat. Sobald es um konkrete Maßnahmen geht, reagieren viele Bundesbürger*innen allerdings nach wie vor verhalten. Lediglich 29 Prozent haben sich beispielsweise schon mal aktiv gegen eine Person ausgesprochen, die Vorurteile gegenüber queeren Menschen hatte (Ipsos, 2024).

Quelle:
Ipsos. (2024). LGBT+ Pride 2024: A 26-Country Ipsos Global Advisor Survey. Abgerufen am 24. März 2026 von pride_report_final_0.pdf.

3.4. IPSOS LGBT+ PRIDE REPORT 2025

Die LGBT+ Pride 2025 Global Survey basiert auf Befragungen in 26 Ländern. In Deutschland geben rund zwölf Prozent der Befragten an, Teil der LGBT+-Community zu sein, als lesbisch/ schwul/ homosexuell, bisexuell, pansexuell/ omnisexuell, asexuell, trans*/ nicht-binär/ gender-nonkonform/ gender-fluid oder “anders als männlich oder weiblich”. Damit bewegt sich Deutschland weiterhin leicht über dem internationalen Durchschnitt (Ipsos, 2025).

Für Deutschland ergibt sich insgesamt ein Bild stabiler, teilweise sogar leicht gestiegener Unterstützung für die Rechte von LGBT+-Personen, auch wenn die Einstellung zu einzelnen Themen weiterhin unterschiedlich ist (Ipsos, 2025).

Beim Schutz vor Diskriminierung bleibt die Zustimmung in Deutschland hoch. 78 Prozent der Befragten stimmen zu, dass lesbische, schwule und bisexuelle Menschen vor Diskriminierung im Arbeitsleben, beim Zugang zu Wohnraum oder zu Dienstleistungen geschützt werden sollten. Auch für trans* Personen sprechen sich 75 Prozent für einen solchen Schutz aus. Damit liegt Deutschland weiterhin über dem globalen Durchschnitt. Geht es um konkrete gesetzliche Maßnahmen, fällt die Zustimmung etwas zurückhaltender aus. 49 Prozent der Befragten unterstützen Gesetze, die Diskriminierung von LGBT-Personen verbieten, während 18 Prozent sich dagegen aussprechen (Ipsos, 2025).

Bei der rechtlichen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare bleibt die Zustimmung weiterhin deutlich. 71 Prozent der Befragten in Deutschland sind dafür, dass homosexuelle Paare legal heiraten dürfen, während nur etwa zehn Prozent jede Form der rechtlichen Anerkennung ablehnen. Auch bei der Adoption von Kindern zeigt sich eine klare Mehrheit: 74 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass gleichgeschlechtliche Paare die gleichen Adoptionsrechte haben sollten wie heterosexuelle Paare, während weniger als ein Fünftel diese Position ablehnt. Einen leichten Anstieg im Vergleich zu 2024 gab es bei der Zustimmung zu der Aussage, dass gleichgeschlechtliche Paare genauso gute Eltern sein können wie heterosexuelle Paare; 77 Prozent der Befragten stimmen dem zu (Ipsos, 2024; Ipsos, 2025).

55 Prozent der Befragten in Deutschland sind der Ansicht, dass trans* Menschen viel oder zumindest etwas Diskriminierung erfahren, fünf Prozentpunkte mehr als 2024, während 29 Prozent davon ausgehen, dass sie wenig oder keine Diskriminierung erleben. Wie schon in den Vorjahren bleibt die Anerkennung von trans* Personen unterschiedlich stark ausgeprägt. Besonders deutlich zeigt sich dies bei der Frage nach der Teilnahme von trans* Personen im Leistungssport entsprechend ihrer Geschlechtsidentität. Nur etwa 25 Prozent, sechs Prozentpunkte weniger als noch 2024, der Befragten unterstützen dies, während 39 Prozent dagegen sind. Damit liegt die Zustimmung deutlich unter der Unterstützung für andere Gleichstellungsfragen, welche sich in den letzten Jahren nur wenig verändert haben: Nutzung geschlechtergetrennter Einrichtungen nach Geschlechtsidentität (57%), Zugang zu geschlechtsbestätigender Betreuung für Jugendliche (54%), eine zusätzliche Geschlechtsoption in offiziellen Dokumenten (52%) sowie die Kostenübernahme von geschlechtsangleichenden Behandlungen durch Krankenversicherungen (49%) (Ipsos, 2024; Ipsos, 2025).

Neu untersucht wurde 2025 außerdem die Einstellung zu LGBT+-Initiativen am Arbeitsplatz. In Deutschland befürworten 38 Prozent der Befragten Programme oder Maßnahmen von Arbeitgeber*innen zur Unterstützung und Sichtbarkeit von LGBT+-Mitarbeitenden, während 19 Prozent diese ablehnen. Der größte Teil der Befragten (43%) äußert jedoch eine neutrale Haltung. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass gesellschaftliche Zustimmung zu Gleichstellung zwar verbreitet ist, konkrete Maßnahmen im Unternehmenskontext jedoch noch nicht normalisiert sind (Ipsos, 2025).

Im Vergleich zu den vorherigen Studienjahren (2021, 2023 und 2024) zeigt sich damit insgesamt eine relativ stabile Entwicklung der Einstellungen in Deutschland. Während die Unterstützung für grundlegende Rechte wie Ehe, Adoption oder Schutz vor Diskriminierung weiterhin hoch bleibt oder teilweise leicht steigt, bleibt die Zustimmung zu spezifischen politischen Maßnahmen oder Themen um trans* Personen weiterhin differenziert. Insgesamt gehört Deutschland damit weiterhin zu den Ländern mit vergleichsweise hoher gesellschaftlicher Akzeptanz gegenüber LGBT+-Personen (Ipsos, 2025).

Quellen:
Ipsos. (2025). Ipsos LGBT+ Pride Report 2025: A 26-Country Ipsos Global Advisor Survey. Abgerufen am 24. März 2026 von ipsos-pride-report-2025.pdf
Ipsos. (2024). LGBT+ Pride 2024: A 26-Country Ipsos Global Advisor Survey. Abgerufen am 24. März 2026 von pride_report_final_0.pdf
Ipsos. (2023). LGBT+ Pride 2023: A 30-Country Ipsos Global Advisor Survey. Abgerufen am 24. März 2026 von ipsos_lgbt+_pride_2023_global_survey_report_-_rev.pdf
Ipsos. (2021). LGBT+ Pride 2021 global survey: A 27-country Ipsos Survey. Abgerufen am 24. März 2026 von lgbt_pride_2021_global_survey_report_3.pdf

4. Leipziger Autoritarismus-Studie- Vergleich 2020+2022+2024 (Einstellungen zu LSBT-Personen)

Die Leipziger Studien zu autoritären und rechtsextremen Einstellungen in Deutschland werden seit 2002 alle zwei Jahre von einer Arbeitsgruppe um Oliver Decker und Elmar Brähler der Universität Leipzig durchgeführt.

4.1. Leipziger Autoritarismus-Studie 2020

Die extreme Rechte hat sich stark radikalisiert und findet mittels Antisemitismus, Verschwörungsmythen und Antifeminismus Anschluss an die gesellschaftliche Mitte. Die Leipziger Autoritarismus-Studie 2020 beschreibt die politische Situation in Deutschland und analysiert ihre Ursachen. Die Studie von 2020 basiert auf einer repräsentativen Erhebung mit 2.503 Befragten (Decker & Brähler, 2020, S. 27).

2020 wurde erstmals Fragen zur Einstellung gegenüber Homosexualität in die Untersuchung aufgenommen. Dazu wurden zwei zustimmend und zwei ablehnend formulierte Aussagen verwendet. Die große Mehrheit der Befragten (78,6%) betrachtet Homosexualität als etwas “völlig Normales”. Die Möglichkeit für gleichgeschlechtliche Paare, Kinder zu adoptieren, findet breite Zustimmung, in den östlichen Bundesländern mit 75,1 Prozent etwas häufiger als in den anderen Bundesländern (72,4%) (Decker & Brähler, 2020, S. 66-67).

Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse weiterhin bestehende Vorbehalte: Mehr als ein Drittel empfindet es als „unangenehm oder abstoßend“, wenn sich homosexuelle Paare küssen. Obwohl Homosexualität bereits seit fast 30 Jahren nicht mehr als Krankheit im internationalen Diagnosesystem geführt wird und sogenannte Konversionstherapien in Deutschland seit 2020 verboten sind, sehen rund zehn Prozent der Befragten Homosexualität noch immer als „Krankheit, die heilbar sei“, an (Decker & Brähler, 2020, S. 66-67).

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Quelle: 
Decker, O., & Brähler, E. (Hrsg.). (2020). Autoritäre Dynamiken: Alte Ressentiments – neue Radikalität. Leipziger Autoritarismus Studie 2020 (Forschung Psychosozial). Gießen: Psychosozial‑Verlag. Abgerufen am 25. Februar 2026 von decker-braehler-2020-autoritaere-dynamiken-leipziger-autoritarismus-studie_korr.pdf

4.2. Leipziger Autoritarismus-Studie 2022

Die Leipziger Autoritarismus-Studie 2022 zeigt, wie eng antifeministische Einstellungen mit Queerfeindlichkeit und autoritärem Denken zusammenhängen.

2020 wurde erstmals die Einstellung zu Homosexualität erfasst. Während die Mehrheit Homosexualität als „völlig normal“ bewertet, zeigten sich weiterhin relevante Vorbehalte (Decker & Brähler, 2020, S. 66-67). 2022 verschiebt sich der Fokus. Statt nur einzelne Vorurteile zu erfassen, untersucht die Studie systematisch Antifeminismus und Sexismus (Decker et al., 2022, S. 252). Dabei zeigt sich: Antifeministische Einstellungen nehmen zu, von 19 Prozent im Jahr 2020 auf 25 Prozent im Jahr 2022 (Decker et al., 2022, S. 252). Besonders wichtig: Antifeminismus steht in engem Zusammenhang mit Homo- und auch mit Trans*feindlichkeit (Decker et al., 2022, S. 254). Das bedeutet: Wer antifeministische Positionen vertritt, äußert häufiger auch ablehnende Einstellungen gegenüber sexueller und geschlechtlicher Vielfalt.

Die Studie macht außerdem deutlich, dass Antifeminismus eng mit rechtsextremen Einstellungen, Verschwörungsdenken und dem Wunsch nach gesellschaftlicher Dominanz verbunden ist (Decker et al., 2022, S. 256). Queerfeindlichkeit erscheint damit nicht als isoliertes Vorurteil, sondern als Teil eines autoritären Weltbildes. Klar ist: Ablehnung von Gleichstellung und Vielfalt ist kein Randphänomen, sondern ideologisch eingebunden und politisch anschlussfähig.

Quelle:
Decker, O., Kiess, J., Heller, A. & Brähler, E. (2022). Autoritäre Dynamiken in unsicheren Zeiten: Neue Herausforderungen – alte Reaktionen? Leipziger Autoritarismus Studie 2022 (Forschung Psychosozial). Gießen: Psychosozial‑Verlag. Abgerufen am 25. Februar 2026 von decker-kiess-heller-braehler-2022-leipziger-autoritarismus-studie-autoritaere-dynamiken-in-unsicheren-zeiten_0.pdf

4.3. Leipziger Autoritarismus-Studie 2024

Antifeministische, sexistische und trans*feindliche Einstellungen sind in der Gesellschaft weit verbreitet. Besonders stark ausgeprägt sind sie jedoch am rechten Rand des politischen Spektrums, wo Feminist*innen und trans* Personen zunehmend als zentrale Gegner dargestellt werden, ein Ausdruck strategischer Abwertung und Ausgrenzung (Decker et al., 2024, S. 8).

In Bezug auf Antifeminismus, also die Ablehnung von Bestrebungen zur Gleichstellung der Geschlechter, ist 2024 in den ostdeutschen Bundesländern die Zustimmung deutlich höher als in den westdeutschen Bundesländern. Während in den westdeutschen Bundesländern die Akzeptanz gegenüber antifeministischen Positionen im Vergleich zu 2022 leicht zurückging, bleibt sie in ostdeutschen Bundesländern auf hohem Niveau oder steigt sogar: Gaben 2022 noch 20,8 Prozent der Befragten in den ostdeutschen Bundesländern an, Frauen würden sich „in der Politik häufig lächerlich machen“, ist dieser Anteil 2024 auf über ein Drittel gestiegen (34,9%). Antifeministische Haltungen stehen dabei in enger Verbindung mit anderen Formen der Ungleichwertigkeit, etwa Rassismus sowie Homo- und Trans*feindlichkeit (Decker et al., 2024, S. 69).

2024 wurden zudem erstmals Einstellungen gegenüber trans* Personen anhand von drei Aussagen untersucht. Auch hier zeigt sich in den ostdeutschen Bundesländern eine besonders hohe Zustimmung: Mehr als die Hälfte der Befragten hält trans* Personen vor, „so einen Wirbel um ihre Sexualität“ zu machen, empfindet gesellschaftliche Toleranz gegenüber ihnen als „übertrieben“ oder meint, sie stellten „zu viele Forderungen“. In den westdeutschen Bundesländern ist die Zustimmung zwar geringer, dennoch lehnt die Mehrheit die Aussagen nicht ausdrücklich ab. Besonders deutlich wird die Ablehnung, wenn es um die Unsicherheit oder Unklarheit der Geschlechtsidentität geht (Decker et al., 2024, S. 69–71).

Dennoch lehnt ein großer Teil der Bevölkerung diese Einstellungen ab: 60 Prozent weisen antifeministische und 47 Prozent trans*feindliche Aussagen konsequent zurück. Die Unterschiede zwischen den Wählerschaften verschiedener Parteien sind jedoch signifikant. Unter den Anhänger*innen der AfD weist knapp die Hälfte eine durchgängig antifeministische und sexistische Haltung auf. Wähler*innen des erst kürzlich gegründeten BSW zeigen im Vergleich zu anderen Parteien die zweithöchste Zustimmung zu geschlossenen antifeministischen (27%) und trans*feindlichen (47%) Einstellungen, während geschlossener Sexismus hier weniger verbreitet ist. Mit 71 Prozent Ablehnung gegenüber trans* Personen sind AfD-Anhänger*innen am stärksten trans*feindlich. Am wenigsten ablehnend gegenüber sexueller und geschlechtlicher Vielfalt zeigen sich die Anhänger*innen der Grünen (Decker et al., 2024, S. 168–169).

Diese Daten deuten darauf hin, dass Kampagnen der extremen Rechten, die antifeministische und trans*feindliche Inhalte transportieren, in den ostdeutschen Bundesländern auf besonders große Resonanz stoßen. Die hohen Zustimmungswerte unter AfD-Wähler*innen legen nahe, dass diese Positionen ein relevant motivierender Faktor bei der Wahlentscheidung sein könnten. Gleichzeitig spiegeln diese Haltungen psychologische Abwehrmechanismen wider, die in einem autoritär geprägten sozialen Umfeld entwickelt werden. Besonders in Krisenzeiten können solche autoritären Einstellungen an Bedeutung gewinnen, wobei strukturschwächere Regionen wie die ostdeutschen Bundesländer besonders anfällig erscheinen (Decker et al., 2024, S. 177).

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Quellen:
Decker, O., & Brähler, E. (Hrsg.). (2020). Autoritäre Dynamiken: Alte Ressentiments – neue Radikalität. Leipziger Autoritarismus Studie 2020 (Forschung Psychosozial). Gießen: Psychosozial‑Verlag. Abgerufen am 25. Februar 2026 von decker-braehler-2020-autoritaere-dynamiken-leipziger-autoritarismus-studie_korr.pdf
Decker, O., Kiess, J., Heller, A., & Brähler, E. (Hrsg.). (2022). Autoritäre Dynamiken in unsicheren Zeiten: Neue Herausforderungen – alte Reaktionen? Leipziger Autoritarismus Studie 2022 (Forschung Psychosozial). Gießen: Psychosozial‑Verlag. Abgerufen am 25. Februar 2026 von decker-kiess-heller-braehler-2022-leipziger-autoritarismus-studie-autoritaere-dynamiken-in-unsicheren-zeiten_0.pdf
Decker, O., Kiess, J., Heller, A., & Brähler, E. (Hrsg.). (2024). Vereint im Ressentiment: Autoritäre Dynamiken und rechtsextreme Einstellungen. Leipziger Autoritarismus Studie 2024 (Forschung Psychosozial). Gießen: Psychosozial‑Verlag. Abgerufen am 25. Februar 2026 von leipziger-autoritarismus-studie-2024-vereint-im-ressentiment-autoritaere-dynamiken-und-rechtsextreme-einstellungen.pdf

5. Eurobarometer der EU-Kommission 2019 (Einstellungen zu LSBTI*-Personen)

Das Europäische Kommission beauftragt regelmäßig das Eurobarometer, um Einstellungen der Bevölkerung zu gesellschaftlichen Themen zu untersuchen. In der Studie zur Diskriminierung von LSBTI-Personen wurden in jedem EU-Land etwa 1.000 Menschen befragt; die Ergebnisse gelten als repräsentativ mit einer Fehlertoleranz von bis zu drei Prozentpunkten. In der deutschen Stichprobe ordnete sich etwa ein Prozent der Befragten selbst der LSBTI-Community zu. Das im September 2019 veröffentlichte Eurobarometer vergleicht zentrale Ergebnisse zudem mit einer früheren Erhebung aus dem Jahr 2015 (Europäische Kommission, 2019).

Die Ergebnisse zeigen insgesamt eine deutlich gestiegene Akzeptanz gegenüber lesbischen, schwulen und bisexuellen Menschen sowohl in Deutschland als auch in der Europäischen Union. Eine große Mehrheit der Befragten ist der Ansicht, dass lesbische, schwule und bisexuelle Menschen die gleichen Rechte haben sollten wie heterosexuelle Personen. Auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften werden von den meisten Befragten akzeptiert, und eine klare Mehrheit spricht sich dafür aus, dass die gleichgeschlechtliche Ehe in Europa erlaubt sein sollte. Besonders in Deutschland ist die Zustimmung seit 2015 mit plus 18 Prozentpunkten deutlich gestiegen und liegt über dem EU-Durchschnitt (Europäische Kommission, 2019).

Gleichzeitig zeigen Alltagssituationen weiterhin Unterschiede: Während Zuneigung zwischen heterosexuellen Paaren von fast allen Befragten akzeptiert wird, fühlen sich bei gleichgeschlechtlichen Paaren noch immer mehr Menschen unwohl – insbesondere bei küssenden Männern. Dennoch gibt auch hier eine Mehrheit an, damit kein Problem zu haben oder sich zumindest relativ wohlzufühlen (Europäische Kommission, 2019).

Auch in anderen Lebensbereichen zeigt sich eine überwiegend positive Haltung. Viele Befragte geben an, sich mit lesbischen, schwulen oder bisexuellen Kolleg*innen wohlzufühlen und hätten kein Problem damit, wenn eine solche Person das höchste politische Amt innehätte. Ebenso äußert eine Mehrheit von 59 Prozent Verständnis dafür, wenn das eigene Kind in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung leben würde. Außerdem spricht sich ein großer Teil der Bevölkerung dafür aus, dass sexuelle Vielfalt im Schulunterricht thematisiert wird. Gleichzeitig sind 36 Prozent der Befragten der Meinung, dass Diskriminierung gegenüber lesbischen, schwulen oder bisexuellen Menschen weiterhin vorkommt, in Deutschland wird dies seltener wahrgenommen als im EU-Durchschnitt (53%). Etwa die Hälfte der Befragten gibt zudem an, persönlich Menschen aus der LGB-Community zu kennen (Europäische Kommission, 2019).

Bei den Einstellungen gegenüber trans* Personen zeigt sich ebenfalls eine überwiegend unterstützende Haltung, allerdings auf etwas niedrigerem Niveau als bei lesbischen, schwulen und bisexuellen Menschen. Eine Mehrheit der Befragten befürwortet, dass trans* Personen ihren Geschlechtseintrag ändern können (70%) und unterstützt auch die Einführung einer dritten Geschlechtsoption in offiziellen Dokumenten (59%). Viele der Befragten geben an, sich mit einer trans* Person am Arbeitsplatz wohlzufühlen oder eine trans* Person im politischen Amt akzeptieren zu können. Allerdings fällt die Zustimmung deutlich geringer aus, wenn es um persönliche Nähe geht, etwa eine Partnerschaft des eigenen Kindes mit einer trans* Person (45%). Gleichzeitig wird Diskriminierung gegenüber trans* Personen von 31 Prozent der Befragten als verbreitet wahrgenommen. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung gibt an, trans* Personen im eigenen Freundes- oder Bekanntenkreis zu haben (12%) (Europäische Kommission, 2019).

Ähnliche Muster zeigen sich bei den Einstellungen gegenüber intergeschlechtlichen Menschen. Auch hier unterstützen viele Befragte eine dritte Geschlechtsoption in Dokumenten (59%) und zeigen sich offen gegenüber intergeschlechtlichen Kolleg*innen (65%) oder einer intergeschlechtlichen Person in einem hohen politischen Amt (53%). Dennoch sinkt die Zustimmung, wenn es um persönliche Beziehungen wie eine Partnerschaft des eigenen Kindes mit einer intergeschlechtlichen Person geht (45%). Die Wahrnehmung von Diskriminierung ist auch bei intergeschlechtlichen Menschen vorhanden (24%), wenn auch etwas geringer als bei trans* Personen. Gleichzeitig geben nur sehr wenige Befragte an, intergeschlechtliche Menschen persönlich zu kennen (4%) (Europäische Kommission, 2019).

Insgesamt zeigt die Studie, dass die gesellschaftliche Akzeptanz von sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in Europa seit 2015 gestiegen ist. Deutschland liegt in vielen Bereichen über dem EU-Durchschnitt und zeigt besonders starke Zuwächse bei der Unterstützung gleicher Rechte und der Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Beziehungen. Dennoch machen die Ergebnisse deutlich, dass Diskriminierung weiterhin wahrgenommen wird und insbesondere gegenüber trans* und intergeschlechtlichen Menschen noch größere Vorbehalte bestehen (Europäische Kommission, 2019).

Im Folgendem werden die Zahlen zu den Einstellungen zu 1. Lesben, Schwulen und Bisexuellen/ gleichgeschlechtlichen Partnerschaften 2. Trans* Personen 3. Intergeschlechtlichen Personen nach dem Eurobarometer der EU-Kommission (2019) grafisch dargestellt:

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Quelle:
Europäische Kommission. (2019). Discrimination in the European Union – Special Eurobarometer 493. Brüssel: Europäische Kommission. Abgerufen am 24. März 2026 von ebs_493_fact_de_de.pdf.

6. Einstellungen gegenüber lesbischen, schwulen und bisexuellen Menschen in Deutschland – Studie von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes 2017 (Einstellungen zu LSB-Personen)

Die Studie „Einstellungen gegenüber lesbischen, schwulen und bisexuellen Menschen in Deutschland“ der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) aus dem Jahr 2017 basiert auf einer repräsentativen Telefonbefragung von 2.000 Personen ab 16 Jahren und wurde unter der Leitung von Beate Küpper durchgeführt. Ziel war es, Einstellungen der Bevölkerung gegenüber lesbischen, schwulen und bisexuellen Menschen zu untersuchen (Küpper et al., 2017).

Der Blick auf die Einstellungen der Mehrheitsgesellschaft gegenüber schwulen, lesbischen und bisexuellen Menschen zeigt insgesamt eine positive Entwicklung hin zu größerer Akzeptanz. Auch die Haltung gegenüber trans* Personen fällt positiv aus. Dennoch werden bei genauerer Betrachtung einige Widersprüche sichtbar. Diese treten vor allem dann zutage, wenn detaillierter nachgefragt wird oder wenn das Thema Homosexualität näher an den persönlichen Alltag der Befragten heranrückt. Besonders deutlich werden solche Ambivalenzen bei moderneren Formen von Queerfeindlichkeit, etwa wenn es um die Sichtbarkeit homosexueller Menschen im öffentlichen Raum oder um konkrete Forderungen nach Gleichberechtigung geht (Küpper et al., 2017).

Eine große Mehrheit der Befragten (76,7%) befürwortet einen gesetzlichen Schutz homosexueller Menschen vor Diskriminierung. Gleichzeitig ist vielen bewusst, dass homo- und bisexuelle Personen weiterhin Benachteiligung erfahren (40,1% stimmen voll und ganz zu, 40,5% stimmen eher zu). Die Ergebnisse bestätigen zudem einen längerfristigen Trend: Ablehnende Einstellungen gegenüber homosexuellen Menschen nehmen seit Jahren kontinuierlich ab. Nur noch ein kleiner Teil der Bevölkerung vertreten klar traditionelle queerfeindliche Positionen, indem sie Homosexualität als „unnatürlich“ (9,1%) oder „unmoralisch“ (4,6%) betrachten und sich deutlich gegen gleiche Rechte, insbesondere in Bezug auf Ehe und Familie, aussprechen. Im Vergleich zu anderen gesellschaftlichen Gruppen, die Diskriminierung erfahren, sind die Einstellungen gegenüber homo-, bisexuellen sowie auch trans* Personen insgesamt relativ positiv. Dabei spielt es kaum eine Rolle, welche Bezeichnung für homosexuelle Menschen verwendet wird (Küpper et al., 2017).

Trotz dieser grundsätzlich positiven Entwicklung weisen die Ergebnisse auch auf problematische Aspekte hin. So ist rund ein Fünftel (13,5% stimmen eher nicht zu, 6% stimmen nicht zu) der Befragten der Meinung, dass homo- und bisexuelle Menschen heute (eher) nicht mehr diskriminiert werden. Außerdem sinkt die Unterstützung für Gleichstellung, sobald es um konkrete Maßnahmen geht – insbesondere bei Fragen rund um Ehe und Familie. Zwar sprechen sich über 80 Prozent (64,6% stimmen zu, 18% stimmen eher zu) für die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare aus, doch bei gleichen Rechten im Bereich der Adoption (56,4%) oder der Unterstützung durch künstliche Befruchtung (44,8%) ist die Zustimmung deutlich geringer (Küpper et al., 2017).

Ein ähnliches Muster zeigt sich auch bei der Rehabilitierung der nach §175 verurteilten Männer: Während eine große Mehrheit deren Rehabilitierung unterstützt (70,3%), fällt die Zustimmung zu finanziellen Entschädigungen deutlich geringer aus (42,9%) (Küpper et al., 2017).

Gleichzeitig existiert Homophobie weiterhin bei einem nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung, auch wenn sie heute meist weniger offen geäußert wird. Stattdessen zeigt sie sich häufig in subtileren Formen, die als “moderne Homophobie” bezeichnet werden. Besonders deutlich wird dies beispielsweise bei der Ansicht, homosexuelle Menschen würden „zu viel Aufsehen um ihre Sexualität machen“, dieser Aussage stimmen ein Fünftel der Befragten zu und über ein Fünftel eher zu. Auch Zuneigung in der Öffentlichkeit wird unterschiedlich bewertet: Während nur wenige Menschen es als störend empfinden, wenn sich heterosexuelle Paare küssen, reagieren deutlich mehr Befragte negativ, wenn zwei Männer oder zwei Frauen ihre Zuneigung öffentlich zeigen (Küpper et al., 2017).

Je näher homosexuelle Menschen im persönlichen Umfeld der Befragten gedacht werden, desto größer wird das Unbehagen. Für fast die Hälfte der Befragten ist es beispielsweise gleichgültig, wenn ein*e Arbeitskolleg*in homosexuell ist, und die meisten empfinden dies nicht als unangenehm. Wird jedoch die Vorstellung persönlicher, etwa wenn die eigene Tochter lesbisch oder der eigene Sohn schwul wäre, nimmt die Akzeptanz deutlich ab. Dieses Unbehagen scheint weniger auf Sorgen um mögliche Diskriminierung oder um die Lebensplanung der Kinder zurückzuführen zu sein, sondern eher auf weiterhin vorhandene ablehnende Einstellungen gegenüber Homosexualität (Küpper et al., 2017).

Mehr als die Hälfte der Befragten stimmt zudem der Aussage (eher) zu, dass man “heute kaum noch Kritik an Schwulen und Lesben äußern könne, ohne sofort als intolerant zu gelten”. Hinter dieser Aussage verbirgt sich häufig weniger eine Beschreibung gesellschaftlicher Realität als vielmehr eine indirekte Rechtfertigung eigener negativer Einstellungen. Besonders problematisch wird dies, wenn es um die Bewertung von Aggression oder Gewalt gegenüber homosexuellen Menschen geht. Rund jede zehnte Person ist der Ansicht, dass lesbische und schwule Menschen teilweise selbst verantwortlich seien, wenn sie aggressiv behandelt werden. Ein ähnlich großer Anteil zeigt zumindest ein gewisses Verständnis für solche Reaktionen, auch wenn nur sehr wenige Befragte Gewalt ausdrücklich befürworten (Küpper et al., 2017).

Im Folgendem werden die Zahlen zu 1. Affektive Homophobie 2. Zuneigung in der Öffentlichkeit 3. Klassische Homophobie 4. Moderne Homophobie 5. Akzeptanz von Gewalt gegen LSB-Personen 6. Täter-Opfer-Umkehr in Bezug auf LSB-Personen 7. Trans*phobie 8. Wissen über Diskriminierung nach der Studie „Einstellungen gegenüber lesbischen, schwulen und bisexuellen Menschen in Deutschland“ von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (2017) grafisch dargestellt:

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Quelle:
Küpper, Beate; Klocke, Ulrich; Hoffmann, Lena-Carlotta (2017): Einstellungen gegenüber lesbischen, schwulen und bisexuellen Menschen in Deutschland. Ergebnisse einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage. Hg. v. Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Baden-Baden: Nomos. Abgerufen am 24. März 2026 von umfrage_einstellungen_geg_lesb_schwulen_und_bisex_menschen_de.pdf.

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